Schlagwort-Archive: Afghanistan

Schläft Herr Maas?

Der frühere Präsident von Afghanistan Aschraf Ghani soll mit einem Hubschrauber voller Geld in die Vereinigten Emirate geflohen sein.
Nun hat sein verlassenes Volk kein Geld und muss hungern. Man spricht davon, dass eine halbe Milliarde an Unterstützung notwendig ist.
Was ich mich frage: Warum geht offenbar keiner der Frage nach, wo die Staatskasse von Afghanistan geblieben ist? Wäre das nicht eine Aufgabe für unseren Außenminister, hier für Aufklärung zu sorgen? Es wird doch kaum wohl so sein, dass die Vereinigten Emirate nicht auch daran interessiert sind, ob sie einem Räuber Asyl gewährt haben.

Stolz auf die Bundeswehr?

Nach dem Abzug der ISAF-Truppen aus Afghanistan wollte kein Politiker etwas mit den heimkehrenden Soldaten zu tun haben. Nicht einmal die Verteidigungsministerin hat die Truppe empfangen. Verlierer lässt man lieber allein mit ihren Problemen – das könnte sonst ja abfärben.
Allerdings machte das Ganze damals kein gutes Bild und so flog die Verteidigungsministerin nun eilfertig den letzten Soldaten entgegen, um sie abzuholen.
Und auch der Bundespräsident äußerste sich lobend über die Soldaten, indem er sagte. er sei stolz auf sie.

Ich habe allerdings Zweifel, ob „stolz“ die richtige Wortwahl war. „Dank für die mutige Pflichterfüllung“ wäre angebrachter gewesen. Stolz können eher die Amis und Briten sein, die weiterhin trotz aller Gefahren weiter Menschen aus Afghanistan evakuieren, während unsere Truppe heim geflogen ist, obwohl noch 300 Deutsche und Tausende Ortskräfte von der Politik im Stich gelassen wurden.
Aber vielleicht war der vollständige Abzug der Truppe nun doch die richtige Entscheidung, nachdem die Regierung die rechtzeitige Abholung der gefährdeten Personen versäumt hat. Schlimm, dass dieses Dilemma den Abschied der Kanzlerin verdunkelt, aber es wird wohl keinen besonderen Einfluss auf die Wahl haben, denn Afghanistan ist ja so weit weg.
Was also ist zu tun? Wenn man weiter evakuieren wollte, würde man die Menschen der Gefahr entsetzlicher Anschläge aussetzen. Da ist es womöglich eben doch besser, sie aufzufordern, zu Hause zu bleiben und auf eine politische Lösung zu warten. Die Taliban haben ja zugesagt, eine Generalamnestie zu erlassen und Ausreisewilligen keine Steine in den Weg zu legen. Ob sie Wort halten, ist zweifelhaft, aber doch wahrscheinlich: Die Taliban brauchen nämlich weiter die bisherige finanzielle Unterstützung, die ihr Land bisher erhalten hat. Deshalb tun sie gut daran, ein normales Verhältnis zu anderen Staaten aufzubauen.

Mir fällt zur Lage ein Satz ein, den mein Vater in solchen Fällen zu sagen pflegte: „Wie man’s macht, macht man’s verkehrt!“ Hoffen wir, dass er nicht Recht hat. Ich füge hinzu: Wenn sich der beschrittene Weg als falsch erweist, kommen die Besserwisser, die „es ja gleich gesagt haben.“

Die Chancen der Taliban

 

Abu Dhabi, Mosche, Zayed, Scheich

Nun sind sie also viel schneller gekommen als erwartet: die Taliban. Die große Frage ist: Was nun? Bauen sie ein Terrorsystem auf oder setzen sie auf Versöhnung wie einst Süleiman?
https://autorenseite.wordpress.com/2021/08/15/taliban-in-kabul-was-jetzt-unbedingt-geschehen-sollte/
Wenn sie klug sind, folgen sie seinem Vorbild. Dann können sie mit Hilfe anderer Staaten Afghanistan wieder aufbauen. Sie könnten da stehen als Befreier ihres Landes von Fremdherrschaft, Korruption und Missachtung der alten Kultur. Aber sie müssten auch Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gewährleisten, insbesondere die Rechte der Frauen.
Dann könnten sie einen islamischen Staat errichten, der ein Vorbild sein könnte.

Es wird auf jeden Fall spannend.

