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Entschuldigung!

Wir, die deutsche Autoindustrie und die deutschen Politiker, benutzen den „Dieselgipfel“, um uns beim deutschen Volk zu entschuldigen. Rund 38.000 Todesfälle jährlich wären Forschern zufolge vermeidbar gewesen, hätten wir Autobauer die Abgasgrenzwerte für Dieselmotoren eingehalten. Besonders gefährdet sind leider die EU-Bürger. Hier starben 11.400 zu früh.
Wir – Industrie und Politik – möchten uns hiermit bei den Betroffenen entschuldigen. Wenn diese auch unsere Entschuldigung nicht mehr mit bekommen, so betrachten wir es doch als unsere moralische Pflicht, nachträglich unser Bedauern auszusprechen.
Natürlich bedarf unser Handeln einer Erklärung, die wir Ihnen hiermit geben wollen. Jede Entscheidung bedarf einer sorgfältigen Abwägung. Wir hatten die Wahl zwischen Arbeitsplätzen und Mobilität einerseits und andererseits einigen Menschenleben. Im Interesse der überlebenden Bürger haben wir uns für die erstere Alternative entschieden. Leider war die Kanzlerin beim „Dieseltreffen“ ja nicht dabei. Sie hätte Ihnen sonst erklären können, dass diese Alternative sogar „alternativlos“ war.
Auch wenn es blasphemisch klingt: Man möge uns verzeihen, dass wir hier eine Wahrheit aussprechen: Das Auto ist den Menschen wichtiger als Gott. Sie sehen das daran, wie viele Menschen Auto fahren und wie wenige eine Kirche besuchen. Und wenn das Auto schon vergöttert wird, so müssen ihm auch – religiösen Traditionen folgend – Menschenopfer gebracht werden, so leid uns das tut. Aus diesem Grund wurde ja auch das Morden durch Autoabgase in Deutschland legalisiert:
https://autorenseite.wordpress.com/2017/03/04/mord-in-deutschland-legal/
Wir handelten also auf dem Boden des Rechts. Und deshalb machen wir auch weiter so: Wir basteln ein bisschen an der Software herum, obwohl wir wissen, dass dies wenig bringt. Und wenn auch mancher nun husten muss, denken Sie an das bayerische Sprichwort: „A guater hält’s aus und um ein’n anderen…“

(Leider stammt diese längst fällige Entschuldigung weder von der Autoindustrie noch von den Politikern. Daher hat es sich der Autor dieses Blogs nicht nehmen lassen, das auszusprechen, was beim Dieseltreffen hätte gesagt werden sollen.)

Es geht bergab mit uns

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Ich habe ja schon über dieses Thema geschrieben: „Facebook stimmt mich traurig„. Und was ich nun lese, stimmt mich noch trauriger: Facebook hat jetzt sogar einen Gewinnsprung von 71% gemacht. Facebook ist eines der großen US-Unternehmen und ein so gewaltiger Gewinnzuwachs wirkt sich natürlich gesamtwirtschaftlich aus. Das wäre so ähnlich, als wenn Mercedes ein Plus von 71 % zu verzeichnen hätte. Aber daran ist gar nicht zu denken. Die gehätschelte deutsche Autoindustrie hat den Anschluss versäumt. Der Elektromobilität dürfte die Zukunft gehören und da hat es den Anschein, als hätten andere Produzenten die Nase vorn. Entsprechendes gilt wohl auch für das autonome Fahren (also ohne Fahrer).
Mich erinnert die Situation der Autoindustrie an die Einbrüche, die wir schon hinnehmen mussten: Erst traf es die Textilbranche, dann die Werften und die Fotoindustrie. Kommen nun die Autohersteller dran?
Es ist der falsche Weg, wenn Seehofer nun den Dieselautos mit Steuervergünstigungen wieder auf die Beine helfen will. Richtig wäre, die Autohersteller durch schnelle Prozesse für den Schaden haftbar zu machen: Es ist doch Betrug, wenn die Autoproduzenten Fahrzeuge mit manipulierten Abgaswerten verkauft haben mit der Folge, dass man diese nun womöglich nicht mehr in Städten nutzen darf.
Was wird wohl beim morgigen Autogipfel heraus kommen? Wahrscheinlich eine Lösung, die für die Autoproduzenten am billigsten ist. Aber zu hoffen ist, dass die Gerichte dem entgegentreten.