Schlagwort-Archive: Datentausch

Brexit: Und nun?

Europa
Wenn wir so lesen, was die Folgen des Brexit sein werden, da kann ich nur sagen: Die Leute haben keine Ahnung! Die schlimmste Folge für die Fußballnation Großbritannien soll sein, dass die Premier League darunter leiden soll, dass sie keine ausländischen Spieler mehr bekommt. Wer glaubt denn so was? Es ist doch völlig klar, dass im abgespaltenem Großbritannien auf jeden Fall diejenigen eine Arbeitserlaubnis erhalten, die man im Lande haben will. Und da wird man in einem Land, wo der Fußball eine große Rolle spielt, nicht kleinlich sein.
Manche Experten schätzen, dass die britische Wirtschaft einen Einbruch von 4 %  erleiden wird. Da muss man aber eine Gegenrechnung aufmachen: Zum einen muss das Land nicht mehr in die EU-Kasse einzahlen. Zum anderen laufen die Subventionen, die das Land verteilt, nicht mehr über die EU, sondern können direkt nach Belieben der Regierung ausbezahlt werden. Das ist ein erheblicher Gewinn, denn ich glaube, dass der Umweg über Brüssel mindestens 5 % Verlust zur Folge hat, weil der dortige Verwaltungsapparat zu teuer ist.
Ein Bankenexperte schätzt, dass der Bedeutungsverlust des Finanzplatzes London 10.000 Arbeitsplätze kosten wird. Das dürfte übertrieben sein. Aber die Arbeitsplätze werden doch nicht verloren gehen, sondern nach Frankfurt abwandern. Dafür wird es anderen Branchen in Großbritannien besser gehen: auf jeden Fall der Fischindustrie und der Landwirtschaft. Und durch den Wegfall der Freizügigkeit gibt es nach dem Abzud der Ausländer auf jeden Fall sehr viele Arbeitsplätze für Briten.
Man rechnet damit, dass nun Zölle die Lage der britischen Wirtschaft erschweren werden. Das sehe ich nicht so, denn auch viele deutsche Unternehmen leben vom Export nach Großbritannien. Daher ist zu erwarten, dass es zu einem Freihandelsabkommen mit Großbritannien kommen wird. Alles andere wäre eine Trotzreaktion, bei der man sich ins eigene Fleisch schneidet und die der Idee Europa zuwider laufen würden. Großbritannien ist ja weiterhin ein Teil Europas, wenn auch nicht Teil der EU.
Im übrigen ist die Lage so: In den ersten vier Monaten 2015 lag der Außenhandelsüberschuss in Deutschland bei 81,9 Milliarden Euro, während Großbritannien ein Handelsdefizit in Höhe von 49,7 Milliarden Euro aufwies. Großbritannien kann nun seine Wirtschaft durch Zölle schützen und eine Steigerung der Bilanzdefizite vermeiden.
Eine Trotzreaktion der EU hören wir jedenfalls jetzt schon: Nach dem Austritt wird Großbritannien nicht mehr vom Datenaustausch der Polizei und Dienste profitieren. Aber es kann doch wohl nicht sein, dass unsere Polizei die Briten nicht informiert, wenn dort ein Attentat droht. Im übrigen ist der Datentausch ja keine Einbahnstraße. Auch die EU profitiert davon.
Ja, es wird viele Veränderungen geben, die kein Mensch überblickt. Und damit tritt ein Fehler der EU zu Tage: nämlich dass alles so unübersichtlich geworden ist.
Seien wir gespannt, was nun passiert. Sollten die Briten plötzlich wider jedes Erwarten, so wie sie uns mit dem Brexit überrascht haben, nach dem Austritt aus der EU besser da stehen als vorher, dann ist die EU erledigt, denn dann sind sie ein Vorbild für die, die auch mit dem Gedanken spielen, die EU zu verlassen.