Zum Sonntag: Frömmigkeit auf dem falschen Weg?


(Wallfahrstskirche Maria Eck)
Kürzlich las ich, dass die meisten Menschen bei ihrer religiösen Entwicklung im Alter von 7 Jahren stehen geblieben sind. Ja, damals war nach meinem Religionsunterricht das Christentum noch einfach: Wer eine Todsünde begangen hatte, kam in die Hölle und wer nur lässliche Sünden begangen hatte, musste eine Zeit lang im Fegefeuer schmoren. Dem konnte man aber vorbeugen, indem man einen Ablass gewann, der in den Wallfahrtskirchen angeboten wurde: Je nach Rang der Kirche gab es den vollkommenen Ablass oder den von etlichen Tagen. Das konnte man am Portal lesen. Und das christliche Leben endete schließlich „wohl versehen mit den hl. Sterbesakramenten“, wie es damals in den Sterbeanzeigen hieß und es noch auf alten Grabsteinen steht. Pech hatte also jemand, der plötzlich mit einer Todsünde aus dem Leben gerissen wurde.
Alles vorbei? Ich lese nichts mehr vom Ablass an den Kirchen. Und mit der ewigen Verdammnis scheint man auch vorsichtiger geworden zu sein. Da genügte früher in den Augen vieler Katholiken schon eine Liebesnacht zwischen Unverheirateten.
Ich bin leider in meiner religiösen Entwicklung zurück geblieben und daher nicht auf dem neuesten Stand. Aber ich mache mir so meine eigenen Gedanken:
Für den frommen Katholiken ist ein sündenfreies Leben der Zweck seines Daseins, denn Gott ist für ihn der Gefürchtete, der genau Buch führt über alle Verfehlungen.
Was aber die meisten nicht bedenken, ist das, was sie gedankenlos in jeder Messe herunter leiern: „… bekenne ich euch Brüder und Schwestern, dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe.“ Das Unterlassen des Guten rangiert hier vor der bösen Tat, ist also wichtiger. Nur sieht der normale Katholik das offenbar nicht so. Als ich mal mit einem Priester darüber sprach, wie oft er denn in der Beichte etwas vom Unterlassen des Guten gehört hatte, schwieg er verblüfft. Dann aber sagte er, solche Gewissensbisse kämen den Menschen allenfalls auf dem Sterbebett.
„Jeden Tag eine gute Tat!“ ist die Devise der Pfadfinder. Und der wahrhaft fromme Mensch sollte sich darüber im Klaren sein, dass es auch schon eine Sünde ist, einem anderen eine Freude nicht gemacht zu haben, auch wenn es so einfach gewesen wäre: ein kurzer Anruf, ein freundliches Lächeln…

Wenn Sie sich manchmal auch Gedanken über das Christentum machen, lesen Sie doch bitte dieses Buch:

Verboten neu

 

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