Gedanken über Gesundheit

Arbeit

Vor Jahrzehnten, als ich jung war, brachte ich nach Möglichkeit von jeder Bergtour einen Almbauernkäse mit nach Hause – ein Hochgenuss!
Heute gibt es so etwas kaum noch. Die strengen Hygieneregeln, die von der EU erlassen wurden, lassen es offenbar nicht mehr zu, dass die normalen Almbauern ihren eigenen Käse herstellen und verkaufen. Die genussvolle Vielfalt der Käsesorten ist dadurch sehr zusammengeschmolzen. Die großen Käsefabriken und ihre Lobby haben erfolgreich gearbeitet. Angeblich sollten wir so vor Erkrankungen durch Listerien bewahrt werden. In Wirklichkeit ging es um einen Verdrängungswettbewerb, wie wir ihn immer wieder beobachten können: Die Großen fressen die Kleinen.
Typisch war, dass bei Lidl Käse verkauft wurde, der mit Listerien belastet war. Es hat 6 Tote gegeben. Ursache war mangelnde Hygiene in einer Käsefabrik. Was will man auch erwarten, wenn überall unter Kostendruck gearbeitet wird? Da wird schon dort ein wenig gespart, wo man denkt: es fällt nicht auf – oder: es wird schon gut gehen. Wenn schon in deutschen Krankenhäusern Tausende sterben, weil die Hygienevorschriften nicht exakt beachtet werden, warum soll es dann ausgerechnet beim Käse besser sein?
Das Dumme an der Sache ist nur, dass die Bakterien-Stämme, die dort noch übrig bleiben, wo sie halbherzig bekämpft werden, sehr resistent gegen Medikamente sind. Deshalb sind sie sehr gefährlich.
Wie wenig gefährlich war da doch der Almkäse: Wenn er wirklich einmal infiziert gewesen wäre, wären nur wenig Menschen betroffen und auch nur an weniger gefährlichen Listerien erkrankt.

Das Ganze nennt man Fortschritt.

In früheren Zeiten wussten die Menschen intuitiv und aus Erfahrung, welche Nahrungsmittel welche Wirkungen hatten, und sie ernährten sich dementsprechend. So kamen beispielsweise regelmäßig Karotten auf den Teller, weil man ihnen nachsagte, dass sie gut für die Augen seien.
Heute, wo die Wissenschaft die Richtigkeit dieser Erkenntnisse bestätigt hat, kümmert sich kein Mensch mehr darum, denn man wird in unserer Zeit mit Informationen so „zugemüllt“, dass keiner mehr weiß, wonach er sich richten soll. So geraten ganz einfache grundlegende Prinzipien der Ernährung in Vergessenheit. Die Menschen glauben, sie könnten mit Multivitaminpräparaten und anderem Zeug, das in der Reklame angepriesen wird, alle Fehler ihrer Ernährungsweise ausgleichen. Das ist ein gewaltiger Irrtum.
Wir sind inzwischen das fetteste Volk Europas geworden. Wenn man so alt ist wie ich, macht man dabei eine interessante Beobachtung: Nach dem Krieg gab es die sogenannte Fresswelle, denn man hatte ja jahrelang richtig gehungert und hat nun auf einmal hemmungslos zuschlagen. Natürlich wurden viele Leute dick, aber anders als heute: Männer bekamen eben einen Bierbauch und Frauen eine Matronenfigur. Das sah normal aus.
Aber heute sind oft schon junge Leute auf andere Weise dick: Sie haben einen leicht gerundeten Rücken mit Stiernacken darauf. Ihre Haut ist manchmal leicht rosarötlich wie unter dem Einfluss von Alkohol. Und sie kommen mit einer Art von Angriffshaltung daher. Man hat den Eindruck, als ob sie durch Mastmittel deformiert worden seien. Und so wundert man sich nicht, wenn schon junge Leute Altersdiabetes haben oder Schlaganfälle und Herzinfarkte erleiden.
Aber man tut nichts dagegen, denn je höher die Krankheitskosten sind, desto höher ist das Einkommen der Pharma-Industrie, die ja vielfach mit der Lebensmittelindustrie verbunden ist.. (Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass ein großer Teil unseres „Aufschwungs“ aus solchen negativen Unkosten besteht, die uns nicht voranbringen?) Und weil die Lobby von Pharma- und Lebensmittelindustrie so stark ist, ist die Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln gescheitert, durch die der Verbraucher vor zu viel gehaltvoller Nahrung gewarnt werden sollte. Lobbykratie, wohin man schaut: In Deutschland genauso wie in Europa.
Wie sehr das, was wir essen, Einfluss auf den Körper hat, kann man am einfachsten sehen, wenn man Lachs oder Wild von Tieren aus freier Wildbahn mit dem von Tieren aus eingezäunten Wiesen oder Fischen aus Bassins vergleicht.
Ich sehe das auch bei uns im Dorf: Man kann im Normalfall deutlich erkennen, wer sich abwechslungsreich gesund aus dem eigenen Garten ernährt, und wer nicht.

