Lügt Scheuer?

Dass Scheuer gehen muss, sollte längst feststehen: https://autorenseite.wordpress.com/2020/10/04/schon-wieder-eine-klatsche-fuer-scheuer/
Nun beißt sich der Untersuchungsausschuss allerdings an der Frage fest, ob Scheuer das Parlament belogen hat. Er sagt, er könne sich nicht daran erinnern, von seinen Vertragspartnern vor Unterschrift der Mautverträge gewarnt worden zu sein, er solle doch erst einmal das Urteil des EuGH abwarten.
Man kann sich die Version, die allerdings von Scheuers Vertragspartnern behauptet wird, nicht recht vorstellen: Da haben sie einen „fetten Fisch an der Angel“: Sie können das Geschäft ihres Lebens machen. Scheuer will unterschreiben und da sollen sie ihn zur Vorsicht ermahnt haben? Ich glaube, so viel Fürsorglichkeit ist im Geschäftsleben nicht üblich.
Aber selbst wenn man Scheuer vor seiner Unterschrift gewarnt haben sollte, kann man nicht davon ausgehen, dass er gelogen hat. Es gibt nämlich das Phänomen der Verdrängung, d. h. dass Menschen gemachte Fehler oft aus ihrem Gedächtnis automatisch löschen, wie im verlinkten Beitrag beschrieben wurde.
Wie es nun bei Scheuer war, lässt sich nicht feststellen: Stimmt seine Version? Oder hat er eine Erinnerungslücke? