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Gedanken am Sonntag: Die verkrusteten Kirchen auf dem Weg zu Sekten

Es ist ja eigentlich ein trauriger Witz, dass sowohl in der Katholischen wie in der Protestantischen Kirche laut einer Umfrage nicht einmal die Hälfte der Mitglieder an ein Leben nach dem Tode glaubt. Ganz finster sieht es in der Katholischen Kirche aus, wenn man nach den Dogmen der Unfehlbarkeit des Papstes oder der leiblichen Himmelfahrt Mariens fragt – – nur wenige halten das für überzeugend.
Wenn es also so ist, dass immer mehr Menschen sich ihren eigenen Glauben zurecht gelegt haben: Warum kann dann nicht eine Kirche überhaupt Raum für verschiedene Glaubensüberzeugungen sein? Es kann doch nicht sein, dass die Protestantische Kirche, die sich einmal wegen des Ablasshandels abgespalten hat, immer noch nicht mit der Katholischen vereinigt ist, ja dass man nicht einmal gemeinsam zum Abendmahl gehen kann.
Für mich könnten sogar die Moslems mit den Christen eine Kirche bilden, denn Allah und Gott sind doch wohl dieselbe Person. Und wenn die einen glauben, Jesus sei der Sohn Gottes, und die anderen meinen, er sei nur ein Prophet, so könnten doch unter einem kirchlichen Dach verschiedene Überzeugungen Platz haben, wie es ja sowieso schon der Fall ist.
Und meine Kirche besäße nicht solche Reichtümer, solange pro Tag 7000 Kinder verhungern. Die Haupttätigkeit der Kirchen gegen diese Unmenschlichkeit besteht darin, dass sie den Regierungen Vorwürfe machen, anstatt selbst etwas von ihrem unermesslichen Reichtum herzugeben.
So vieles sähe völlig anders aus, und oft frage ich mich, warum ich noch nicht ausgetreten bin.

Der Autoritätsverlust der Kirche

Wie kommt das eigentlich? Wir erleben eine frappierende Erosion des Glaubens. Damit meine ich nicht nur die Tatsache, dass immer mehr Leute die Kirche verlassen. Nein, auch diejenigen, die in der Katholischen Kirche bleiben, legen sich ihren eigenen Glauben zurecht. Dogmen wie die leibliche Himmelfahrt Mariens oder die Unfehlbarkeit des Papstes halten die meisten Katholiken für nicht mehr nachvollziehbare Glaubenssätze.
Das dürfte daran liegen, dass die Gläubigen sich nicht mehr vorschreiben lassen wollen, was sie zu glauben haben, sondern sie machen sich aus der Bibel ihr eigens Bild von ihrer Religion. Und sie machen sich ihre eigene Moral,  indem sie nicht mehr nur mit dem „Papstroulett“ (Knaus-Ogino) verhüten, sondern mit Pille und Kondom. Auch das einst sündhafte (und sogar strafbare) Zusammenleben vor der Hochzeit ist heute normal.
Am merkwürdigsten ist, dass die Angst vor der Hölle fast völlig verschwunden ist. Die Menschen wollen einfach nicht glauben, dass im Himmel ein Gott sitzt, der wie ein Erbsenzähler ihre Sünden notiert hat und bestrafen wird. Ihr Gott ist kein strafender, sondern ein gütiger Gott, der Verständnis für ihre Verfehlungen hat. Schließlich hat er ja die Menschen so gemacht.
Die Kirche hat sich offenbar ein wenig auf dieses andere Gottesbild eingestellt. Früher gab es in den meisten Wallfahrtskirchen Tafeln, die dem Besucher erklärten, wie viel Ablass er dort durch bestimmte Gebete gewinnen konnte. Schon als Kind wunderte ich mich, dass man in unserer Kirche „bei einem Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters 365 Tage Ablass“ bekam. Wer setzte das fest? Und nach welchen Maßstäben? Und wieso genau 365 Tage? Dann bin ich darauf gekommen, dass es auch Kirchen gab, in denen man einen vollkommenen Ablass erreichen konnte. Warum sollte man sich also mit 365 Tagen zufrieden geben, wenn man anderswo mehr „Rabatt“ bekam? Heute sind all diese Tafeln klammheimlich verschwunden. Anscheinend will die Kirche mit ihnen nicht anecken und keine Erinnerungen an den Ablasshandel wecken, der der Grund für die Kirchenspaltung war.
All diese Veränderungen hat es schon vor Aufdeckung der Missbrauchsskandale gegeben. Nun aber ist das Desaster kaum noch reparabel. Geht es der Katholischen Kirche wie den „Volksparteien“? Befindet si sich auf dem Weg zur Sekte?
https://autorenseite.wordpress.com/katholische-kirche-auf-dem-weg-zur-sekte/

