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Heute ist der Evaluier-dein-Leben-Tag

Man kann sich in einen Sessel setzen und über sich und sein Leben nachdenken oder kann das abends im Bett tun. Letzteres ist vielleicht keine so gute Idee, weil das manchem den Schlaf rauben könnte.
Am besten ist das Bergsteigen für das Nachdenken über sich selbst geeignet:
https://autorenseite.wordpress.com/2021/10/03/sonntagsbeschaeftigung-machen-sie-doch-mal-einen-rest-bei-sich-selber/
Bergsteigen aktiviert das Gehirn, weil es die Sauerstoffaufnahme in besonderem Maße fördert: Gehirndoping.
Und der zweite Vorteil ist: Von oben sehen die Probleme auf einmal kleiner aus.

Das Lernen muss man lernen: Beim Lernen ist es wie beim Sex… (II)

In diesem Buch blicke ich auf meine Zeit im Berufsleben zurück.

Fortsetzung von Teil I.

Beim Lernen ist es wie beim Sex: Die meisten glauben, das bräuchte man nicht zu lernen.

Das ist ein gewaltiger Irrtum. Wie man richtig lernt, habe ich langsam begriffen und möchte hier meine Erfahrungen mitteilen, damit andere davon profitieren. Im ersten Teil habe ich geschildert, wie ich als „minder begabter“ Schüler gerade noch das Abitur geschafft habe.

Dennoch habe ich mich zu einem Studium entschlossen. Da kam für mich nur das Jurastudium in Frage, weil es bei Null begann, also mir auch für einen Menschen ohne „hochzeitliches Gewand“ (siehe Teil I) als geeignet erschien, zumal man nicht so viel auswendig lernen musste wie in anderen Fächern. Und siehe da: Es hat geklappt. Ich bin Richter geworden, habe eine Familie gründen können und mir ein Haus im schönen Bayern leisten können. Und manchmal denke ich, was wohl aus mir geworden wäre, wenn es die Sozis nicht gegeben hätte, die mir das Gymnasium eröffneten und so für mich ein Abitur und ein Studium ermöglichten.
Wie konnte es sein, dass ich es so weit gebracht habe, dass ich sogar Professor hätte werden können? Ich führe das darauf zurück, dass ich intuitiv erfasst habe, wie man richtig lernt. Wenn ich so sehe, wie sich in meinem Blickfeld die Jugend bis in die Nacht und auch an Wochenenden bemüht, sich den Lernstoff anzueignen, dann ist das aus meiner Sicht völlig falsch:
In vielen Religionen gibt es so etwas wie das Sonntagsgebot. Das beruht auf der Erfahrung, dass der Mensch nicht dauernd arbeiten kann, sondern auch eine Phase der Erholung braucht. Das ist danach auch gut für die Arbeit. Inzwischen ist ja viel darüber geforscht worden, wie man am effektivsten arbeitet und da hat man die 52:17-Regel entdeckt. Man soll also 52 Minuten arbeiten und dann 17 Minuten ruhen. Streber werden das verrückt finden, aber das ist halt Stand der Wissenschaft. (Also ist das System der Schulstunden gar nicht verkehrt.)
Und noch etwas ist eine wichtige Erkenntnis der Havard-Universität: Man lernt nicht beim Lernen, sondern in den Phasen des Ruhens. Das bedeutet: Lernen bis in die Nacht hinein lohnt sich nicht. Ausreichend ist Schlaf wichtig, weil das, was sich sozusagen nur im „Arbeitsspeicher“ des Gehirns befindet, dann in die tieferen Regionen unseres Kopfes eingelagert wird.
Wie ich es fertig brachte, ein gutes Examensergebnis zu erzielen, war allerdings etwas anders. Ich wollte unbedingt Amtsrichter in einem schönen bayerischen Gebirgsort werden und sagte mir, dass ich für den Beruf nicht geeignet sein würde, wenn ich täglich mehr als 8 Stunden (also den üblichen Arbeitstag lang) lernen würde. Ich wohnte damals in München und fuhr fast jeden Abend mit dem Rad nach Schwabing in eine der Studentenkneipen zum Tanzen, trank ein Glas Bier und war schon um 22 Uhr im Bett. (Wie blöde ist die nun eingerissene Unsitte, erst kurz vor Mitternacht in die Disco zu gehen!)
Am Wochenende war ich als Bergwachtmann im Gebirge. Wie ich später erfuhr, hatte ich daher Blutwerte wie ein Gedopter, denn die dünnere Luft in der Höhe führt dazu, dass man mehr rote Blutkörperchen bekommt. Vielleicht lernt man als Gedopter leichter. Mein Bergkamerad, der ebenfalls mit mir an den Wochenenden unterwegs war, brachte es neben Beruf und großer Familie sogar zum Professor für Physik, obwohl er nicht einmal einen Doktortitel hatte. Man sieht also: Bergsteigen statt Lernen am Wochenende wirkt.
Noch etwas ist fürs Lernen wichtig. Ein Professor drückte es so aus: „Ich sehe lauter Hobojus – das bringt nichts!“ Mit „Hobojus“ beklagte er die Zunahme von „Hosenbodenjuristen“, also Studenten, die nichts als ihr Studienfach im Auge hatten.
Das war früher anders: In der Münchner Uni gibt es ein Auditorium Maximum. Dort kamen seinerzeit die Studenten zusammen, um die Kapazitäten zu hören, die dort lehrten. Ich hörte damals den Religionsphilosophen Guardini und Vorlesungen von Sedlmayr über den „Verlust der Mitte“. Das war „Universität“ im wahrsten Sinne des Wortes. Sie wird mehr und mehr von Hochschulen abgelöst. Und so sind aus den Studenten immer öfter „Studierende“ geworden. Die Sprache ist sehr feinfühlig und so drückt die Änderung der Wortwahl auch eine Änderung der Mentalität aus.
Lange Rede – kurzer Sinn: Die Begegnung mit dem völlig anderen weitet die Kapazität des Gehirns. Das wusste man noch früher. Deswegen waren Akademiker auch gebildete Menschen, während viele, die studiert haben, nur Fachleute für ihr Gebiet sind, wie ja auch der Automechaniker ein Fachmann für Autos ist.
Noch etwas ist mir aufgefallen: Nicht nur ich war in den Semesterferien in den Bergen, sondern auch zwei Referendarinnen, die ich ausbildete. Beide arbeiteten mit Begeisterung in den Ferien als Sennerinnen, anstatt fürs Examen zu lernen. Trotzdem erzielten sie bei der Prüfung ausgezeichnete Ergebnisse. Völliges Abschalten bringt also gewaltige Power fürs Lernen.

Abschließend fällt mir zur Entspannung noch etwas zum Thema Sozis, denen ich alles verdanke:
Ja, das waren noch Zeiten damals nach dem Krieg, als es noch Menschen gab, die die Sozialdemokraten für Sexualdemokaten hielten, wie diese Anekdote aus meiner Sammlung (bitte lesen!) belegt:

Nach dem Krieg war die Demokratie ein völlig neues Erlebnis für die Deutschen. Es wurden Parteien gegründet, von denen man nicht viel wusste.
Unser Briefträger, der einmal berichtet hatte, dass eine neu zugezogene Familie nackt in der Wohnung herum lief, wusste plötzlich, woran das lag: „Das sind Sexualdemokraten.“

Das Beste, was man im Urlaub tun kann: Bergsteigen


> Zunächst einmal ist man dort, wo die Natur am schönsten ist. Zweimal habe ich am Berg Frauen weinen sehen, weil sie von den herrlichen Eindrücken so sehr überwältigt waren:
Einmal am Watzmannhaus sah ich eine weinende Frau und wollte sie trösten. Aber sie sagte:
„Ich weine einfach, weil es so schön hier ist.“
Ein anderes Mal weinte eine Frau aus einer Wandergruppe auf der Zwieselalm. Der Bergführer fragte sie natürlich nach dem Grund und sie antwortete:
„… dass ich im Herbst meines Lebens noch so was erleben darf!“
Und der Bergführer nahm sie in den Arm und sagte: „Madel, wer wird denn von Herbst reden? Sommer ist‘s no bei dir.“
„Dann aber Spätsommer.“
Das sind zwei Erlebnisse die zeigen, wie sehr einen das Erleben der Natur aufwühlen kann. Leider ist vielen die Antenne für ein derartiges Erlebnis verloren gegangen.

