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Kampfmoral: Was hat Moral mit Kampf zu tun?

Nach Geheimdienstberichten sinkt die Kampfmoral der russischen Soldaten. Gemeint ist aber wohl eher die Motivation.
Aber was hat Kampf mit Moral zu tun? Hier drei Beispiele:
> Kiel war der Reichskriegshafen und wurde daher von den Bombern dem Erdboden gleich gemacht. Aber nicht alle Piloten bombardierten die Stadt. Der Wald in der Umgebung war voll mit Bombentrichtern und mein Vater, der selbst Soldat war, sagte: „Schau dir das an: Es gab doch noch anständige Kerle unter den Bomberpiloten. Die haben ihre Fracht hier abgelassen.“
> Ein Holländer, der bei der UNO in Srebrenica eingesetzt war, wurde in seinem Gewissen nicht damit fertig, dass man die Stadt und damit auch das Schicksal der Männer kampflos den übermächtigen Serben überlassen hatte, so dass es zu dem grausamen Massaker kam. Er fragte sich immer wieder, ob nicht jedenfalls es hätte kämpfen sollen.
> In meiner Leseecke habe ich unter dem Titel „Der Ordensträger“ auch einen Fall beschrieben, der zeigt, wie schwer ein bekannter Politiker bis zu seinem Lebensende darunter gelitten hat, dass er im Krieg Menschen getötet hatte.
Und wenn man die Selbstmordraten der amerikanischen Kriegsheimkehrer anschaut. sieht man: Der Mensch ist nicht zum Töten geeignet.

Vor 75 Jahren: Kapitulation – Ich war dabei: So war’s

 

Heute vor 75 Jahren kapitulierte Deutschland. Wir wohnten damals in Kiel und so sah es dort aus:

„Auf Kiel fielen insgesamt bei 90 Luftangriffen 44 000 Sprengbomben, 900 Minenbomben und rund 500 000 Brandbomben. Fast 3000 Zivilisten verloren ihr Leben, über 5000 wurden verletzt, 167 000 Einwohner wurden obdachlos. Die Zahl der Toten wäre höher gewesen, wenn nicht während des Krieges zahlreiche Luftschutzbunker gebaut, über 150 000 Kieler evakuiert und nicht Schulkinder im Rahmen der Kinderlandverschickung in weniger gefährdete Gebiet gebracht worden wären. Am 1. Januar 1945 hatte die Stadt nur noch 143 000 Einwohner, vor allem Frauen und Alte. Vor dem Krieg hatten in Kiel 261 000 Menschen gelebt.“
Über 5 Millionen Kubikmeter Schutt bedeckten die Stadt. Denn 35% der Gebäude waren zerstört, 40% beschädigt, 25% unbeschädigt. Noch schlimmer war es um die Wohnungen in Kiel bestellt. 40% waren zerstört, 40% beschädigt und nur 20% unbeschädigt.“
(https://www.kiel.de/de/bildung_wissenschaft/stadtarchiv/erinnerungstage.php?id=34)