Beinahe hätte es einmal in München eine Revolution gegeben, als die Bierbrauereien die Holzfässer abschaffen wollten. Aber schon Lenin hatte festgestellt, dass sich der Deutsche für eine Revolution nicht eignen würde, weil er zuerst eine Bahnsteigkarte lösen würde, bevor er einen Bahnsteig erstürmt. Daher verlief dann alles im Sande: Die Prachtgespanne der Brauereien fahren nun wie eh und je mit Holzfässern zur Wiesen. Allerdings sind die Fässer leer, denn das Bier wird per LKW in Metallbehältern transportiert.
Nun gibt es das Bier bei ALDI schon in Plastikflaschen, was den Transport wegen des geringen Gewichts erheblich verbilligt. Und der Kunde wird sich schon daran gewöhnen. Immerhin hat er hier noch die Wahl. Plastikflaschen enthalten in der Regel Weichmacher, die in die Getränke gelangen. Sie sollen dick machen, teilweise schädigende Wirkung auf die männliche Zeugungsfähigkeit haben oder auch das Gehirn von Buben beeinträchtigen können:
http://www.swr.de/odysso/-/id=1046894/nid=1046894/did=4346702/1mqksjs/index
Aber wer schert sich schon darum?
Bei anderen Lebensmitteln wird dem Kunden einfach etwas vorgesetzt, ohne dass er entscheiden kann, ob er das will. Ein Beispiel ist die Schlagsahne (für Bayern: der Rahm). Die gibt es normalerweise nur noch mit Carrageen. Die Molkereien tun so, als ob sie die Sahne dadurch verbessern würden, indem sie mit diesem Mittel die Schlagfähigkeit steigern würden. Das ist natürlich ein völliger Unsinn. Ich habe meine Sahne immer steif schlagen können, auch in Zeiten, als wir noch über keinen Kühlschrank verfügten. Im Grunde genommen geht es den Molkereien darum, die Sahne haltbarer zu machen und daher weniger oft frische Sahne liefern zu müssen. Dass Carrageen Allergien auslösen kann, dass dieser Zusatz für einen erkrankten Darm gefährlich ist und dass es bei Carrageen eine Höchstmenge gibt, die man nicht überschreiten sollte, wird dem Verbraucher verschwiegen. Der soll sich gefälligst selbst darum kümmern.
Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir überhaupt Lebensmittel kaufen, auf deren Rückseite kleingedruckte Hinweise (kaum) zu lesen sind, in denen aufgelistet ist, was man alles zugesetzt hat. Wir lesen das meistens nicht einmal. Wer geht schon an seinen PC, um festzustellen, was das alles für Zeug ist, das er zu sich nimmt, wenn er nur sein Brot ganz schlicht mit Marmelade bestreicht? Wer interessiert sich schon für eventuelle Risiken?
Viele der Zusatzstoffen wurden geradezu auf kriminelle Weise zugelassen, wie man in der einschlägigen Literatur nachlesen kann. Aber wer kümmert sich schon darum?
Und wen interessiert schon, dass Geschmacksverstärker im Verdacht stehen, Demenz auszulösen? Wir haben inzwischen 1 Million Demenzkranke in Deutschland. Offiziell wird dies als Folge der Alterung der Gesellschaft angesehen. Aber vieles spricht dafür, dass die Ursache in unserer Art der Ernährung liegt:
Nirgendwo dokumentiert sich die menschliche Dummheit so wie bei den Lebensmittelzusätzen: Die Leute lassen sich vom Arzt homöopathische Arzneimittel verschreiben und glauben, dass die minimalen Wirkstoffmengen eine heilsame Wirkung entfalten. Auf der anderen Seite schlucken sie große Mengen bedenklicher Lebensmittelzusätze und glauben, dass ihnen dies nicht schadet. À propos winzige Mengen: Früher waren die Scheiben des verpackten Schnittkäses durch Folien getrennt. Heute setzt man die Nano-Technologie ein, damit die Scheiben nicht zusammenkleben. Nun schwirren im Körper lauter Nano-Teilchen herum, sogar bis ins Gehirn. Bei dem Bild, das unsere Regierung bietet, fragt man sich schon, das vielleicht die Folgen der Nano-Teilchen sein könnten.
Wer tut was dagegen? Kaum einer, denn die Menschen denken: Wenn andere das bedenkenlos essen, kann ich es auch tun. Oder wie der Bayer sagt: A Guader hält’s aus und um an Schlechten ist’s net schad.
Bei gen-veränderten Lebensmitteln wird es ähnlich laufen: Schon breiten sich gen-veränderte Pflanzen von Experimentierfächen auf die benachbarten Felder aus und schließlich wird die Industrie durchsetzen, dass der Biobauer seine Feldfrüchte nicht mehr gen-frei nennen darf, weil sich unerkannt gen-veränderte Pflanzen durch Pollenflug dazwischen gemengt haben.
Die Leute werden also eines Tages Gen-Food essen müssen, und wenn sich dadurch wichtige Organe verkleinern, wie sich bei Tests ergeben hat. Da wird sich die Symbiose von Lebensmittel- und Pharmaindustrie bewähren: Dagegen wird es dann schon Medikamente geben.
Guten Appetit!

