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Richtet die FDP den Staat zu Grunde?

Wenn es nach Aristoteles geht: Ja! Der Philosoph sagte schon 4 Jahrhunderte vor Christi Geburt:

Die Demokratien gehen meist durch die Frechheit der Volksführer zu Grunde, insbesondere durch die ungerechte Behandlung der Reichen.

Parteichef Lindner, der Schutzpatron der Reichen, beweist, dass der alte Aristoteles immer noch brandaktuell ist:
https://autorenseite.wordpress.com/2021/11/06/__trashed-12/
Die Spaltung zwischen den Reichen, die zu den Gewinnern der Pandemie gehören, und den Armen wird weiter auseinander gehen und das ist sozialer Sprengstoff, den wir zu spüren bekommen werden: Das Protestpotenzial wird sowieso schon immer größer und aggressiver und könnte den Staat an seine Grenzen stoßen lassen.

Die FDP, die einmal Leute wie Theodor Heuss in ihren Gründungsmitgliedern hatte, versteht nun unter „liberal“ machtgeile Klientelpolitik.
https://autorenseite.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=20820693&action=edit&calypsoify=1

Die Ampelkoalition könnte nur von kurzer Dauer sein

Das, was SPD, Grüne und FDP vor haben, gleicht der Quadratur des Kreises. Ich habe hier ja schon Lindner beim Wahlkampf davor gewarnt, rote Linien zu ziehen. Nun kann er von diesen nicht abrücken, obwohl dies notwendig ist. Seine vorsintflutliche haushaltspolitische Agenda kann nicht auf die finanzielle Situation von heute übertragen werden – so Wirtschaftswissenschaftler, darunter ein Nobelpreisträger:
https://web.de/magazine/politik/vorsintflutlich-nobelpreistraeger-warnt-christian-lindner-bundesfinanzminister-36293764
Jedoch der arrogante Lindner fühlt sich gescheiter als ein Nobelpreisträger.
Ich bin zwar kein Wirtschaftswissenschaftler, habe aber hier unter einem anderen Gesichtspunkt Lindners Ideen als unsinnig entlarvt:
https://autorenseite.wordpress.com/2021/10/19/beruht-die-ampel-auf-einer-luege/
Lindner betreibt also dreist Klientelpolitik für die Reichen und das wird in einem verarmenden Volk, in dem die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht und der Mittelstand stirbt, auf Widerstand stoßen. Das Protestpotenzial in Deutschland wird ja sowieso immer größer und aggressiver.
Protestbereit sind auch diejenigen, denen das Klima am Herzen liegt. Auch sie werden immer lauter und es kann sein, dass sie sich zu Aktionen wie in Großbritannien hinreißen lassen: Sitzblockaden auf den Autobahnen… Sie werden natürlich die Ablehnung des Tempolimits durch die Ampel zum Ablass nehmen, dagegen zu revoltieren. Der Ampelkoalition ist gleichgültig, dass die Mehrheit des Volkes ein Tempolimit wünscht. Was dem Ami sein Rifle ist der FDP die freie Fahrt für Raser und beides kostet Menschenleben.
Wahrscheinlich gehen wir unruhigen Zeiten entgegen. Da kann es sein, dass das Volk sich nach Ruhe und Ordnung sehnt und das könnte die Stunde der Union werden.

Der Merkelismus oder das Reichtumsförderungsprinzip („Raubtierkapitalismus“)