> „Der Berg nimmt dir die Beichte ab!“ pflegte mein Vater zu sagen. Das stimmt wirklich, denn wenn man hoch hinauf steigt, merkt man, wie es um den Gesundheitszustand steht:
„Wenn i mit meiner Wampen kannt.
Aufi auf die Kampenwand…“
(Wampe ist bekanntlich der bayerische Ausdruck für Bauch.)
Man sollte schon als normaler Mensch im gemessenen Bergsteigerschritt mehrere Stunden aufsteigen und das „derschnaufen“ können.
Bergsteigen ist also gesund. Das kann ich mit meinen 86 Jahren mit Fug und Recht behaupten: Gerade stellte beispielsweise ein Arzt bei mir fest, das ich noch „jungfräuliche Knie“ habe. Oder anderes Beispiel: Die alten Bergsteiger sind meist keine Brillenträger…
> „Der größte Sieg, den du erringen kannst, ist der über den inneren Schweinehund.“ So lesen Sie es in meinen Aphorismen.
(Philosophisch tiefsinniger heißt es in der Bhagavad Gita: „Der Erhabene sprach: Dem ist das Selbst sein eigener Freund, der durch das Selbst das Selbst besiegt.“)
Einen anstrengenden Berg bezwungen zu haben, womöglich auf einer schwierigen oder anstrengenden Route, macht unheimlich glücklich. Das stärkt das Selbstbewusstsein und befähigt einen, auch andere schwere Aufgaben, die das Leben stellt, ohne kopflosen Stress zu bewältigen.
> Wenig bekannt ist, dass das Bergsteigen wie Doping wirkt. Weil die Luft oben dünner wird, nimmt das Blut mehr Sauerstoff auf und so kommt ein Bergwanderer wie ich auf Blutwerte, die – wie mein Arzt feststellte – im Dopingbereich liegen. Welchen Auftrieb kann also eine Bergwanderung geben!
> Bergsteigen ist so ähnlich wie eine Wallfahrt, nur eben nicht religiös. Aber viele Religionen setzen die Wallfahrten ein, um das religiösen Erlebnis zu vertiefen.
Auch beim Bergsteigen denkt man natürlich über vieles nach. Aber das Denken ist hier umfassender: Man befasst sich nicht nur mit Gott und der Welt, sondern auch mit sich selbst.
Bergsteigen ist sozusagen auch die Selbstjustierung der Persönlichkeit. Wie sagte einmal ein alter Bergsteiger zu einem Touristen:
„Geh‘ mal aufi auf‘n Watzmann! Da kimmst als völlig anderer Mensch wieder runter.“ (mindestens als müder)
> Aber vor allem: Bergsteigen macht unheimlich viel Spaß.

Erfolgreich lernen – So geht’s!

Wenn ich die heutige Jugend beim Lernen sehe – bis spät abends und am Wochenende – dann tun mir die jungen Leute leid. Wenn sie mal in meinem Alter auf ihre Jugend zurück blicken, dann können sie vielleicht nur sagen: „Nichts erlebt, nur gelernt.“ Das ist schade, denn „die Jugend ist die Sparkasse fürs Alter.“

Ich habe auch in meiner Jugend viel lernen müssen und habe mich anfangs sehr schwer getan. Immerhin habe ich mit Müh‘ und Not das Abitur geschafft und mir dann gesagt: Jetzt wird‘s ernst. Weil ich keine besondere Begabung hatte, habe ich mich für das Jura-Studium entschieden – auch gerade deswegen, weil es bei Null beginnt. Das musste zu schaffen sein. Mein Lebensziel war, Richter in einem schönen bayerischen Gebirgsort zu werden. Dafür brauchte ich die „Staatsnote“. Das war nicht einfach. Dennoch sagte ich mir, ich dürfe beim Lernen nicht übertreiben: 8 Stunden am Tag sind genug und wenn ich damit das Examen nicht schaffe, dann bin ich für den Beruf nicht geeignet.

Wie gesagt war die Aufnahmefähigkeit meines Gehirns nicht groß: nach 8 Stunden Lernen war Schluss.

Mir fiel dabei eine Geschichte aus meiner frühen Kindheit ein: Bei uns herrschte das Prinzip: „Was auf den Tisch kommt, wird aufgegessen.“ Und als ich einmal von meiner Suppe schließlich keinen Löffel mehr hinunter brachte, habe ich in meinem Zorn die Suppe an die Wand gelöffelt.

Das Gehirn ist auch nicht viel anders als der Magen: Irgendwann ist eben seine Aufnahmebereitschaft erschöpft. Man sitzt über den Büchern, aber in den Kopf geht nichts mehr rein. Man muss dann immer wieder mal ganz was anderes machen, um wieder mit frischen Kräften an die Arbeit gehen zu können. Und so bin ich abends immer gern in Schwabing gewesen, um den Kopf wieder frei zu kriegen, war aber auf jeden Fall um 22.00 Uhr im Bett. Das frühe ins Bett-gehen war ich deshalb gewohnt, weil ich das im Zuge einer Trainingsverpflichtung versprochen hatte.