Als Kiel kampflos übergeben wurde, befürchtete ich das Schlimmste, das uns ja die Nazis für diesen Fall prophezeit hatten. Die bisherigen Feinde, die uns als Kinder beim Kartoffelsammeln auf dem Feld beschossen hatten und die immer wieder die endlosen Flüchtlingstrecks angegriffen  hatten, waren nicht nur in meinen Augen, sondern auch völkerrechtlich Kriegsverbrecher. Was würde nun aus uns werden?
Meine Mutter schickte mich am Tag des Einmarsches der Briten zum Milchmann (So etwas gab es damals noch.) Ich hatte ein wenig Angst, beruhigte mich aber, als es dort sehr voll war und die Frauen sich unterhielten mit der übereinstimmenden Meinung: „Gott sei Dank: Der Krieg ist vorbei und schlimmer kann es nun auch nicht werden.“ In diesem Augenblick meldete ein Junge aufgeregt, dass der erste britische Panzer unten an der Hauptstraße stehen würde und dass die Soldaten den Passanten die Uhren abnehmen würden (Ja, eine Uhr war damals ein Wertgegenstand,).
Als ich wieder zu Hause war, hielt es meine Mutter für besser, alles zu vernichten, was mit dem Dritten Reich verbunden war: Das war zunächst einmal Hitlers „Mein Kampf“. Das Buch gehörte damals in jeden Haushalt wie die Bibel. Ich verbrannte es in unserer Brennhexe, einer chamottierten Blechkiste, auf der wir in Ermangelung von Strom und Gas kochten. Dann zertrümmerte ich mit einem Hammer das Parteiabzeichen meines Vaters. Er war zwar kein Nazi, aber im NSKK (National-sozialistischen Kraftfahr-Korps) wegen der schönen Touren, die dieser Verein damals unternahm.
Außerdem verbrannte ich ein Ölbild meines Vaters in Uniform, das ihm jemand zum Geburtstag gemalt hatte. Meine Mutter fand, wenn unser Haus durchsucht würde, könnte ihn jemand für Hitler halten, obwohl überhaupt keine Ähnlichkeit vorhanden war.
Nachdem wir unsere Wohnung auf diese Weise entnazifiziert hatten, rumpelte es draußen. Der erste Panzer fuhr vor. Ich war natürlich neugierig und schaute vorsichtig hinaus, aber es war alles ganz anders, als ich mir gedacht hatte. Ein Neger (Das durfte man damals noch sagen)  lag auf dem Panzer in der Sonne und lachte. Kinder liefen hinterher und bettelten um Schokolade, die er gelegentlich verschenkte. Dabei hielt er das Buch „Mein Kampf“ in die Höhe und nannte den Preis: „One chocolade!“ Und dann zeigte er ein Parteiabzeichen her und rief: „Three choclades!“
Ich meldete das meiner Mutter und wir fanden: Waren wir blöde!
Ja so war’s damals!

 

 

Ich bin ein Glückspilz


Wenn ich daran zurück denke, was ich alles überlebt habe, kann ich nur dankbar sagen: Ich bin ein Glückspilz gewesen:

Ich habe im Krieg die Bombenangriffe überlebt, als der „Reichskriegshafen“ Kiel dem Erdboden gleich gemacht wurde. Und ich wurde auch nicht getroffen, als britische Tiefflieger uns Kinder beim Kartoffelsammeln beschossen

Nach dem Krieg litten wir sehr unter Hunger und da haben wir Kinder festgestellt, dass Blei süß schmeckt und so haben wir es gekaut und überlebt.

Ein Freund besaß eine Schale mit Quecksilber und es war toll, wenn man es mit den Händen umrührte. Auch das haben wir ausgehalten.

In den Schuhgeschäften standen Röntgengeräte, mit denen man schauen konnte, ob die Schuhe richtig passen. Da haben wir Kinder unsere Köpfe hinein gehalten und sahen einen „Totenkopf“. Abenteuerlich!

In der Schule erhielten wir bei einem gesundheitlichen Experiment radioaktive Zahnpasta: Das hat weder etwas genützt noch geschadet.

Und hier hatte ich wieder einen besonderen Schutzengel: Beim Bergsteigen wollten wir in einer Alpenvereinshütte im Zillertal übernachten. Als wir dort ankamen, setzte ein Schneetreiben ein und wir entschlossen uns, wieder ins Tal zu fahren. Mein Freund wollte aber unbedingt noch einen Blick in den Winterraum werfen. Er holte den Schlüssel heraus und wollte gerade aufsperren, als ich wegen des starken Schneetreibens schimpfte: „Wir müssen schnell abhauen, so lange wir noch unsere Aufstiegsspur sehen können,“ Er zog seine Hand, die er nach der Türklinke ausgestreckt hatte, zurück und wir fuhren ab. Am nächsten Tag kamen Alpini zu der Hütte und lösten beim Öffnen der Tür eine Explosion auf, weil Südtiroler Extremisten dort eine Bombe angebracht hatten.

Ja, ich könnte noch vieles berichten und damit erklären, warum ich so dankbar auf ein langes Leben zurück blicken kann.