Mit dem Merkelismus habe ich mich hier schon öfter befasst:
https://autorenseite.wordpress.com/2020/11/14/was-ist-der-merkelismus-i-2/
Nun hat das DIW in einem Bericht beschrieben, wie die Vermögensverteilung in Deutschland aussieht:
„Die reichsten zehn Prozent besitzen den aktuellen Zahlen zufolge mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens (56 Prozent), während die ärmere Hälfte der Bevölkerung über 17 Jahren nur 1,3 Prozent des Gesamtvermögens hält. Das oberste eine Prozent besitzt 18 Prozent des Gesamtnettovermögens – so viel wie die unteren 75 Prozent zusammen.“
In kaum einem anderen Land bestehen so krasse Unterschiede. Das sind die Folgen einer Reichtumsförderungspolitik, die ihre Wurzeln schon in der Währungsreform hatte, als die einen ihre Vermögenswerte 1:1 hinüber retten konnten und den anderen nur ein Zehntel davon übrig blieb. Das hat man damals aber als „alternativlos“ hingenommen, denn dann gab es das Wirtschaftswunder. Aber seitdem geht die Schere zwischen arm und reich ständig weiter auseinander.
Die ständige Regierungspolitik, die im Merkelismus gipfelt, hat den „Baubtierkapitalismus“ als Wirtschaftsform eingeführt: Die hemmungslose Geldgier, die unter dem Schutz der Politik um sich greift, ist die Ursache dafür, dass die Reichen immer reicher wurden und die Armen immer ärmer. Müssen Topmanager wirklich durchschnittlich das 53-fache ihrer Angestellten verdienen? Das Missverhältnis der Einkommen reicht bis zum 432-fachen.
https://autorenseite.wordpress.com/2020/11/10/der-andere-gefaehrlichere-klimawandel-der-gesellschaftliche/
In den 60-er Jahren verdienten die Manager „nur“ das 16-fache ihrer Angestellten und Arbeiter. War das nicht mehr als genug?
Wäre es nicht endlich Zeit, diese Entwicklung umzukehren?
Ja, wir brauchen etwas, was die CDU als „Neiddebatte“ diffamiert.
„Die da oben“ wundern sich, dass das Protestpotenzial immer größer wird und sogar zum Sturm auf die Parlamente ansetzt. Sie verstehen  nicht, dass das die Früchte ihrer Politik sind. Das Schlimme ist ja, dass der derzeitige Zustand nur ein vorübergehender in einem schlimmen Gesamttrend ist, der im Extrem zur völligen Versklavung führt. Die Zunahme der prekären Arbeitsverhältnisse zeigt, wohin die Reise geht.

Was ist der Merkelismus (II)?

Fortsetzung von https://autorenseite.wordpress.com/2020/11/07/was-ist-der-merkelismus-i/

