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Der Papst ist kein Gutmensch


Vergleicht man, wie der deutsche Staat und wie die Katholische Kirche je mit ihrer Schuld umgehen, ergibt sich ein erstaunlicher Unterschied:
Wir Deutschen sind die Gutmenschen, die im Büßerhemd wandeln: Wir bauen Denkmäler für den Holocaust, Dokumentationszentren für die Verbrechen der Wehrmacht und die Mode der Stolpersteine für Opfer des Nazi-Regimes breitet sich über viele Städte aus (aber nicht in München).
https://autorenseite.wordpress.com/2018/09/05/warum-die-rechtsextremen-immer-mehr-werden/

Wenn der Papst ein Gutmensch wäre wie wir Deutschen, sähe das so aus:
Am Fest der unschuldigen Kinder, das am 28.12. von der Kirche gefeiert wird, wird nicht mehr des Kindermords von Bethlehem gedacht, den es nie gegeben hat, denn Herodes war schon tot, als Jesus geboren wurde. Man müsste das „Fest“ der unschuldigen Kinder den Missbrauchsopfern widmen oder einen „Tag der Scham“ (Kirchenlatein: Dies Pudoris) einführen.

So wie wir in unserer Hauptstadt Berlin ein riesiges Holocaust-Denkmal haben, müsste die Kirche auf dem Petersplatz etwas Vergleichbares schaffen, wenn sie mit Deutschland mithalten will.

Und dann sollten auch jede Menge Stolpersteine den Vatikan zieren.

Ja, Franziskus, schau nach Deutschland: So sehen Gutmenschen aus!

Interessant wäre es ja, was passieren würde, wenn die Kirche so mit ihrer Schuld umginge wie wir Deutschen von heute, die wir ja eigentlich gar nichts mehr dafür können.
Die Kirche tut sich leicht mit ihrer Schuld: Sie zahlt Entschädigungen aus der Kirchensteuer, die es nach ihrem eigenen Recht gar nicht geben dürfte.
Was fehlt, ist ein echtes Zeichen der Buße von den „Hirten“. Wenn man es ernst meinen würde mit der Reue, würde man einen Tag der Buße einführen, an dem die Oberhirten aus ihren Wolkenkuckucksheimen herab steigen würden und echte Dienste am Menschen verrichten würden: an den Tafeln, in Altenheimen oder Hospizen (und nicht nur Fußwaschungen an sauberen Füßen). Dann würden die Menschen sagen: Immerhin haben die begriffen.
Eigentlich sollte ja der Priesterstand eine Elite von Menschen sein, aber das Gegenteil ist der Fall: Jeder 20. deutsche Priester ist Täter eines Kindesmissbrauchs. Rechnet man das auf die Lehrerschaft um, würde das bedeuten, dass an jeder Schule mehrere Lehrer Kinder missbrauchen müssten, um die Quote der Priester zu erreichen. Unvorstellbar! Gerade in diese Wunde hätte der Papst seine Finger legen sollen, anstatt in etwa auszudrücken: Die Menschen sind Sünder und die Priester sind auch nicht anders und schuld ist die Pornografie.