Taliban in Kabul – was jetzt unbedingt geschehen sollte

Die Taliban sind schneller als unsere lahme Bürokratie. Sie sind nun schon in Kabul und jetzt hängt das Ausfliegen von unserem Botschaftspersonal und von den afghanischen Ortskräften vom „Wohlwollen“ der Taliban ab.
Man befürchtet sowieso ein brutales Morden durch die Eroberer. Und da wäre es angebracht, die Taliban an einen der großartigsten Feldherren des Islam zu erinnern. Als Süleiman den christlichen Stützpunkt auf Rhodos eroberte, befürchteten die dort lebenden Christen das Schlimmste und viele nahmen sich das Leben.
Aber es kam ganz anders: Süleiman schenkte seinem Gegner ein herrliches Pferd und er ließ die Christen weiter ihre Religion ausüben. Es herrschte Religionsfreiheit.
Wenn man die Taliban an diesen großartigen Sieg ihres Vorbilds erinnert und an das, was er daraus gemacht hat, dann könnte dies durchaus geeignet sein, ein humanes, vielleicht sogar etwas  freiheitlich gesinntes neues Regime in die Wege zu leiten. Schließlich wäre es für die Talban auch leichter, wenn sie auf diesem Wege sogar Hilfe von anderen Ländern erhalten könnten

Ich schäme mich für Deutschland

Es war schon schäbig, wie die deutschen Kriegsteilnehmer bei ihrer Heimkehr empfangen wurden: eigentlich gar nicht! Mit Verlierern wollte kein Politiker etwas zu tun haben, nicht einmal die Verteidigungsministerin:
https://autorenseite.wordpress.com/2021/07/01/trauriges-zeichen-von-akk/
Inzwischen dämmert es der Regierung, dass es so nicht geht. Viele Soldaten sind traumatisiert und wenn sich dann keiner mit ihnen solidarisieren würde, wäre das in den Augen des Volkes untragbar. So sollen die Soldaten, die in einen sinnlosen Krieg geschickt worden waren, jetzt doch noch viel zu spät einen großen Zapfenstreich bekommen.

Nicht nur dafür schäme ich mich, sondern auch dafür, wie wir uns den Afghanen gegenüber verhalten. Erst hieß es, dass diejenigen, die mit unseren Soldaten zusammen gearbeitet haben, selbstverständlich bei uns Asyl bekommen würden. Aber nun hören wir von der Kanzlerin: „Wir können nicht alle aufnehmen.“ Der Satz enthält eine banale Selbstverständlichkeit. Die Kanzlerin drückt sich darum herum zu sagen, wen wir aufnehmen werden. Viele Afghanen werden das mit ihrem Leben bezahlen müssen, wenn nun die Taliban kommen. Und nicht auszudenken, was vielen Frauen angetan wird!

Was ich nun vermisse, ist eine Debatte darüber, wie wir den Gefährdeten aus Afghanistan helfen können. Viele werden sich nun selbst auf den Weg nach Deutschland machen. Können wir ihnen dann das Asyl verweigern, wenn wir das Asylrecht nicht überhaupt abschaffen?
Wäre es nicht eine Lösungsmöglichkeit, mit Pakistan darüber zu verhandeln, dass dort den Afghanen mit deutscher Hilfe eine Existenzmöglichkeit geschaffen wird? Aber irgendetwas muss doch geschehen, wenn wir noch von den Menschenrechten reden wollen.

Trauriges Zeichen von AKK

Die deutschen Soldaten und Soldatinnen sind aus Afghanistan heimgekehrt. Aber die Verteidigungsministerin hatte keine Zeit, sie zu empfangen. Das ist traurig, zeigt aber, wie recht ein chinesisches Sprichwort hat:

„Der Sieg hat viele Väter, die Niederlage ist Waise.“

Wenn man so alt ist wie ich, fallen einem zu jeder Gelegenheit Erinnerungen ein und so denke ich auch bei diesem Ereignis an ein Erlebnis vor vielen, vielen Jahren. Wir saßen abends auf der Jamtalhütte beisammen, als einige Tiroler fragten, ob sie sich zu uns setzen dürften. Sie sagten, sie wollten sich nicht mit den Wienern zusammen setzen, weil sie die nicht leiden könnten. Da war meine Neugier geweckt und ich fragte sie nach der Ursache.
Und da sagten sie, die Wiener seien ihnen zu arrogant und sie könnten ihnen nie vergessen, wie schäbig sie sich gegenüber den Kriegsheimkehrern verhalten hätten.
Und nun zu Frau AKK: Im Wahlkampf macht es sich schlecht, den Afghanistaneinsatz zum Thema zu machen. So etwas kehrt man am liebsten unter den Teppich. Also keinen Empfang für die Kriegsteilnehmer! Es hat ja auch einige Zeit gedauert, bis man überhaupt von einem Krieg reden durfte.

Eine erschütternde Zahl

 

Gestern kam in den Nachrichten die Meldung, dass als Folge des Vietnam-Krieges mehr amerikanische  Soldaten durch Selbstmord ums Leben kamen als durch den Krieg selbst.  Insgesamt sind es ca. 60.000.
Entsprechendes zeigt sich bei den Einsätzen amerikanischer Soldaten im Irak und in Afghanistan: Auch hier gab es mehr Selbstmode als „Heldentode“.
Täglich nehmen sich in den USA 20 Kriegsveteranen das Leben.
Und wenn ich oft unsere Bundeswehrsoldaten bei ihren Manövern und beim Training sehe, dann denke ich mir als alter Mann:
„Mein Gott, wir schicken Kinder in den Krieg!“
Und noch etwas denke ich: „Der Mensch ist halt nicht für den Krieg gemacht.“

Lesen Sie dazu die Kurzgeschichte  in der Leseecke „Der Ordensträger“.

