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Kabarett: Bitte Nu(h)r nicht so im Ersten

Was ich mir als Fernsehsendung wünschen würde:
Als ich die letzte Sendung des Kabarettisten Nuhr sah, dachte ich mir, es wäre doch interessant, wenn man den Mann in einer Diskussionssendung gegen den Juso-Vorsitzenden Kühnert antreten lassen würde.
Nuhr stellte in seiner gewohnten arroganten Art Kühnert als Vollidioten hin, indem er behauptete, der Juso-Vorsitzende wolle Verhältnisse wie in der früheren DDR oder wie in Venezuela einführen. Da zeigte sich wieder einmal die beschränkte Sichtweise des Kabarettisten, der auch hier wieder wie ein Protagonist der Mainstream-Medien auftrat.
Wenn er meinte, der Staat sei zu dumm, um als Unternehmer zu fungieren, hätte er beispielsweise auch mal die frühere Deutsche Post mit den nunmehr tätigen Paketzustellern vergleichen sollen. Die Post war früher ein gut geführtes staatliches Unternehmen mit funktionierendem Kundendienst in schönen Postämtern; und dort arbeiteten gut besoldete Beamte in sicheren Arbeitsverhältnissen. Und heute werden die Postgeschäfte in hinteren Winkeln von Lebensmittelläden abgewickelt. Bei den Postzustellern sind mafiöse Verhältnisse festgestellt worden. Aber für die Kunden ist das Versenden nicht billiger geworden.
Und Herr Nuhr hätte nicht, wie es bei uns immer üblich ist, die DDR oder Venezuela als Vergleichsmaßstab hernehmen sollen, sondern auch mal einen Blick auf China werfen sollen, das uns gerade überholt.
Übrigens ritt Nuhr dauernd darauf herum, dass Kühnert sein Studium abgebrochen habe, was so viel bedeuten sollte wie: Versager. Nuhr sollte sich mal bei Wikipedia ein wenig kundig machen über prominente Studienabbrecher wie Bill Gates. Dort würde er auch erfahren, dass 5,6% unserer Abgeordneten ihr Studium abgebrochen haben. Herr Nuhr sollte sich also nichts auf sein offenbar vollendetes Studium einbilden: Ein bekannter Professor zitierte immer seinen Vater, der zu ihm gesagt hatte: „Dein Bruder ist der Gescheitere. Der übernimmt die Firma. Und du: Du musst studieren.“
Noch eine Bemerkung über Kühnert: Warum lässt man den Mann nicht mal im Fernehen reden. Oder hat man Angst, dass er andere ansteckt, z.B. Die Grünen. Es mag sein, dass er „ein Verirrter“ ist. Aber auch wir sind nicht auf dem richtigen Weg.
Wie brav die Deutschen erzogen sind, sah ich in den Fernsehnachrichten, wo man die Menschen auf der Straße zu Kühnert befragte: Es fiel sofort das Wort „DDR“ und einer sah sogar den Schießbefehl kommen. Wie schäbig über Kühnert diskutiert wird, wird mit den Äußerungen Gabriels deutlich: Er sprach u.a. davon, dass der Juso-Vorsizende nur sein eigenes Ego im Blick habe.

Anekdote

Ein Mitglied unserer Familie war ein „höheres Tier“. Er nahm einmal vor der Wiedervereiningung mit seiner deutschen Delegation in London an einer Konferenz teil. Auf dem großen runden Tisch waren jeweils kleine Fahnen aufgestellt, die anzeigten, aus welchem Land die Delegation stammte. Bei der deutschen Delegation fehlte noch der Stander. Ein Ober erschien und fragte beflissen, aus welchem Teil Deutschlands unsere Delegation stammte. Unser Familienmitglied antwortete:
„From the better part of Germany.“
Darauf stellte der Ober eine DDR-Fahne mit Hammer und Zirkel vor unseren Leuten auf.

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Die sonderbaren Anstrengungen des Herrn Gauck

Bekanntlich sagte der Bundespräsident über einen möglichen Ministerpräsidenten aus den Reihen der Linken kritisch: „Menschen, die die DDR erlebt haben und in meinem Alter sind, die müssen sich schon ganz schön anstrengen, um dies zu akzeptieren.“
Was meinen Sie denn, Herr Gauck, wie sehr sich Leute in meinem höheren Alter anstrengen mussten um zu akzeptieren, dass all die alten Nazis wieder da waren in den höchsten Partei- und Staatsämtern?
Die Nazis haben immerhin einen Weltkrieg mit mehr als 60 Millionen Toten herauf beschworen. Und was ist dagegen das Unrecht der DDR? Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals ein Bundespräsident seine Stimme erhoben hätte, um zu sagen, er könne die ehemaligen Nazis nicht akzeptieren.
Hier zeigt sich wie so oft die alte Voreingenommenheit, die uns auf dem rechten Auge blind macht, wie der Fall der NSU auch wieder einmal bestätigt hat.
Und wenn wir schon darüber reden, welche Anstrengungen man hat, etwas zu akzeptieren: Ich habe auch bei Ihnen das Problem zu akzeptieren, dass wir mit Ihnen ein Staatsoberhaupt haben, das in ungeordneten Verhältnissen lebt: Sie sind verheiratet und ziehen als Repräsentant Deutschlands mit Ihrer derzeitigen Freundin durch die Welt. Es heißt zwar immer, die Frau sei Ihre Lebensgefährtin, doch haben Sie fast Ihr ganzes Leben ja mit anderen Frauen geteilt. Da passt der Ausdruck „Lebensgefährtin“ einfach nicht dazu. Als ehemaliger Pfarrer sollten Sie doch für eine ehrliche Wortwahl sorgen, beispielsweise „Altersbegleiterin“.
Noch eine Frage: Meinen Sie nicht auch, dass ein Staatsoberhaupt eine Vorbildfunktion insbesondere für die Jugend haben sollte und glauben Sie, dass Sie mit Ihren ungeordneten Verhältnissen dieser Aufgabe gerecht werden? Da habe ich auch Anstrengungen… Seltsamerweise wird in den Medien zu solchen Themen geschwiegen. Wir sind ja sooo tolerant. Aber plötzlich, wenn es als opportun erscheint, bricht der „Shitstorm“ los, wie Ihr Vorgänger erfahren musste.