Noch etwas war gut für das Lernen: Ich war Bergwachtmann und habe es mir nicht nehmen lassen, auch während des Studiums an jedem Wochenende zum Dienst im Gebirge zu sein. Das war aus zwei Gründen sehr förderlich: Ich kam auf andere Gedanken und wurde, wie ich hinterher erfuhr, dabei gedopt. Durch das Bergsteigen erhöhen sich die Sauerstoffwerte im Blut so sehr, dass man bei einer Dopingkontrolle durchfallen würde, wie mir ein Arzt sagte. Weil nun gerade das Gehirn ein großer Verbraucher von Sauerstoff ist, arbeitet es mit einem Mehr an Sauerstoff natürlich umso besser. Wie sehr das stimmt, sah ich auch an den Mitgliedern des Alpenvereins, die studierten: Sie alle erreichten später gute Positionen.

Warum ich das hier in epischer Breite erzähle?

Vielleicht probieren Sie ja das Rezept einmal aus.

Jedenfalls sollte die Wissenschaft einmal zwei Fragen klären:

1. Man sollte zwei Gruppen lernen lassen: die einen ununterbrochen bis in die Nacht und die anderen lockerer mit Abwechslungen wie Schwimmen, Tanzen …

2. Man sollte erforschen, welches Plus ein „Doping“ durch Bergsteigen bringt. Vielleicht probieren das ja auch andere, indem sie sich Sauerstoff ins Blut einführen lassen.

Schauen Sie bitte auch hier:
https://autorenseite.wordpress.com/2019/02/12/erfolgreich-lernen-so-gehts-ii/

Wandern Sie mit!

Gestern war ich auf dem Hochfelln, dem schönsten Aussichtsberg des Chiemgaus. Aber leider war es nur im Tal schön und oben hing der Nebel. Das Bild zeigt einen Anstieg auf den Hochfelln über den Grat, auf dem man sich vorkommt wie auf dem Dach der Welt.

Nicht nur in bayerischen Büros hängen Kreuze, sondern auch am Wegesrand sieht man immer wieder Zeugnisse bayerischer Frömmigkeit.

Am Wegesrand lauerte auch dieser Minisaurier:

Meine jungfräulichen Knie

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Ich hatte einmal Probleme mit meinem Knie, weil dort ein genähter Muskel schmerzte. Ich suchte also einen Orthopäden auf, der ein Computertomogramm für notwendig befand. Der Arzt, der die entsprechenden Bilder fertigte sagte zu mir:
„Mein Gott, was haben Sie denn getrieben?“ Das klang nicht gut. Aber dann
fügte er hinzu: „Sie haben ja noch jungfräuliche Knie.“ Das hört man natürlich als alter Mann gern.
(Weniger gern hörte ich den Unsinn, den dann mein Orthopäde sagte. Er meinte, ich sollte mir ein neues Knie machen lassen. Das würde die Gesamtsituation verbessern. Da sah ich wieder einmal, dass man als Privatpatient schlechter dran ist als als Kassenpatient. Man muss ständig auf der Hut sein, nicht ausgebeutet zu werden.) Aber nicht deshalb erzähle ich die Geschichte, sondern weil ich ein Beispiel dafür bin, dass ständige Belastungen der Gelenke nicht schaden, sondern gesund sind. Ich bin viel und gern am Berg unterwegs gewesen.
Und wenn Sie am Wochenende
einen Haufen Geld für den Skilift bezahlen: Denken Sie mal daran, wie viel schöner es ist, mit Fellen an den Skiern einen Gipfel zu erobern und dabei vielleicht auch den inneren Schweinehund zu überwinden. Das Glück, das man dann am Gipfel empfindet, ist unvergleichlich mit der Freude am Pistenfahren. Nichts gegen das Lifteln, aber es ist kein Ausgleich für die Bürotätigkeit. Das dauernde Sitzen im Beruf beansprucht ja die Wirbelsäule und das Pistenfahren mit den Schlägen auf Knie und Kreuz tut dasselbe, ist also nicht gesund.
Fassen Sie mal beim Gehen oberhalb der Gürtellinie mit den Händen links und rechts neben die Wirbelsäule und sie werden staunen, wie jeder Schritt die Muskulatur dort beansprucht. Nutzen Sie das doch beim Bergsteigen aus. Dann gehören Sie bald nicht mehr zu der bedauernswerten Hälfte der Bevölkerung, die unter Kreuzschmerzen leidet.