Zitat zum Sonntag

Auf den Bergen wohnt die Freiheit…

Kardinal Schönborn sagte laut Kathpress: Im Blick auf die Kirche stelle zudem der „geistliche Missbrauch“ von Menschen ein Problem dar. Die Antwort darauf sei eine Erziehung zur Freiheit. „Da sind wir sicher noch entwicklungsfähig.“

Der Glaube, so wie ihn die Kirche lehrt, ist das Gegenteil von Freiheit, nämlich ein geistiges Gefängnis. Aber die Katholiken befreien sich mehr und mehr daraus: Kaum einer glaubt an die Dogmen der Unfehlbarkeit des Papstes, oder der Unbefleckten Empfängnis Mariens oder an deren leibliche Himmelfahrt. Nicht wenige sehen sogar ähnlich wie die Moslems nicht einmal Jesus als Gottes Sohn an.

Die wahre Freiheit sähe allerdings so aus, dass nicht schon Säuglinge getauft und damit zwangsläufig Mitglieder der Kirche würden, sondern dass sie sich erst als Erwachsene für einen Glauben entscheiden könnten. Schließlich ist ja auch Jesus erst als Erwachsener getauft worden. Aber die Kirche, die sonst so viel von Tradition hält, weicht hier vom Vorbild Jesu ab, weil sie die Kinder schon früh indoktrinieren will — und das ist das Gegenteil der Freiheit, von der der Kardinal spricht.

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Zum Sonntag: Die Erosion des Glaubens

