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Der alte Altmaier gegen den kühnen Kühnert

Zwei Nachrichten gaben mir gestern zu denken:

1. Altmaier*) verspricht den Autobauern eine Milliarde Subvention für Aufbau einer Batterieproduktion.
2. Und Kühnert will BMW sozialisieren.
Die erste Nachricht ging sang- und klanglos über die Bühne. Wieso eigentlich? Sind wir so brav geworden, dass wir alles schlucken? Wieso soll der Steuerzahler die Autoindustrie mit einer Milliarde subventionieren? Warum müssen die Autobauer die notwendigen Investitionen nicht selbst bezahlen? Sie haben doch gewaltige Gewinne erzielt:
Audi 3,5 Milliarden, VW 17 Milliarden und Mercedes 11 Milliarden. Die Autobauer können also die notwendigen Investitionen für die Zukunft leicht ohne Hilfe der Steuerzahler tragen.
Altmaier braucht den Steuerzahlern den Griff in deren Taschen nicht einmal zu begründen. Es stellt ja keine Begründung dar, wenn er sagt, die (verschlafene!) deutsche Autoindustrie dürfe nicht von chinesischen Batterien abhängig sein. Das ist zwar richtig, aber kein Argument dagegen, dass die deutschen Autofirmen den Aufbau einer Batterieproduktion selbst bezahlen müssen, wie auch normale Unternehmer ihre Entwicklungskosten selbst tragen.

Und nun zu Kühnerts Paukenschlag: Brav, wie unsere Medien sind, ist deren Echo natürlich negativ. „Will Kühnert triste Plattenbauten wie in der DDR?“ So und ähnlich lauten die Kommentare.
Kein Echo war so wie dieses:
https://autorenseite.wordpress.com/2017/04/03/rpd-radikal-soziale-partei-deutschlands/
Zunächst einmal bildet Kühnerts Idee den notwendigen Gegenpol zu der Forderung der FDP, den Art. 15 des Grundgesetzes abzuschaffen, die genau so radikal ist – nur anders herum.
Und dann sollten wir sozialistische Ideen nicht schon deshalb ablehnen, weil sie in der DDR eine schreckliche Ausprägung gefunden haben. Wir sollten vielmehr nach China schauen und darüber nachdenken, ob wir dort nicht auch etwas finden können, was wir nachahmen können. Unbestreitbar ist das chinesische Wirtschaftssystem uns überlegen. Das beweist gerade das Beispiel Autoindustrie, wo wir bei der Entwicklung weit hinterher hinken. Die Überlegenheit der Chinesen zeigt sich insbesondere auch dadurch, dass sie sich durch langfristige Lieferverträge mit dem Kongo die Quellen für die Rohstoffe der Autobatterien gesichert haben, während unsere gehätschelten Manager kaum über den Tellerrand hinaus geblickt haben und nun „mit dem Ofenrohr ins Gebirge schauen“.
Übrigens fällt mir zu Kühnert der Satz eines Spitzenmannes der CDU ein (Leider habe ich vergessen, wer es war.) Der wurde darauf angesprochen, dass sein Sohn mit dem Kommunismus sympathisiere. Darauf antwortete er sinngemäß: „Waren wir nicht alle ein bisschen so? Aber das gibt sich dann später.“
Uns wir immer gesagt: Die privaten Unternehmer können alles viel besser und billiger als der Staat. Dass das so nicht stimmt, sehen wir gerade am Beispiel Post: Was war das für ein stolzes staatliches Unternehmen mit großartigen Postämtern mitten in den Städten und gut dotierten Beamtenstellen. Nun sind die Ämter verkauft und die Postgeschäfte werden häufig in den hinteren Winkeln von Geschäften abgewickelt. Und aus den Beamten sind unterbezahlte Zusteller geworden. Billiger sind die Pakete dadurch nicht geworden: Wieso auch, wo jetzt statt eines Postautos bei uns sechs verschiedene Zulieferer herumfahren und die Umwelt belasten.

