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Die Unverschämtheiten der Banken

Gerade erhalte ich von der Postbank 100 Seiten der neuen Geschäftsbedingungen, denen ich auch rückwirkend zustimmen soll.
Das Ganze ist eine Zumutung: Schon die Textgröße ist ein „Augenpulver“ nach dem Motto: Das liest ja sowieso keiner.  Was aber schlimmer ist: Vieles ist unverständlich. So soll eine „Echtzeitüberweisung“ 50 Cent kosten. Fällt darunter auch die normale Überweisung?
Anständig wäre es, wenn die Bank dem Kunden schreibt: „Folgendes ändert sich für Sie.“  So ging es doch auch früher. Da waren die AGB nur 75 Seiten lang und die Kunden wurden genau darüber informiert, was auf sie zu kam:

Aber der Kunde soll ja nicht mit der Nase auf die Nachteile gestoßen werden, sondern die soll der Kunde halt selbst aus den teilweise unverständlichen Geschäftsbedingungen selbst heraussuchen, sprich kapitulieren.
Das sollte den Verbraucherschutz auf den Plan rufen, damit er vom BGH klären lässt, ob so etwas zulässig ist. Der BGH steht ja den AGB immer sehr skeptisch gegenüber.

Was das Üble ist: Diese Geschäftsbedingungen einer Bank sind ja nicht das Einzige, womit der Normalmensch sich zu befassen hat. Auch andere wie beispielsweise die Krankenkasse beschäftigen einen mit so Zeugs. Wenn das so weiter geht, artet das zu einer Feierabendbeschäftigung aus.
Dem muss Einhalt geboten werden.

 

 

 

Wir sind ein Volk von entmündigten Nicht-Lesern geworden


Die Zeiten haben sich geändert. Als ich in den Staatsdienst eintrat, bekam ich eine schlichte Gehaltsabrechnung mit leerer Rückseite. Heute ist sie hinten eng bedruckt und auf der nächsten Seite geht es weiter. Da fragt man sich: Wie konnte das früher anders funktionieren?
Das war aber nicht das Einzige, was ich heute hätte lesen sollen: Auch meine Krankenkasse schickte mir 10 DIN-A-4-Blätter mit einer Prämienanpassung (sprich:: Erhöhung).
Wer soll all das Zeug lesen, besonders die Geschäftsbedingungen im Internet? Kaum einer macht so was. Eine Firma hat das einmal mit einem kuriosen Experiment bewiesen: Sie hat in ihren AGB demjenigen 3000 Euro versprochen, der das liest. Es hat sehr lange gedauert, bis jemand das Geld abgerufen hat.
Weil wir uns nicht mehr die Zeit zum Lesen nehmen, werden wir praktisch entmündigt. Und wir werden quasi erpresst, indem wir das schlucken, was und vorgesetzt wird: Ein Beispiel bietet Google: Wenn Sie dort mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, werden Sie auf eine Auswahlseite verwiesen, bei der Sie schnell aufgeben: so verwirrend und umfangreich ist das Zeug, was dann kommt. Ich glaube sowieso, dass die meisten Leute im Internet einfach immer auf den „Einverstanden-Button“ klicken.
Merkwürdig ist, dass den Menschen so viel zum Lesen vorgesetzt wird, obwohl 12% Analphabeten sind:
https://autorenseite.wordpress.com/2020/05/03/wie-immer-mehr-menschen-analphabeten-werden-12/
Das Internet hat sich auf die Nicht-Leser eingestellt. Gebrauchsanleitungen braucht man heute nicht mehr zu lesen. YouTube erklärt fast alles.
Und auch die Print-Medien gehen immer auch mehr dazu über, ihre Botschaften per Video zu verbreiten. Ich hasse das: Wenn ich nur kurz etwas wissen will, was ich beim Lesen durch Überfliegen des Textes erfahren würde, muss ich mir dann zunächst eine Werbung anschauen und dann einen Film, bei dem es dauert, bis man dort zur Sache kommt: Was für eine Zeitverschwendung.

 

 

Cookies und Datenschutz: Wer kann mir das erklären?