Wenn ich diese Bilder sehe…

Wenn ich die Bilder von Ost-Ghouta sehe, denke ich an meine Jugend und an die Bombenangriffe, die ich überlebt habe. Ich wohnte damals in Kiel. Die Stadt war der „Reichskriegshafen“ und wurde daher besonders stark bombardiert. Die Häuser wurden zu 88% zerstört und das sah noch schlimmer aus als heute Aleppo und Ost-Ghouta, denn die Bauten waren nicht aus Beton. Wenn die Alliierten wieder einen „Bombenteppich“ gelegt hatten, stand dort überhaupt nichts mehr und man hatte Schwierigkeiten, sich überhaupt noch orientieren zu können, denn die Straßen lagen unter dem Schutt. Nach Kriegsende wurde dann der ganze Schutt einfach in die Ostsee gekippt. Und weil es an der See immer windig ist, hatte man das Problem, dass Staubstürme über die leeren Trümmerfelder wehten. Also pflanzte man Bäume an, die nach dem Oberbürgermeister liebevoll „Gayk-Wäldchen“ genannt wurden. Statt einer Innenstadt hatten wir einen Wald – das muss man sich heute einmal vorstellen, wenn man nun durch Kiel geht.
Der Wiederaufbau Aleppos und Ost-Ghoutas wird insofern schwieriger sein, als die Betonruinen nicht so einfach zu einem Schuttberg abtransportiert werden können, wie es in München geschehen ist. Aber die Einwohner werden sicherlich Unterstützung von der UNO bekommen, die uns damals fehlte.
Wenn nun beim Thema Ost-Ghouta von Kriegsverbrechen gesprochen wird, weil viele Zivilisten als Opfer zu beklagen sind, so sind diese Verbrechen aber doch nur halb so schlimm wie diejenigen, die im zweiten Weltkrieg geschehen sind. Assads Angriffe richten sich jedenfalls gegen seine Gegner und nicht gegen die Zivilisten, die allerdings nicht geschont werden. Im zweiten Weltkrieg dagegen wurden gezielt Zivilisten getötet – am schlimmsten in Dresden.
Eine Weisheit besagt: „Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst.“ Der Spruch sollte ergänzt werden wie folgt: „Danach stirbt das Völkerrecht.“

Der böse Putin!

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Es ist eigentlich merkwürdig wie wenig sachlich die Berichterstattung ist, wenn es um Putin geht.
Das jüngste Beispiel erleben wir gerade bei den Demonstrationen in Russland: Da wird Putin in den Mainstream-Medien
vorgeworfen, dass er die Meinungsfreiheit missachte und das Recht zu demonstrieren unterdrücke. Nun wurde auch noch der Oppositionelle Nawalny bestraft, weil er zu einer nicht genehmigten Demonstration aufgerufen hatte, was wiederum einen Protest der Medien auslöste. Die Medien übersehen dabei völlig, dass auch bei uns Demonstrationen angemeldet werden müssen und dass eine Unterlassung der Anmeldung geahndet wird.

Nehmen wir ein anderes Beispiel: Eine Zeit lang konnten wir lesen, dass russische Flugzeuge gezielt Schulen und Krankenhäuser angegriffen hätten. Da steckte natürlich für die Medien der Unmensch Putin dahinter. Und jetzt haben die Amerikaner ihre Bombenangriffe verstärkt und 200 Zivilisten getötet. Da geht kein Aufschrei durch unsere Medienlandschaft.

Als Putin die Krim vereinnahmte, um – wie er sagte – seine russischen Landsleute vor Repressalien aus Kiew zu schützen, wurden Sanktionen gegen ihn verhängt. Wenn aber Israel den Siedlungsbau auf palästinensischem Gebiet verstärkt und damit fremdes Land okkupiert, hört man nur schwache Proteste des Westens. An Sanktionen denkt hier keiner.
Überall zweierlei Maß!