Gerade kam in den Nachrichten eine Meldung, nach der verschiedene Medikamente, darunter auch lebensrettende, derzeit nicht erhältlich sind, weil in China eine Pharma-Fabrik abgebrannt ist. Unsere Pharma-Unternehmen haben ja ihre Produktion weitgehend nach China und Indien ausgelagert, wo ein Konzentrationsprozess stattgefunden hat. Wenn dort eine Fabrik ausfällt, bedeutet das u.U. für jemanden, der auf Bienenstiche mit einem allergischen Schock reagiert, dass sein Leben damit zu Ende ist.
Ist dies nicht ein Grund, mit Kühnert ein wenig über unser Wirtschaftssystem nachzudenken? Ich habe es schon getan:
https://autorenseite.wordpress.com/2018/10/27/schlimmer-als-alles-bisher-erlebte/

*) Mein Rechtschreibprogramm kennt Altmaier nicht und will unbedingt, dass ich stattdessen „Altpapier“ schreibe. Ich hoffe, dass der Mann nun im Beitrag richtig geschrieben ist.

Bayern ist anders



Mein Senf dazu:
Während VW wegen des Dieselskandals in den USA zu Milliarden schweren Geldstrafen verurteilt wurde, sieht die Welt in Bayern anders aus: Auch BMW hatte in seinen Autos verbotene Abschalteinrichtungen eingebaut.
Aber das Unternehmen muss In Bayern nur ein Bußgeld von zehn Millionen Euro zahlen. Bei dem Einsatz der verbotenen Technik handele es sich aber um ein Versehen, stellte die Staatsanwaltschaft fest. Da können wir Laien nur staunen, was es für Versehen geben kann.
Man sieht: In Bayern gehen die Uhren anders.

Für Nichtbayern: Wie muss man sich das „Versehen“ vorstellen? Etwa so:
Da findet ein Arbeiter ein herum liegendes Teil und zu einem anderen:
„Du, Kare, was is’n des für a Trumm?“
„Woa i neda!“ (Weiß ich nicht)
„Nacha baun mer’s lieber ein. Net dass was fehlt.“

Ich bin entsetzt

Heute Morgen hörte ich in den Nachrichten, dass BMW hundert Millionen Personalkosten einsparen will. Und das soll dadurch geschehen, dass die Essens- und Ruhepausen verkürzt werden. Ist es reine Geldgier, die solche Pläne gedeihen lässt? Der Jahresumsatz der deutschen Automobilindustrie betrug 2013 rund 360 Mrd. Euro (knapp 1 % mehr als 2012). BMW hatte in seiner Autobranche einen Umsatz von über 70 Milliarden. Was sind da schon 100 Millionen, die man dem Personal wegnimmt?
Gemessen am Gewinn war BMW im Verhältnis zum Umsatz Spitzenreiter. BMW verdrängte Hyundai vom Platz eins der profitabelsten Autobauer. Im Jahr 2013 legte der Fahrzeugverkauf bei BMW um 6,4 % zu. Beim Gewinn ergab sich nach Steuern ein Plus von 4,5 %.
Wir drücken die französischen Autobauer an die Wand. Das restliche Europa beklagt sich über uns, weil wir Dumpinglöhne bezahlen würden und damit den Wettbewerb verzerren würden. Unserer Handelsbilanzüberschüsse sind enorm.
Könnte man nicht einmal nun den umgekehrten Weg gehen und sagen: Uns geht es gut, nun sollen auch einmal die Arbeitnehmer etwas davon haben?
Das, was wir hier sehen ist Teil des „Merkel-Prinzips“. Den Menschen wird überall etwas abgeknapst, was sich in der Statistik oft gar nicht auswirkt. Und dann verkündet man dem Volke freudig: Ihr habt 2013 ein Lohnplus von 1,3 % erreicht. (1,5 % frisst allerdings schon die Inflation.)
Ich bin offenbar ein naiver Mensch: Ich dachte einmal, dass unsere Arbeiter sich auch einmal eine so ausgiebige Mittagspause gönnen und das Essen in aller Ruhe genießen können, wie es bei den Franzosen der Brauch war. Stattdessen greifen nun die Franzosen mittags zum Big Mac. Und ich glaubte, dass die Lebensarbeitszeit verkürzt würde. Wenn sie stattdessen verlängert wurde angeblich wegen des demografischen Faktors, so wird dabei immer außer Betracht gelassen, dass sich die Produktivität so gesteigert hat, dass sie eigentlich den demografischen Faktor ausgleichen müsste.