Mein Senf dazu:

Wenn ich im Internet surfe und eine Seite aufrufe, ist mir unerklärlich, warum ich dabei auf eine völlig unterschiedliche Praxis stoße:

Man wird in der Regel gefragt, ob man Cookies, AGB, Datenschutz… zustimmt. Allerdings handhaben die verschiedenen Seitenhersteller die Zustimmungserklärung ganz unterschiedlich:
> Manchmal steht unten eine Zeile mit dem Hinweis, dass die Benutzung der Seite als Zustimmung gilt. Das ist so herrlich einfach aber womöglich unzulässig.
> Bei manchen Seiten erscheint daher zuerst ein Schild, auf dem die Zustimmung verlangt wird. Erst dann kann man die Seite lesen. Das ist ein blödes Modell, weil Menschen wie ich dann erst einmal eine vergleichbare Seite suchen, wo sie nicht so befragt werden. Man vergrault also eventuelle Kunden. Warum macht man so einen Unsinn?
Typisch ist Dehner: Ich habe eine Taubenplage und wollte mir zur Abwehr einen Plastikraben kaufen. Man möchte meinen, dass Dehner erfreut über den Besuch seiner Seite ist, aber weit gefehlt! Die Seite wird verdunkelt und man soll erst einmal eine Zustimmungserklärung abgeben. Allerdings kann man die auch individuell gestalten. Klicken Sie mal darauf und dann frage ich Sie: Wer lässt sich auf diesen Unsinn ein?
> Vorbildlich ist ALDI. Die Firma fragt zwar auch vor Öffnung der Seite, ob man dem zustimmt, was man eigentlich lesen sollte (aber niemand tut es). Was jedoch toll ist: Man kann bei ALDI auch die Zustimmung verweigern und dann öffnet sich trotzdem die Seite.
Warum machen das andere nicht auch so?
Ich finde: Die Menschen werden immer mehr entmündigt, indem man ihnen zumutet, irgendwelchen Bedingungen zuzustimmen, von denen man genau weiß, dass kein Mensch sie liest – und wenn doch, ist es eine Zumutung, einen solchen Zeitaufwand zu verlangen.

Und warum verlangt man dauernd die Zustimmung zum Einsetzen von Cookies, wenn viele diese sowieso nach Verlassen des Internets löschen lassen – wenn nicht, erledigt das Antivir von Zeit zu Zeit.

Warum kann man nicht eine genormte Zustimmungserklärung einführen, die man dann akzeptieren könnte, ohne sie jedes Mal zu lesen?

Das Zeitalter der Nicht-Leser


Es wäre schön, wenn Sie das hier lesen würden, aber das muss nicht sein.
Wie oft aber bestätigen Sie, etwas gelesen zu haben, was Sie nicht einmal angeschaut haben? Wenn Sie ein Auto kaufen, müssen Sie einen mehrseitigen Vertrag unterschreiben, den Sie mit Sicherheit nicht lesen, weil Sie ihn sowieso nicht verstehen. Oder wenn Sie im Internet bestellen, müssen Sie bestätigen, dass Sie die AGB und Datenschutzbestimmungen gelesen haben.
Aber haben Sie schon einmal hineingeschaut, ob Ihnen da etwas untergejubelt wird, was Sie nie gewollt hätten?

Auch diejenigen, die heute etwas zu entscheiden haben, wissen häufig nicht, um was es geht. Ein eklatantes Beispiel war einmal die Änderung des Meldegesetzes, die im Bundestag schnell durchgewinkt wurde, weil die Abgeordneten ein wichtiges Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft im Fernsehen anschauen wollten. Erst hinterher stellte man fest, dass man das Gesetz gar nicht so gewollt hatte.

Und gerade wurde etwas Schreckliches zu diesem Thema aufgedeckt:
Eines der am meisten eingesetzten Pestizide ist Chlorpyrifos. Das Pflanzenschutzmittel tötet Schädlinge und wird beim Getreide- und Obstanbau eingesetzt. Es wurde in der EU zugelassen, obwohl eine wichtige Studie zur Gefährlichkeit des Stoffes für die Gesundheit offenbar fehlerhaft war. In deren Rohdaten gab es zwar deutliche Hinweise darauf, dass bei allen getesteten Dosen der Aufbau des Gehirns signifikant beeinträchtigt wird, aber es findet sich davon nichts in dem Report der Studie wieder. Aber wer nimmt sich schon die Zeit, genauer hinzusehen?

 

Ach war das einfach früher!

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Wenn man früher ins Krankenhaus kam, wurden die Personalien aufgenommen und die Krankenkasse. Damit waren die Aufnahmeformalitäten erledigt. Man musste nichts unterschreiben.
Heute sieht es ganz anders aus. Da werden einem 10 Seiten (beidseitig bedruckt) vorgelegt und die muss man unterschreiben. Sicher ist, dass kein Mensch das alles durchliest, zumal er sich als sehr kranker Patient meist in einem Zustand befindet, in dem das sowieso unzumutbar ist. Der Bundesgerichtshof hat daher solche Vereinbarungen schon für unwirksam erklärt. Dennoch wird diese Praxis beibehalten.
Ich habe auch in zwei Arztpraxen erlebt, dass ich unübersichtliche Formulare unterschreiben sollte. Klar, dass ich auf dem Absatz kehrt machte. Für mich ist es reine Geldgier, die sich in solchen Methoden zeigt.