Unorthodoxe Weihnachtsgedanken

Weihnachtsmarkt in Bad Reichenhall

Wie schön ist es, wenn wir in einem sicheren, reichen Land ein friedliches Weihnachtsfest feiern können. Aber können wir dabei ein ruhiges Gewissen haben, wenn wir die Bilder aus den griechischen und aus anderen Flüchtlingslagern sehen? Und wie pharisäerhaft verhalten wir uns, wenn wir erst einmal ein gemeinsames europäisches Vorgehen abwarten wollen. Da ist doch bisher nichts daraus geworden.
Und dann wandern unsere Gedanken nach Afghanistan, einem nach der Diktion unserer Regierung „sicheren Herkunftsland“. Darüber müssen wir lesen:
In Afghanistan steigt die Gewalt und damit auch die Gefahr für Kinder. Neun Kinder wurden jeden Tag durchschnittlich in den ersten neun Monaten des Jahres 2019 in Afghanistan getötet oder verletzt, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF. Das entspricht einem Anstieg von elf Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2018.“
Alles, was unsere Soldaten in ihrem zwanzigjährigen Einsatz erreicht haben, ist, dass die Lage immer unsicherer geworden ist. Was ist das für ein frustrierender Einsatz, für den unsere jungen Leute ihr Leben riskieren?
Feiern wir ein nachdenkliches Fest!

Zitat zum Tag

Hier kommt wie jeden Tag ein Zitat aus dem Buch Mit spitzer Feder. In diesem Buch finden Sie ungewöhnliche Aphorismen, die sich gut als Zitate für Reden und Schriften.

Es gibt für alles eine richtige Zeit, auch für die Wahrheit.

(Ein typisches Beispiel sind die Lügen der USA über den Irakkrieg. Das Ganze wiederholt sich jetzt bei Afghanistan. Lesen Sie dazu: https://www.stern.de/politik/ausland/wikileaks-papiere-die-afghanistan-luege-ist-jetzt-amtlich-3536774.html). Wie lange machen wir da noch mit?

Mehr über den Autor auf der Homepage oder in der Sonderseite für FrauenNichtversteher: https://autorenseite.wordpress.com/frauen/.

Afghanistan-Einsatz sinnlos?

Ja, so etwas gab es einmal: einen „ruhmreichen Krieg“ mit 2-jähriger Dauer. Und heute?

Seit 2001 werden die Taliban in Afghanistan bekämpft. Aber die Lage dort scheint zur Zeit immer unsicherer geworden zu sein: Täglich kommen etwa 35 Soldaten und Polizisten bei Anschlägen und Gefechten ums Leben. Präsident Aschraf Ghani sagte kürzlich, seit seinem Amtsantritt Ende 2014 seien 45 000 Sicherheitskräfte in dem Konflikt getötet worden.
Was ich nicht verstehe, ist dies: Hätte man nicht in all den Jahren eine stabile einheimische Armee aufbauen können, die den Einsatz ausländischer Truppen überflüssig macht? Wie kann es sein, dass man in all den Jahren praktisch nichts erreicht hat?
Die Bundeswehr ist in einer bedauernswerten Lage. Eine Umfrage in der Truppe hat gerade ergeben, dass e
twa 27 Prozent der Befragten davon überzeugt seien , dass der Einsatz nutzlos gewesen sei. Weitere 26 Prozent stimmten dieser Aussage teilweise zu. Da setzen also viele junge Leute ihr Leben für einen Kampf ein, von dem sie nicht überzeugt sind. Ein Viertel von ihnen kehrt mit traumatischen Erlebnissen zurück, die bei 3 % der Einsatzkräfte sogar zu einer schweren psychischen Erkrankung führen (PTBS).
Lohnt sich ein solcher Einsatz? Was wäre aber die Konsequenz eines Truppenabzugs? Dann würden zweifellos die Taliban die Herrschaft übernehmen und was das für die Atommacht Pakistan bedeuten könnte, wollen wir uns gar nicht ausmalen. Auch müssten wir befürchten, dass ein Terrorstaat in Afghanistan die Basis für viel schlimmere Attentate in Deutschland werden könnte.
Vielleicht bringt die Standhaftigkeit des Westens die Taliban doch eines Tages zu der Einsicht, dass es besser wäre, Frieden zu schließen und als Partei in einem demokratischen System mit zu regieren so, wie in Irland statt der kämpfenden IRA nun die Sinn Féin politisch aktiv ist oder auch die ETA den Kampf aufgegeben hat.