Das Bild hat mich gerührt

Ich sah kürzlich ein Bild einer syrischen Mutter, die mit ihrem Baby auf dem Arm aus dem Trümmerfeld von Mossul floh. Und ihrem Gesicht drückte sich neben der Angst und Sorge aber auch eine fast überirdisch wirkende Seligkeit aus, ihr Kind im Arm zu halten. Und das erinnerte mich an die Kriegszeit bei uns: Wir fuhren damals mit der S-Bahn durch Hamburg und plötzlich fielen neben dem Zug bombardierte Häuser wie Spielzeug zusammen. Offenbar waren ein paar versprengte Bomber unterwegs, die das Warnsystem übersehen hatte, so dass es keinen Luftschutzalarm gegeben hatte. Als wir dann im Bahnhof einfuhren – ich glaube, es war Hamburg-Altona – da krachte eine Bombe ein. Das Glas splitterte und die Menschen schrien. Auch wir liefen um unser Leben, und auf einmal sah ich an der Wand eine Mutter auf ihrem Koffer sitzen, die selbstvergessen ihr Kind stillte, als wenn nichts gewesen wäre: Ein Bild des Friedens inmitten der Schrecknisse des Krieges!

Hatte Hitler recht?

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Er sagte: „So etwas wie „Wahrheit” gibt es nicht. „Wahrheit“ ist eine Lüge, die du den Leuten so lange erzählt hast, bis sie vergessen haben, dass es eine Lüge war.“
Wenn ich miterlebe, was alles über Putin verbreitet wird, dann fragt man sich als kritischer Leser schon, ob Hitler mit seinem Ausspruch nicht doch recht hatte. Manchmal wird dabei so dick aufgetragen, dass sich die Unglaubhaftigkeit der verbreiteten Meldungen direkt aufdrängt. So wird beispielsweise behauptet, Putin lasse in Syrien gezielt Krankenhäuser und Schulen bombardieren. Warum sollte er etwas tun, was auf allgemeine Verurteilung stößt? Und wäre der orthodoxe Patriarch von Moskau mit Putin befreundet, wenn dieser so ein Verbrecher wäre?
Auch die Ukrainekrise kann man durchaus anders sehen, als sie uns immer offiziell dargestellt wird:
https://autorenseite.wordpress.com/2014/10/07/ukraine-irak-19518323/
Und das Geschrei „Lügenpresse“ kommt doch wohl nicht von ungefähr. Es muss doch einen realen Hintergrund haben.

 

 

 

Bomben auf den IS?

Man ist sich einig, dass der IS bekämpft werden muss. Nur wie? Da hört es sich für die meisten gut an, wenn sie erfahren, dass er bombardiert werden soll. Allerdings haben wahrscheinlich die meisten Abgeordneten im Bundestag keine Ahnung, wo der IS sitzt. Sie haben wahrscheinlich ein Bild vor Augen, das so aussieht: Irgendwo in der Wüste hat der IS Stellungen und die kann man zielgenau bombardieren. In Wirklichkeit wird sich der IS aber in Städten eingenistet haben, vielleicht sogar so, wie es die Palästinenser bei israelischen Luftangriffen gemacht haben: Sie hatten sich in Schulen und Krankenhäusern verschanzt. Was nun? Das müssen dann wohl die Militärs entscheiden. Machen sie es so wie die Israelis oder wie sonst? Kann man den IS überhaupt in Städten bombardieren oder sind die Kollateralschäden zu hoch? Wie hoch dürfen diese Schäden denn überhaupt sein? Pro toten IS-Kämpfer 10 tote Zivilisten? Oder wie ist die Relation?
Schade, dass das Wissen von uns Alten immer mehr verloren geht oder nicht mehr beachtet wird. Wer wie wir Alten im Bombenhagel der Alliierten im Keller saß, der weiß, was solches völkerrechtswidriges Morden zur Folge hat. Das Volk stand umso mehr hinter Hitler, als es sah, dass die Feinde vor Mord an Zivilisten nicht zurückschreckten. Man musste also das Schlimmste befürchten, wenn man kapitulieren würde.
So gesehen wird das ganze Bombardement des IS nichts bringen: Dessen Kämpfer haben sich viel zu sehr verstreut, als dass man ihnen mit Bomben etwas anhaben könnte. Und die toten Zivilisten werden den Hass auf den Westen weiter schüren und junge Männer dem IS in die Arme treiben.