Wie sieht es denn aus im „Merkelland?
> Man spricht vom Rechtsstaat, aber setzt ihn nach Belieben außer Kraft. Beispiel: Asylpolitik. Wenn es wirklich ein Asylrecht gäbe, müssten die Afrikaner an die Tore der spanischen Exklaven Melilla und Ceuta kommen können, um dort um Asyl nachzusuchen. Moria ist ein Beispiel dafür, dass man durch Abschreckung das Asylrecht außer Kraft setzen will. Aber zum Eintreten für eine Rechtsänderung fehlt der Mut.
> Es gab mal eine Zeit, in der man sich auf das Wort von Staatsmännern verlassen konnte. Bei „Staatsfrau“ Merkel ist die anders: Siehe Verteidigungskosten.
> Bei der Digitalisierung hängen wir weit hinten.
> Man hat das Feld des Internets (also auch unsere Daten) US-Konzernen wie Facebook, Ebay, Instagram, Google usw. überlassen. Ich habe schon frühzeitig davor gewarnt und gefordert, ein deutsches soziales Netzwerk einzurichten, was in der Anfangsphase noch möglich gewesen wäre, wenn die Regierung mit den Medien zusammen gearbeitet hätte und die Devise ausgegeben hätte: „Deutsche Daten auf deutsche Internet-Medien!“
> Engpässe bei Medikamenten hat es früher nicht gegeben. Das kann lebensgefährlich sein.
> Im Krankenhaus erwarten uns heute: mangelnde Hygiene wegen Kosteneinsparungen, unnötige Operationen, zu wenig Plätze in der Notaufnahme und in der Intensivstation und zu wenig Personal. Deswegen sterben bei uns Menschen!
> Heute häufen sich überflüssige Operationen. Eine Geldgier, der die Politik freien Lauf lässt, hat die Ethik verdrängt. Die Krankenhäuser gehören in die Hand des Staates, nicht in die Hände von Spekulanten.
> Noch schlimmer geht es in den Altenheimen zu. Dort fehlt Personal, so dass schon Altenheime schließen mussten. Bei uns müssen die Pflegekräfte doppelt so viele Alte betreuen wie in den Nachbarländern. Der Personalmangel ist zum Hauptproblem in der Altenpflege geworden: 17.000 Stellen in den rund 13.500 Pflegeeinrichtungen können derzeit nicht besetzt werden. In der ambulanten Altenpflege sind weitere 21.000 Stellen noch offen.
> Die Leistungen der Krankenkassen wurden immer mehr reduziert.
> In den Schulen fehlen Lehrer, so dass man Quereinsteiger braucht.
> Gewalt an den Schulen war früher noch kein Problem und das Wort „Mobbing“ gab es noch nicht. Heute braucht man Sozialarbeiter und Psychologen.
> Wie Deutschland abstürzt, sieht man am Ranking der Universitäten. Wir leben von Blaupausen. Aber wie soll das funktionieren, wenn wir bei den Wissenschaften ins Hintertreffen geraten? Und Nobelpreise können wir auch kaum noch erwarten. Die deutschen Universitäten standen einmal an der Spitze und viele Ausländer kamen deshalb zum Studium hierher. Heute bemühen sich diese jungen Leute um einen Studienplatz in den USA.
> Die deutschen Erzeugnisse wurden wegen ihres technischen Fortschritts in aller Welt gern gekauft. Heute müssen wir billig verkaufen und Trump hat uns nicht zu Unrecht vorgeworfen, wir würden unsere Autos zu Dumpimglöhnen produzieren (gemeint sind unsere prekären Arbeitsverhältnisse).
> Die Buchstaben „Bio“ verwandte man einmal im Zusammenhang mit Biologieunterricht bzw. Wissenschaft. Was man zu kaufen bekam, war selbstverständlich früher einmal „Bio“.
> Arten-, Insekten- oder Bienensterben gab es nicht.
> Massentierhaltung gab es auch noch nicht. Große Landwirte werden nun aber am meisten unterstützt.
> Das Wort „Umwelt“ habe ich früher nie gehört. Über Abgase, CO2, Klimaerwärmung, oder Ozonloch sprach man noch nicht, weil man keinen Anlass dazu hatte.
> Das Grundwasser war noch sauber.
> Das Wort Glyphosat kannte man noch nicht.
> Die Kühe hatten noch Hörner und grasten auf den Wiesen.
> Brillenträger oder Pillenschlucker unter Kindern waren bedauernswerte Ausnahmen.