Wie sagte doch Jesus? „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!“

Höcke und die schrecklichen Gutmenschen


Manchmal frage ich mich, ob wir Deutschen nicht hysterisch geworden sind. Die Sachlichkeit und die nüchterne Betrachtungsweise kommen immer mehr abhanden. Schlagworte, die wie Schlagstöcke gehandhabt werden, oder Hypes im Netz treten an ihre Stelle.
Das sich ausbreitende „Gutmenschentum“ ist auch so eine typische Erscheinung unserer Zeit:
Als Gutmenschen werden diejenigen bezeichnet, die ständig auf der Suche danach sind, ob sie nicht etwas finden können, was sie verdammen könnten und woran oft bisher kein Mensch Anstoß genommen hatte. Dass das Wort „Neger“ nun bei uns tabu ist, ist ein „Erfolg“ dieser Gutmenschen und alle nehmen das hin:
https://autorenseite.wordpress.com/2016/09/03/wir-schrecklichen-gutmenschen/
Oder: Der Krimi „Derrick“ ist in aller Welt beliebt und wird von den ausländische3n Sendern auch wiederholt, bei uns jedoch nicht, weil Horst Tappert bei der SS war.
Ein anderes Beispiel ist eine Aktion eines Mannes, der nach einem halben Jahrhundert der erste ist, der auf einmal gegen einen Grabstein auf der Fraueninsel rebelliert, mit dem des toten Generalobersts Jodl gedacht wird:
https://autorenseite.wordpress.com/2017/01/26/die-gnadenlosen-gutmenschen/
Der Mann, der sich als Künstler bezeichnet, hat aus dem Namen „Jodl“ das „J“ entfernt, so dass nur noch „odl“ übrig ist – eine bayerische Bezeichnung für Jauche.
Nun sind auch wieder Gutmenschen beim Haus des AfD-Mannes Höcke am Werk: Sie haben bei dem Haus Betonklötze aufgestellt, die dem Berliner Mahnmal für die Ermordung von Juden nachempfunden sind. Diese Gutmenschen verlangen, dass Höcke sich „auf Knien“ dafür entschuldigt, dass er dieses Denkmal als Denkmal der Schande bezeichnet hat.
https://web.de/magazine/politik/akivisten-bjoern-hoecke-knien-entschuldigen-32642340
Vielleicht wollen die Initiatoren dieser Aktion ja nur mal ins Fernsehen kommen, denn die Mainstream-Medien stürzen sich ja auf solche Ereignisse, leider meist ohne sie zu verurteilen. Ich verstehe das, was da getrieben wird, ehrlich gesagt nicht:
Wenn jemand von einem „Denkmal der Völkerschlacht“ spricht, hat niemand Zweifel daran, dass das Denkmal gemeint ist, das für die Völkerschlacht errichtet wurde. Entsprechendes gilt auch für das „Denkmal der Schande“. Dort wird eben der Schande gedacht, die Deutschland durch die Ermordung von Juden auf sich geladen hat. Manche bestreiten ja den Holocaust, was strafbar ist. Man sollte sich daher doch freuen, dass von einer Partei, die oft mit Nationalsozialismus in Verbindung gebracht wird, jemand anerkennt, dass der Holocaust eine Schande für Deutschland ist.
Wenn man die Diskussion verfolgt, die Höcke ausgelöst hat, so muss man feststellen, dass seine Rede bewusst falsch interpretiert wird: so als hätte er gesagt, die Aufstellung des Denkmals sei eine Schande. Das ist das Üble an der Diskussion.
Weiter hat Höcke gesagt, dass kein anderes Volk ein solches Denkmal aufgestellt hat. Darf man so etwas in Deutschland nicht sagen, auch wenn es die Wahrheit ist? Gedenken etwa die USA des Sklavenhandels oder des Landraubs, den man den Indianern angetan hat? Wenn die Katholische Kirche so wäre wie Deutschland, dann müsste auf dem Petersplatz ein großes Denkmal für die Untaten der Kirche stehen: Für die Hexenverbrennungen, die Kreuzzüge, die Ermordung der Katharer, die Bartholomäusnacht… Noch mehr Beispiele gefällig? Dann denken Sie mal selber nach.
Als vor vielen Jahren über die Aufstellung des Denkmals debattiert wurde, habe ich mich in meinem Blog eingemischt und vorgeschlagen zu überlegen, ob Frau Knobloch nicht auf dieses Mahnmal verzichten sollte, nachdem bereits zwei Stätten des Gedenkens in Berlin existieren würden. Ich habe ihr prophezeit, dass das Denkmal ein Streitobjekt bleiben würde und es daher besser für eine Normalisierung des Verhältnisses zu den Juden sein würde, wenn der Bau unterbleiben würde. Ich habe Frau Knobloch für den Fall, dass sie auf einem Denkmal besteht, auch vorgeschlagen zu erwägen, ob nicht eine andere Form des Denkmals errichtet werden sollte. Ich schrieb in meinem Blog, dass ich eine Art von Friedhof mitten in der Stadt nicht gut fände, zumal der ständig vor Missbrauch geschützt werden müsste. Ich schlug stattdessen einen Obelisk vor. Frau Knobloch schrieb dazu, ich sei eben ein Antisemit.
Wie recht ich hatte, sah ich einmal, als ich in Berlin war: Da lagen Mädchen in Bikinis auf den warmen schwarzen Steinen – wahrhaftig kein Ort der Trauer!
Und nun zeigt auch die Äußerung von Höcke, dass das Denkmal wohl nie ein Ort des friedlichen Gedenkens sein wird.
Wie geht man mit Schuld um? Beim einzelnen Menschen gibt es zwar die Verdrängung, aber die scheint nicht richtig zu funktionieren: Beispiel Srebrenica: Anlässlich des letzten Gedenkens befragte man Beteiligte. Ein Serbe erklärte, eigentlich wäre es ihm lieber gewesen, man hätte ihn erschossen. Und ein Holländer von der UNO-Schutztruppe wurde mit seiner Schuld nicht fertig, nichts gegen die Serben getan zu habe; er bedauerte, nicht allein auf die Serben geschossen zu haben.
So wird auch in Deutschland der Holocaust nie vergessen werden – ebenso wie die Hexenverbrennungen der Kirche. Dazu hätte es keines umstrittenen Denkmals bedurft.

 

Gedenkstätte für gefallene Bundeswehrsoldaten

Irgendwie passt es nicht richtig zusammen, ist aber doch typisch für uns. Während wir für die getöteten Juden ein riesiges Areal mitten in Berlin als Gedenkstätte eingerichtet haben, liegt das Denkmal für unsere bei Auslandseinsätzen ums Leben gekommenen Soldaten 30 km außerhalb von Berlin in einem Wald. Was will uns das sagen? Man will zwar einen Ort der Erinnerung für die jungen Deutschen haben, die ihr Leben im Auslandseinsatz lassen mussten, aber das Gedenken soll doch bitte ein stilles und abseitiges sein. Es wirft nämlich zu viele Fragen auf und das wäre unangenehm:
Wofür sind die Soldaten denn eigentlich gestorben?
Zunächst einmal dafür, dass die Amerikaner in Afghanistan ein Chaos angerichtet haben: Sie haben die Taliban bewaffnet, damit sie sich gegen die Russen erheben. Und nun wäre es eigentlich ein Gebot des Anstandes gewesen, dass derjenige, der das Chaos angerichtet hat, es auch selbst wieder in Ordnung bringt. Aber als brave Vasallen waren wir natürlich auch mit dabei und verschließen auch seit Jahren die Augen davor, dass das Eingreifen zum Scheitern verurteilt ist. In all den vielen Jahren unseres Einsatzes ist es nicht gelungen, im Land Afghanistan zuverlässige eigene Streitkräfte aufzubauen. Wenn also die internationalen Truppen abziehen, wird das Land wieder den Taliban und den Stammesfürsten zufallen.