Als ich jung war, war ich ein Bergwachtmann. Im Winter hatten wir viel zu tun: Kaum waren die Skifahrerzüge aus München im Gebirge angekommen, gab es schon bald die ersten Verletzten, die wir abtransportieren mussten. So hatten wir mittags nie Zeit zum Essen. Aus diesem Grund gönnten wir uns überall, wo wir eingesetzt wurden, am Vormittag ein Weißwurstfrühstück. Ganz gleich wo wir waren: in Garmisch, am Spitzingsee, am Tegernsee…: überall gab es frische Weißwürste mit süßem Senf und frischen Brezen, und das war überall ein Genuss. Damals gab es ein Ritual, gegen das nicht verstoßen werden durfte: Die Weißwürste durften das Zwölfuhr-Läuten der Kirchenglocken nicht überleben. Ab 12.00 Uhr gab es keine Weißwürste mehr.
Und wie sieht es heute aus? Schon aus der Speisekarte ersieht man, was einem da geboten wird. Hinter dem Wort „Weißwürste“ sind drei kleine Ziffern wie Potenzzahlen hochgestellt. Und hinten kann man nachlesen, was diese Zahlen bedeuten: Die Würste enthalten ein Süßungsmittel und einen Geschmacksverstärker, und man fragt sich, warum die Würste nicht ganz einfach natürlich schmecken dürfen. Nimmt man minderwertigere Zutaten, um dann den notwendigen Geschmack anderweitig hineinzubringen oder was ist los?
Und dann ist da noch ein Antioxydationsmittel zugegeben worden. Das heißt also, dass die Würste eigentlich alt und grau aussehen würden, wenn das Zeug nicht drin wäre. Und die graue Farbe würde uns sagen: Pfui Teufel, das Zeug ist alt! Finger weg!“
Die Brezen von heute passen zu den Weißwürsten. Sie sind nur selten frisch, denn die modernen Triebmittel im Teig, die dem Bäcker das frühe Aufstehen ersparen sollen, bewirken, dass die Brezen schon nach etwa 2 Stunden „lätschert“ schmecken, wie man in Bayern zu sagen pflegt.
Bei den Semmeln ist es dasselbe: Sie schmecken nur, wenn man sie gleich nach dem Kauf isst. Sonst ist es besser, man kauft sich welche bei ALDI zum Aufbacken.
Das, was wir hier an einem schlichten Weißwurstfrühstück gezeigt haben, ist symptomatisch für unsere gesamte Essenskultur. Und das Schlimme ist: Kein Mensch wehrt sich.

Teiglinge aus China.

Wir haben es auch heuer wieder geschafft: viel Geld ausgegeben und viel geschluckt. So sind wir auch in diesem Jahr wieder das fetteste Volk Europas geworden. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung hat Übergewicht, die Männer mehr, die Frauen weniger.
Manche Menschen sind verzweifelt; Sie hungern sehr, ja kasteien sich sogar, um ein paar Pfunde los zu werden. Und dann probieren sie eine Diät nach der anderen mit dem bekannten Jojo-Effekt: Am Ende ist alles so wie vorher.
Was aber dabei oft übersehen wird, ist die Tatsache, dass viele Lebensmittelzusätze wie Mastmittel wirken. Auch die Weichmacher in Plastikflaschen, die in die Getränke gelangen, sollen Dickmacher sein (und die männliche Potenz beeinträchtigen). Man sollte also nicht nur auf die Kalorien schauen, wenn man seine Figur halten will, sondern auch auf die Lebensmittelzusätze achten oder besser: sie meiden und sich natürlich ernähren.

