„Studienabbrecher“ Kevin Kühnert

Ich hasse den Ausdruck „Studienabbrecher“. Damit sollen Menschen diffamiert werden, die kein Uni-Examen abgelegt haben. Gerade ist bei Web.de auch wieder vom Studienabbrecher Kühnert die Rede, wie man es auch aus Unionskreisen öfter gehört hat. Ich frage mich, was dieser Unsinn soll. Wenn jemand im Beruf seinen Mann steht, dann spielt es doch keine Rolle, ob er studiert hat, sein Studium abgebrochen oder vollendet hat.
Dazu fällt mir immer ein, was ein Professor uns Studenten erzählte: Er stammte aus einer alten Bremer Kaufmannsfamilie und sein Vater sagte zu ihm: „Dein Bruder ist der Gescheitere; der übernimmt das Geschäft. Und du musst studieren.“
Merkwürdig ist, dass die intelligentesten Menschen, die ich kenne, Studienabbrecher sind.
Nur zwei Beispiele: Einer hat keine Zeit mehr für die Uni gehabt, weil er ein IT-Unternehmen gegründet hat, mit dem er so reich geworden ist, dass er sich Wohnungen in Paris und London leisten konnte und sich mit 40 zur Ruhe gesetzt hat, um Biobauer zu werden.
Ein anderer hat ein bisschen Medizin studiert, und zwar nur so viel, wie er brauchte, um als erfolgreicher Heilpraktiker arbeiten zu können. Neulich kam er mit einer Aktentasche voll Geld aus Arabien zurück. Dort hatte er einen Scheich und sein Pferd behandelt. Bis dorthin hatte sich sein Ruf ausgebreitet. Auch dieser Studienabbrecher hat so viel Geld, dass er sich Immobilien in zwei Ländern kaufte und nun ebenfalls als Biobauer lebt.
Kurzum: Es sind nicht nur Versager, die kein Examen ablegen, sondern oft Menschen, die genau wissen, was sie wollen, und sicher sind, dass sie sich damit durchsetzen können. Sie brauchen kein Examen.

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