Zum Zitat von heute: Wie sich die Kirche gewandelt hat

Als ich noch in die Schule ging, lasen wir etwas von C.F.Meyer. Der Dichter stand auf dem Index der Katholischen Kirche. Ich musste mir daher vorher eine bischöfliche Dispens einholen. Dann habe ich alles von diesem Dichter gelesen und nicht verstanden, warum er auf den Index gekommen ist.
Die von mir eingeholte Dispens war übrigens die dritte in der Familie: Meine Eltern brauchten vor der Heirat eine Dispens, weil meine Mutter evangelisch war und mein Vater katholisch. Die Dispens war im Allgemeinen kaum zu bekommen, sodass viele in „sündiger Ehe“ lebten. Meine Eltern bekamen aber auf Grund eines Geheimtipps die Dispens des Priors von St. Benno in München, der Verständnis für die Liebenden hatte.
Mein Vater war Richter und brauchte für die Mitwirkung bei Ehescheidungen ebenfalls eine Dispens, die er nur bekam, weil er versicherte, sich im Prozess besonders für den Fortbestand der Ehe einzusetzen.
Und noch ein Kuriosum aus meiner Jugend möchte ich hier erwähnen: Damals hatten die Kirchen Schaukästen, in denen sie Filmkritiken u.a. aushängten. Filme, von denen abgeraten wurde, durfte ein braver Katholik nicht ansehen. Das war eine Sünde. Eine dieser Kritiken ist mir bis heute in Erinnerung geblieben: Sie riet von dem Besuch eines Balletts ab „wegen der sich zu sehr abdrückenden Männlichkeit“ des Solotänzers.
Inzwischen ist der Kirche die Kontrolle über das, was sie ihren Gläubigen zumuten will, längst entglitten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.