Auch die Gaststätten tragen mit dazu bei, dass die Leute sich in doppelter Hinsicht ungesund ernähren: zu wenig frisch und zu viele Kalorien. Was die Frische angeht, so möchte ich die Frau eines Kochs zitieren, der in einem sehr renommierten, stark frequentierten Gasthaus arbeitet. Sie bezeichnete ihren Mann als „Fast-Food-Dekorateur““ und sagte, das sei gar nicht anders möglich bei den vielen Essen pro Tag. Und zu den Kalorien sei bemerkt, dass viele Gasthäuser im Sommer und Winter fast das Gleiche kochen. Dabei hätte mancher jetzt bei der Hitze mal Lust auf ein leichtes Essen, aber nicht gerade nur Salat. Da sieht es meistens schlecht aus. Gerade war ich in einem Kurort und habe gedacht, dass man sicher etwas findet, was einem nicht zu schwer im Magen liegt. Fehlanzeige!
Wie wär’s denn mal mit Senfeiern und Pellkartoffeln, Spinat mit Ei oder Rahmquark mit neuen Kartoffeln? Gibt’s nicht.
Oder doch? Ja, im Kulinarium in Bad Füssing habe ich dieses Essen für 4,90 Euro gegessen. Vorbildlich im buchstäblichen Sinn.

Man kann es sich heute kaum vorstellen: Es gab einmal ein Leben ganz ohne Plastik!
Ich bin schon sehr alt und habe den Beginn des Plastikzeitalters von Anfang an mit erlebt. In meiner Jugend hatten wir nur einen einzigen Gegenstand in der Wohnung, der nicht aus natürlichen Materialien war: den „Volksempfänger“. Dies war ein von den Nazis herausgebrachtes Radio, welches das Abhören von „Feindsendern“ unmöglich machte. Es war aus schwarzem Bakelit.
Als ich heiratete, kauften wir uns eine Küche, die eine Resopalarbeitsplatte hatte. Aber bevor wir die kauften, haben wir uns erst einmal damit befasst, was Resopal denn nun eigentlich ist und ob es schädliche Auswirkungen haben könnte. Die aufkommenden Kunststoffe waren damals etwa so umstritten wie zur Zeit die Gen-Technik.
Heute kümmert sich kaum einer noch darum, ob das Plastikzeug, was er kauft, vielleicht schädliche Ausdünstungen hat. Noch leichtfertiger sind die Menschen bei der Kleidung: Der Normalmensch kann sich nicht vorstellen, dass diese heutzutage oft nicht hauptsächlich aus Stoff besteht, sondern aus Farbe, Appretur und sonstigen Zusätzen, so dass man sie mindestens vor dem Tragen waschen müsste. Aber dann schaut das Zeug oft schon aus wie aus der Kleidersammlung.
Der Kunde verlässt sich heute einfach darauf, dass das, was es zu kaufen gibt, auch in Ordnung ist. Und dann stutzt er plötzlich, wenn er liest, dass die bekannteste Spielwarenfirma ihre Ware in China herstellen lässt –- mit hoher Giftbelastung. Da hatte man doch die Leute immer gewarnt, sie sollten kein Billigspielzeug aus China kaufen, sondern Markenware. Und was haben sie dafür bekommen? Denselben Mist.
So reiht sich nun ein Skandal an den anderen: Mal ist das Spielzeug belastet, mal sind es die Johannisbeeren. Und der Bürger hat sich daran genauso gewöhnt wie daran, dass er beim Lotto daneben tippt.
Der Bürger lässt sich einreden, dass all diejenigen, die warnend ihre Stimme erheben, nur Panikmacher sind. Er will es einfach nicht wahr haben, dass Geschmacksverstärker Demenz auslösen können –außerdem: was interessiert ihn schon, was im Alter auf ihn zukommen kann. Und wenn die Lebensmittelzusätzen die Zahl der männlichen Spermien mehr als halbiert haben, sagen die Männer: Was soll’s? Bei den Millionen macht das nichts aus. Und wenn man liest, dass die Wissenschaftler bei männlichen Ratten festgestellt haben, dass Weichmacher in Plastik deren Gehirn schädigen, sagen sich die Frauen: Mein Sohn ist keine Ratte. Und schließlich haben es die Frauen ja sowieso immer schon gewusst, dass sie das gescheitere Geschlecht sind.

Wahrscheinlich ist es bei den Lebensmittelkontrolleuren ähnlich wie bei den Steuerfahndern: Man setzt zu wenig Leute ein, was verschiedene Vorteile hat: Die Lobby ist zufrieden; die Zahl der aufgedeckten Fälle sinkt, was man als Erfolg ausgeben kann; und schließlich spart man Personalkosten und die Statistik der Straftaten sieht besser aus.
Erschreckend hoch ist die Giftbelastung oft bei Waren aus Ländern, die nicht in der EU sind. Auch hier wäre die Politik gefordert: Warum sollte nicht einmal ein Importverbot verhängt werden, wenn bestimmte Länder zu wenig tun, um saubere Ware in den Handel zu bringen? Aber das will die Exportlobby nicht, denn man will ja diesen Ländern etwas verkaufen.