Die zahlreichen Kirchenaustritte sind die eine Seite dieser Erosion. Die andere sieht so aus: Immer mehr von den alten Geboten und Glaubensüberzeugungen wird aufgegeben. Allein in meinem Leben, das im Dasein der Katholischen Kirche nur einen Wimpernschlag währt, hat es ganz erhebliche Umbrüche gegeben:
Als die wichtigste Veränderung sehe ich an, dass die Pille die Moral geändert hat: Sie hat Geschlechtsverkehr und Kinderkriegen entkoppelt mit der Folge, dass das Zusammenleben Unverheirateter nicht mehr als unmoralisch empfunden wird. Bei einer Befragung gaben nur 8% der Eltern und 3% der männlichen Jugendlichen an, grundsätzliche Vorbehalte gegen vorehelichen Sexualverkehr zu haben. Nun wird dieser allgemeine Trend auch von der Katholischen Kirche praktisch stillschweigend geduldet. Man traut sich nicht, das durchzusetzen, was offizielle Lehre der Katholischen Kirche ist: Danach ist der Sexualkontakt nur innerhalb einer gültig geschlossenen Ehe zulässig.
Ähnliches gilt für den Gebrauch von Verhütungsmitteln. Nur 5 % der Katholiken praktiziert die von der Kirche empfohlene natürliche Verhütungsmethode, während 25% die Pille benutzen.
Aber welcher Pfarrer wagt es denn noch, von der Kanzel herunter gegen die Pille oder das „sündhafte“ Zusammenleben junger Leute zu wettern? Und in welchem Hirtenbrief wird diese zunehmende „Versündigung“ zum Anlass genommen, einmal nachdrücklich auf die Lehre der Kirche zu verweisen? Die Kirche schweigt. Ihr ist die Kontrolle über das Sexualleben der Gläubigen, die einmal ein wichtiges Instrument zur Machtausübung war, durch die Pille entglitten. Es gab ja sogar einmal Zeiten, da war der Geschlechtsverkehr in der Fasten- und Adventszeit verboten und auch an allen Gedenktagen für Märtyrer. Es blieben also wahrscheinlich nur 30 Tage für ein sexuelles Eheleben übrig. Was ist von alledem übrig geblieben?
Ein weiteres Instrument der Machtausübung der Kirche war die Reglementierung des Essens. Wie war das doch einmal früher: Man musste nüchtern zur Kommunion gehen und lernte im Religionsunterricht, wie es ist, wenn man beim Zähneputzen versehentlich etwas Wasser geschluckt hatte: War man dann noch nüchtern? Heute gibt es das alles nicht mehr und auch die früheren Abstinenztage (kein Fleisch) sind praktisch in Vergessenheit geraten. Und die Fastenzeit wurde auch ziemlich „gesoftet“: „kein Fernsehen“ oder „mäßig Alkohol“ usw.
Und noch eine gravierende Veränderung: die Dogmen der Kirche werden immer mehr als unglaubwürdig betrachtet: An die Unfehlbarkeit des Papstes, die leibliche Himmelfahrt Mariens oder die Jungfrauengeburt glaubt nur noch eine sehr kleine Minderheit der Katholiken.
Am Rande noch etwas, was mir aufgefallen ist. Gerade hier, wo ich wohne, gibt es viele Wallfahrtsorte. Früher konnte man dort am Eingang lesen, wie viele Tage Ablass man gewinnen kann, wenn man bestimmte Gebete verrichtet. Den Ablass gibt es zwar noch offiziell, aber man traut sich nicht mehr, ihn so wie früher öffentlich zu propagieren, denn man fürchtet anscheinend, sich dadurch lächerlich zu machen: „200 Tage Ablass bei einem Vaterunser nach Meinung des Papstes.“ Wer glaubt denn so was? Und wer maßt sich an, dem Herrgott ins Handwerk zu pfuschen, indem er bestimmt, wie lange einer im Fegefeuer „braten“ muss?
Die Kirche hat ja bisher die Frauen immer vernachlässigt (falls sie das interessiert, googeln sie mal mit den Wörtern „Frau“ und „Seele“ – nicht versäumen, sehr empfehlenswert!). Und darum hat sich die Kirche anscheinend entschlossen, den Damen nun mit der Einheitsbibel entgegen zu kommen, nach welcher Gott kein Mann mehr ist (Vgl. hier meinen Beitrag vom 21.12.2012). Aber als unsere Familienministerin dann von „das Gott“ sprach, gab es doch einen kleinen Aufstand. Eine reine Männerkirche ohne Gott als Vater – das ist wenig einladend für die Suchenden.
