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Die verschwiegene Art des Missbrauchs: Frauen im Beichtstuhl

Eine Art von Missbrauch wird völlig verschwiegen. Weil sich die Betroffenen schämen, reden sie in der Regel auch nicht darüber, nämlich über den Missbrauch im Beichtstuhl. Nur in einem Spottlied wird er erwähnt:
„Das ist’s, warum die Mädchen so gern beichten geh’n,
Beim Pater Augustin, da ist’s besonders schön…“
Der Missbrauch, von dem hier die Rede sein soll, besteht nun allerdings nicht in irgendeinem körperlichen Kontakt, sondern findet nur verbal statt. So, wie manche Männer eine Sex-Nummer anrufen, um sich aufzugeilen, gibt es durchaus nicht wenige Priester, die sich Sünden gegen das 6. Gebot in allen Einzelheiten schildern lassen – angeblich um das Gewicht der Sünde richtig ermessen zu können. Natürlich mag ein Beicht-„Vater“ danach fragen, ob die arme Sünderin ein Opfer einer Verführung geworden ist oder ob sie selbst die Initiative ergriffen hat. Aber ist das nicht lächerlich, weil es ja nur darum geht, ob er ihr zur Buße drei oder fünf Vater-Unser auferlegt? Was aber peinlich ist, sind Fragen nach sämtlichen Details einer solchen Sünde. Das, was da im Beichtstuhl manchmal abläuft, ist genau so widerlich, als wenn ein Sexgangster ein Mädchen zwingt, sich nackt auszuziehen. Vielleicht ist die seelische Nacktheit sogar noch schlimmer. Die Prozedur ist für viele Mädchen so entwürdigend, dass sie dann gar nicht mehr beichten gehen  oder in sexueller Hinsicht psychisch gestört sind.
Ich war einmal Vorstand eines Vereins mit ein paar Hundert Frauen als Mitgliedern und war erschrocken, wie viele von ihnen sich über diese Form des seelischen Missbrauchs beklagten. Sie hatten schon als junge Mädchen begriffen, dass es ihrem Beichtvater nicht um das Gewicht einer Jugendsünde ging, sondern um die eigene sexuelle Erregung. Und diese Erfahrung hat bei ihnen nicht selten ein Trauma hinterlassen.
Vielleicht geht man auch einmal diesem Problem nach und macht einmal eine Umfrage: Da wird Erschreckendes ans Licht kommen.