> Die Armen werden nun immer mehr und die Reichen immer reicher. Die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander.
> Tafeln gab es früher nicht. Die Kanzlerin will damit nichts zu tun haben und besucht sie daher nicht, obwohl dort nicht nur Worte des Dankes an die Helfer notwendig wären, sondern auch Pläne für deren Überflüssig-Werden.
> Durch die Nullzinspolitik, die die EZB im Einverständnis mit der Kanzlerin betreibt, werden heutzutage die Sparer und Alten enteignet zugunsten der Industrie, die dadurch Kredite fast zum Nulltarif bekommt.
> Der Staat hatte einmal keine Schulden, sondern Rücklagen in einem „Juliusturm“ (so benannt nach dem damaligen Finanzminister). Heute sichern sich die Regierungsparteien einen Wahlsieg durch gigantische Subventionen. D.h.: Die Enkel bezahlen die Wiederwahl.
> Die Unternehmen trugen einmal die überwiegende Steuerlast, aber heute bekommen sie Milliarden-Subventionen. Nun wird der Staat überwiegend von den Bürgern über die Einkommenssteuer finanziert.
> Es gab noch keine Globalisierung mit der Folge, dass die deutschen Arbeitnehmerlöhne von ausländischen Hungerlöhnen gedrückt werden und die deutschen Bauern Konkurrenten in aller Welt bekommen haben, die unter ganz anderen Bedingungen arbeiten können.
> Polizeibeamte waren Respektspersonen und nicht Ziel von Steinwürfen und Molotow-Cocktails.
> Gewalt gegen Schiedsrichter, Sanitäter usw. gab es noch nicht. Heute brauchen sogar Kliniken ein Sicherheitspersonal.
> Nach dem Krieg kamen Gastarbeiter zu uns und keine Flüchtlinge.
> Die prekären Arbeitsverhältnisse werden immer mehr.
> Das hat es früher nicht gegeben, nämlich dass Menschen von ihrer Hände Arbeit nicht leben konnten und „aufstocken“ mussten.
> Es gab keinen Klimawandel.
> Man lebte ohne Plastik.
> Man hatte Sinn für Anstand und Ordnung und warf daher keine Abfälle auf den Boden.
> Chemie in den Nahrungsmitteln gab es fast nicht.
> Früher waren die meisten Frauen mit ihrer Tätigkeit als Hausfrau und Mutter voll beschäftigt und zufrieden.
> Die durchschnittlichen Fahrten zum Arbeitsplatz verlängern sich von Jahr zu Jahr. Wie viel Zeit des Lebens wird dadurch verschwendet!
> Im Alter erwarten jeden 5. Bürger Altersarmut. Die Zahl steigt ständig.
> Die Zahl der Wohnungslosen steigt.
> Es gab früher noch das „Wir“ und nicht die Spaltung in „die da oben“ und die „Menschen draußen im Lande“, wie die Politiker uns oft anreden.
> Es gab noch keine Protestwähler, weil die Demokratie noch nicht so kaputt war.
> Man stellte einmal Qualitätsprodukte „made in Germany“ her. Heute baut man oft in Produkte Sollbruchstellen ein.
> Die Zahl der Suizide steigt.
> Die Arbeitsverhältnisse sind so, dass Burnout und psychische Erkrankungen ständig zu nehmen.
> Die Gesellschaft spaltet sich immer mehr in „die da oben“ und den Rest, in Rechtsextreme und Linksextreme. In Arme und Reiche…
> Wir haben einen sozialen Klimawandel. Anstand und Ehrlichkeit werden durch die Geldgier außer Kraft gesetzt. Beispiel: Der „Bankier“, der früher seine Kunden ehrlich beriet, ist vom „Banker“ ersetzt worden, der seine Kunden als Melkkuh betrachtet (Andrehen von Ostimmobilien usw.).
> Die Kanzlerin, die oft als Friedensgarantin gesehen wird, wäre mit Bush in den Irakkrieg gezogen und setzt nun die Bundeswehr im sinnlosen Afghanistankrieg ein, während die wehrfähigen Aghanen hier gemütlich im Asyl leben.
Nicht für alles ist die Kanzlerin verantwortlich. Teilweise reichen die Wurzeln in die frühere Zeit. Aber da fehlt es am Gegensteuern. Insgesamt jedenfalls ist sie für ein Klima verantwortlich, gegen dessen Trend sie sich nie richtig eingesetzt hat. Viel Arbeit für ihren Nachfolger!
Wir brauchen eine völlig andere Stimmung im Land.