Einen entscheidenden Beitrag zum Verlust des kirchlichen Einflusses auf die Gläubigen haben die Medien geleistet. Als ich jung war, zensierte die Kirche jeden Film und jedes Theaterstück. Das Ergebnis wurde dann im Schaukasten an den Kirchen ausgehängt. Sogar das Ballett wurde nicht verschont. Ein Satz aus einer solchen Kritik ist mir heute noch nach mehr als 50 Jahren in Erinnerung: „… wegen der sich in der Strumpfhose zu sehr abdrückenden Männlichkeit des Tänzers: abzuraten.“ Ja, Frauen, das waren noch Zeiten!
Bücher, die der Kirche missfielen, kamen auf den Index. Mein Buch „Teufel, Teufel! Das Buch der unfrommen Geschichten“ wäre sicher auch dabei gewesen. Und heute wird so viel gedruckt, dass der Kirche der Überblick entglitten ist. Das sieht man schon daran, dass sie an einem Verlag beteiligt ist oder war, wo pornografische Bücher gedruckt wurden.
Und damit sind wir beim Thema „Geld“. Obwohl täglich Tausende verhungern, beteiligt sich die Kirche lieber an einem Verlag, anstatt den Menschen zu essen zu geben. Und insbesondere der Luxus der sogenannten Oberhirten stößt immer mehr auf die Kritik der Gläubigen (vgl. „Kirchensteuer“). Und so reihen immer mehr Menschen die Kirche unter die Unternehmen ein, die beim Volk abkassieren. Bisher glaubten ja die Katholiken, die Caritas sei eine von der Kirche bezahlte soziale Einrichtung, aber inzwischen bekommen die Gläubigen mit, dass die finanziellen Mittel dieser Organisation nur zu 2 % von der Kirche stammen. Ähnlich verhält es sich bei den kirchlichen Bauten: Die Menschen erfahren heutzutage, dass der Denkmalschutz vieles bezahlt, was hinterher der Kirche als Leistung zugeschrieben wird.
Die Kirche stürzt ab vom moralischen Vorbild zu einer, wie jemand straffrei behaupten durfte: „Sekte von Kinder…“. Setzen wir hier lieber Punkte ein und lassen wir das auf sich beruhen. Jedenfalls strahlt eine Kirche keine moralische Autorität aus, wenn man lesen muss:
> Bischof Mixa mit 200.000 Euro am Flugplatz erwischt. Haben wir nicht einen Anspruch darauf, dass uns die Kirche darüber aufklärt, was es mit dieser Transaktion nach Gangsterart auf sich hat?
> Bischof Mixa kauft einen Stich für 43.000 Euro. Abgesehen davon, dass er das Geld aus der Kasse des Schrobenhausener Waisenhauses nahm, wollen wir doch wissen, wieso er überhaupt ein so teures Kunstwerk kaufen musste, noch dazu ohne echte Expertise.
> Der Passauer Bischof lässt sich einen Alterssitz für 500.000 Euro einrichten. Die Kirche beeilt sich, darauf hinzuweisen, dass hierfür keine Kirchensteuergelder verwendet wurden. Ja, wenn die Kirche soviel Geld auf der Seite hat, dass sie sich so etwas leisten kann: Warum braucht sie dann noch die Kirchensteuer?
> Der Passauer Bischof ist noch bescheiden im Verhältnis zu seinem Limburger Kollegen, der sich mit Millionenaufwand eine Residenz errichten ließ.
> Im Bistum Magdeburg sind 40 Millionen Euro verschwunden, in Limburg „nur“ 5.
> In Münster existierten 30 Schwarzkonten eines leitenden Geistlichen.
> Kardinal Marx hat in Rom einen Palast für 10 Millionen Euro gekauft.
Zur Erosion der Glaubwürdigkeit der Kirche trägt auch bei, dass sie zur Zeit nicht aus den Negativschlagzeilen heraus kommt:
Gerade wurde ein vermutliches Vergewaltigungsopfer an zwei katholischen Kliniken abgewiesen, angeblich wegen eines „Missverständnisses“ der Ethikregeln. Da hätten wir schon gern gewusst wie diese Regeln aussehen, wenn gleich zwei Ärzte die „missverstehen“.
Und gerade hat die Kirche den Auftrag an ein niedersächsisches Institut, das den Missbrauch aufarbeiten sollte, gekündigt und muss sich sogar von höchster Stelle den Vorwurf gefallen lassen, man behindere die Aufklärung. Es sieht auch nicht gut aus, dass man nichts über einen neuen Auftrag an ein anderes Institut oder eine Universität hört.
Und wo bleiben in der heutigen Zeit die Vorbilder, die die Kirche vorstellen könnte? Eine Zeit lang gab es gerade mal noch ein letztes allgemein anerkanntes Vorbild, nämlich Mutter Teresa. Aber auch deren Bild hat Kratzer bekommen, seit man erfuhr, dass ihre immensen Spendengelder auf der Vatikanbank landeten und man nicht erfuhr, was mit den vielen gesammelte Millionen gemacht wurde.