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Junckers Erfolg? Der Deal mit Trump

Der Teufel ist fleißiger als der liebe Gott: Er steckt sogar im Detail.
H.Pöll

Es wird darüber spekuliert, wer denn bei dem Deal zwischen Juncker und Trump gewonnen habe. Es ist ganz einfach: Keiner. Der Deal erweist sich als hohle Sprechblase, die immerhin einen Waffenstillstand zur Folge hat und beiden Seiten nützt.
Für die EU sind die Strafzölle für Autos erst mal vom Tisch, allerdings fragt sich für wie lange. Und die Zölle für Alu sollen aufgehoben werden, und es fragt sich: Wann?
Entsprechendes gilt für Junckers Zusage, Sojabohnen und Flüssiggas zukaufen: Die EU ist kein Händler. Was gekauft wird, entscheiden selbständige Unternehmer. Wird es also zum Streit darüber kommen, ob und in welcher Höhe die EU für die Einkäufe der Unternehmer gerade stehen muss?

Wir sehen also: Der Deal zwischen Trump und Juncker besagt gar nichts außer, dass beide Seiten keinen Handelskrieg wollen und das ist doch viel wert.

Ist Trump dumm?

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Manche denken: Trump ist dumm. Und sie sahen das bestätigt, als Trump verkündete, er werde eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen und die Mexikaner müssten sie bezahlen. Wir Deutsche wissen aus der geschichtlichen Erfahrung, dass so etwas nicht funktioniert. Trump müsste zusätzlich einen Schießbefehl erlassen. Solche Pläne wird er bei seiner Partei niemals durchsetzen können. Das hat allerdings wohl Trump einkalkuliert. Er kann also sagen, er habe seine Ankündigungen aus dem Wahlkampf durchsetzen wollen, aber leider habe seine Partei nicht mitgemacht. So wahrt er sein Gesicht. Sollte es wirklich zu einem Mauerbau kommen, so würden die USA wohl Mexiko als wichtigen Handelspartner verlieren. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich andere amerikanische Staaten mit Mexiko solidarisieren könnten. Der Strafzoll für Einfuhren aus Mexiko zwecks Zahlung des Mauerbaus wird daher niemals kommen. Das hat auch Trump gewusst.

Auch der Strafzoll für deutsche Autos wird wohl nur eine leere, aber äußerst wirksame Drohung bleiben, denn wir müssten natürlich darauf reagieren und müssten amerikanische Importe mit den gleichen Abgaben belegen. Trump wird also wohl einen Rückzieher machen müssen. Aber er wird das nicht als Niederlage empfinden, sondern darauf verweisen können, dass seine Drohung allein genügt habe und ein Umdenken in der Autoindustrie bewirkt habe. So hat General Motors gerade angekündigt, 7000 Arbeitsplätze in den USA zu schaffen und 450 Arbeitsplätze von Mexiko in die USA zu holen. Auch Hyundai, Toyota und Ford haben große Investitionen in den USA angekündigt.

Trump: Müssen wir uns abschotten?

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Trump hat unsere Politiker gewaltig aufgeschreckt. Gabriel meint, wir müssten uns warm anziehen und Steinmeier sieht die alte Welt des 20. Jahrhunderts am Ende. Da lob‘ ich mir den Papst, der sagte:
Er wolle erst mal abwarten, was Trump mache und dann bewerten.
Trump ist ein Mensch, der den Mund gerne etwas zu voll nimmt und der sicherlich von der Realität eingeholt wird. So hatte er sich von der NATO distanziert, aber sein Verteidigungsminister will treu zum Bündnis stehen und wird seinem Chef sicherlich beibringen, warum das sein muss. Oder nehmen wir als weiteres Beispiel seine Drohung, die deutschen Autos mit 35 % Strafzoll zu belegen. Das kann sich eine Nation wie die USA, die ja der zweitgrößte Exporteur der Welt ist, nicht leisten. Denn es ist ja wohl klar, dass wir so etwas nicht widerspruchslos hinnehmen können, sondern dann auch amerikanische Waren mit Zöllen belegen müssten. Es würde also ein Handelskrieg drohen, der der amerikanischen Wirtschaft genau so schaden wird wie der deutschen. Das wird Trump wohl auch nach einiger Zeit einsehen.

Aber interessant wäre es schon, einmal zu sehen, welche Vorteile ein Isolationismus gegenüber einer Globalisierung haben würde. Bisher war es ja so, dass wir durch unseren technischen Vorsprung Nutznießer der Globalisierung waren: Unsere Großmastbetriebe machen sogar die Kleinbauern in Afrika kaputt und unsere deutschen Autos sind noch überall begehrt. Aber ich sehe dunkle Wolken am Horizont unserer Wirtschaft, die ständig „angekurbelt“ werden muss, so dass sie das Bild eines Patienten am Tropf bietet. Erinnern wir uns daran, dass wir einmal eine blühende Foto-Industrie hatten: Kameras von Agfa, Zeiss-Ikon und Leitz waren Weltspitze und die Leica das Maß aller Dinge. Und heute? Ähnlich verlief es bei der Bekleidungsindustrie oder bei den Werften. Und nun ist wohl die Auto-Industrie dran. Sie wurde von der Politik so verhätschelt, dass sie bei den Elektro-Autos den Anschluss verloren zu haben scheint. Da werden vielleicht einmal Autos aus China oder Indien den Ton angeben, mindestens vom Preis her.
Wir sehen zur Zeit, dass deutsche Firmen immer mehr Teile ihrer Produktion ins billige Ausland verlagern. Wohin soll so eine Entwicklung führen? Wird die Näherin in Bangladesh oder der chinesische Kuli auch das Lohnniveau bei uns bestimmen? Oder werden wir uns und eines Tages auch abschotten müssen?