 

Ein selten blöder ARD-Bildschirmtext

Gerade lese ich den ARD-Bildschirmtext über Berlin direkt. Da wird die arme Jugend bedauert, weil sie mehr Entbehrungen zu tragen habe als die Generationen zuvor.
Hallo, wir Alten leben noch, die wir den Krieg mitgemacht habe mit Bombennächten, in denen wir um unser Leben fürchteten und in Zeiten, in denen wir Angst hatten, verhungern zu müssen. Zählen wir für die ARD nicht mehr?
Gegen unser Scicksal ist das, was die Jugend heute zu ertragen hat, einfach lächerlich. Und ich sehe mit Entsetzen, dass ein großer Teil der jungen Leute nicht bereit ist, zumutbare Einschränkungen hinzunehmen: Man feiert Partys, als wenn nichts passiert wäre, und so braucht sich unser Nachwuchs nicht zu wundern, dass das Wort von der „Generation-doof“ die Runde macht.
Klugheit und Solidarität wären gefragt, um die Pandemie in den Griff zu bekommen, aber nun haben wir schon so viele Infektionen, dass nur die Hälfte zurück verfolgt werden kann. Und die andere Hälfte kann sich ungehindert ausbreiten. Harte Zeiten kommen auf uns zu.

 

Wie wär‘s denn mal ganz anders


Wir dividieren die Menschen immer mehr auseinander: in reich und arm, in „die da oben“ und die unten, in die „Braven“ und die Rebelle
n...
Das Wir-Gefühl geht immer mehr verloren.
Bei uns im Dorf ist es noch intakt. Da gibt es noch ein echtes Miteinander: Wir haben hier viele Vereine, die Feste und sonstige Veranstaltungen organisieren. Aber sonst?
Was das verlorene Wir-Gefühl anbetrifft, funktioniert das nicht einmal in unserem eigenen Lande: Jedes fünfte Kind lebt bei uns in Armut. Appelle dagegen, die auch hier oft zu lesen waren, nützen nichts. Nicht einmal eine Mahnung der OECD hat etwas bewirkt. „Kinder sind unser wertvolles Gut!“ oder so ähnliche Phrasen hören wir dauernd von den Politikern, aber ehrlicherweise sollten sie hinzufügen: „… aber wir tun zu wenig für sie.“ Die armen Kinder haben meist keinen PC und sind gegenüber den reichen nun in der Corona-Krise besonders benachteiligt: Sie konnten beim Fernunterricht nicht mitmachen. Wie wäre es denn gewesen, wenn nur ein Fußballer von seinen vielen Millionen nur eine einzige her gegeben hätte für ein Programm, das armen Kindern einen PC stiftet? Der Mann würde quasi heilig gesprochen.
Es ist schon ein trauriges Zeichen, dass schon wieder einmal Millionäre aus verschiedenen Ländern vergeblich höhere Steuern auf ihr Einkommen fordern:
https://kontrast.at/muessen-millionaere-steuern-zahlen-corona/
Und
deshalb habe ich gefunden, dass wir eine völlig neue Partei bräuchten:
https://autorenseite.wordpress.com/2019/08/02/schaemen-sie-sich-frau-merkel/
Und noch einen ganz anderen Gedanken hatte ich zum Wir-Gefühl bei den Bildern der Corona-Demos: Wie wär‘s denn, wenn man einen Park zum Feiern für die Jugend frei gäbe mit weißen Kreisen zur Markierung der Abstände voneinander und wenn ein Polizeiorchester Musik machen würde um zu zeigen: Wir sind nicht eure Gegner, sondern sind für euch da? In Wacken war doch immer die örtliche Feuerwehrkapelle der Hit.

Brüssel: Lauter Gewinner und ein großer Verlierer

Ich höre immer morgens gerne im Radio die Presseschau. Zu Brüssel gab es dabei Kommentare, wie sie halt so zu erwarten waren. Aber überrascht war ich, als ich auf meinem Browser diese Kolumne fand:
https://web.de/magazine/politik/morning-briefing-gewinner-verlierer-eu-gipfels-34909046
Da las man, dass die soziale Marktwirtschaft der große Verlierer sei. Und dazu passt die Schlagzeile von heute:
Jedes fünfte Kind wächst in unserem Land in Armut auf. Und was wird dagegen getan? Mit ein bisschen zusätzlichem Geld werden die Probleme zugeschmiert. Aber die Corona-Krise verschärft sie noch: Arme Kinder haben oft keinen PC und keinen Raum, um ungestört konzentriert arbeiten zu können. Ihre Chancen verschlechtern sich.
Einer Reihe von Millionären schlägt das Gewissen und sie fordern für sich eine höhere Besteuerung. Aber ihr Ruf verhallt ohne Erfolg wie schon damals nach der Finanzkrise, denn die Mehrheit derer, die auf ihren Geldsäcken sitzen, haben die bessere Lobby.

 

Die Schablonendenker im Bundestag

Im Zuge der Corona-Krise ist von Unsummen die Rede, die zur Beseitigung von deren Folgen ausgegeben werden müssen, aber die man nicht hat. Woher soll also das viele Geld kommen? Diese Fragen stellen sich viele außer Söder, der in dieser Situation sogar „popu-listig“ Steuersenkungen fordert.
Die Antworten fallen so aus wie erwartet. Man hätte für solche Fälle statt der Redner der Parteien auch Aufnahmen von alten Reden laufen lassen können. Es ist ja immer die selbe Leier.
Ich fürchte fast, dass die Abgeordneten selber das glauben, was sie da von sich geben. Auf die Forderung, die Reichen doch ein wenig zur Kasse zu bitten, wiederholen CDU/CSU und FDP gebetsmühlenartig das, was sie immer schon gesagt haben: „Wieder diese Neiddebatte“, „Das wäre ja Sozialismus (bzw. Kommunismus)“, „Man darf doch nicht die Leistungsträger unserer Wirtschaft bestrafen“ und dergleichen mehr.
Also, liebe Kapitalisten-Freunde: Wenn ihr die Reichen quasi unter Naturschutz stellt, dann erklärt mir mal, warum ein Fußballer, der sich mit vielen Millionen zur Ruhe gesetzt hat, ein Leistungsträger ist, oder der Milliardärssohn, der sich seine Langeweile auf einer Luxusyacht im Mittelmeer vertreibt. Und wenn Sie dann behaupten, diese Menschen würden doch ihr Geld investieren, dann schauen Sie doch mal, wo sie das tun: Das Geld fließt doch kaum in marode Schulen, sondern eher in australische Silberminen.
Die Steuern für die Reichen wurden ja früher einmal sogar unter einer Regierungsbeteiligung der Sozis gesenkt. Wieso soll das Sozialismus sein, wenn wir zu Zinssätzen wie zur Adenauer-Zeit zurückkehren?
Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich in erschreckender Weise immer weiter geöffnet. Ist es dann eine Neiddebatte und nicht eine Forderung der Gerechtigkeit, wenn man die Schere wieder nur ein wenig schließen will?
Warum überhört man die Forderung vieler Reicher, die freiwillig die Erhöhung ihrer Steuerbelastung fordern, um einen Beitrag zur Bewältigung der Probleme zu leisten?
Ich fürchte, dass der (die) gut funktionierende Abgeordnete den Denkschablonen folgt, die seine (ihre) Partei vorgibt. Er (sie) ist Opfer einer Verfeinerung des Populismus geworden, die man modern als „Framing“ bezeichnet.

Die Selbstzerfleischung der SPD

Die SPD macht m.E. zu viele Fehler und hat dadurch die AfD als Alternative stark gemacht:
> Die Partei hat mit der Agenda 2010 ihre Stammwähler verraten. Was nun nötig wäre, wäre eine junge unverbrauchte Kraft, die dazu ihr tiefes Bedauern ausspricht, um eine Umkehr glaubhaft zu machen.
> Die Partei hat in  der Zeit ihrer Regierungsbeteiligung verschuldet, dass schlimme Missstände eingetreten sind:  z.B.: Zunahme der Armut und des Reichtums, Zulauf bei den Tafeln … Ich habe daher hier schon oft die Gründung einer radikal-sozialen Partei gefordert, z.B.: https://autorenseite.wordpress.com/2017/04/03/rpd-radikal-soziale-partei-deutschlands/
> Die SPD hat den Fehler begangen, sich von Steinmeier zur Bildung der GroKo überreden lassen. Sie hätte mehr durchsetzen können, wenn es zu einer Minderheitsregierung gekommen wäre und wenn sie dabei mit wechselnden Mehrheiten hätte arbeiten können.
> Die SPD hätte immer klarer ihr eigenes Programm im Gegensatz zum Handeln der Regierung heraus stellen müssen, sozusagen als  Opposition innerhalb der Regierung. Und sie hätte dann klarer machen müssen, dass sie sich auf schmerzhafte Entscheidungen der Regierung eingelassen hat, um im Tausch etwas anderes durchsetzen zu können.
> Die Wahl des neuen Vorstandsduos ist denkbar unglücklich. Die beiden wurden gewählt, weil die Mehrheit der SPD-Genossen raus aus der GroKo wollte. Aber daraus wird nun erst einmal nichts. Ehrlicherweise hätten die beiden Vorstände schon bei ihrer Kandidatur sagen sollen, dass es anders laufen wird.
> Vielleicht beurteile ich ja das neue Vorstandsduo falsch, aber ich fürchte, dass den beiden das Charisma abgeht, das Führungspersonen haben sollten. Sie werden womöglich zu wenig Zugkraft vermitteln können, um Wähler zu gewinnen. Sie wurden wohl zu sehr unter dem Gesichtspunkt „Raus aus der GroKo“ gewählt und wohl zu wenig nach ihrer Eignung als Parteibosse.

Warum das „Wir“ nicht mehr funktioniert


Die Spaltung des Volkes nimmt immer mehr zu: in „die da oben“ und „die unten“, in die Absahner und die Ausgenutzten, in die Armen und die Reichen und
in die Abgeordneten und „die Menschen draußen im Lande“.
Wie könnte denn aber nun eine Wiederbelebung des „Wir“ aussehen? Beispielsweise könnte die Kanzlerin oder ein anderer Politiker mal bei den Tafeln vorbei schauen oder sogar den Kochlöffel schwingen unter dem Motto: „Wir haben euch nicht vergessen!“ Aber die Politiker vermeiden es, mit den Folgen ihrer Politik konfrontiert zu werden, wie man früher Aussätzige gemieden hat. Statt dessen reden sie vom „Aufschwung“, der aber unten nicht ankommt, weil er oben abgesahnt wird. Für die Wahlwerbung braucht man Bilder, die gut rüber kommen, und dazu eignen sich Tafeln in den Augen der Politiker nicht. Im meinen Augen schon, denn sie würden etwas wichtiges zeigen: Mitmenschlichkeit.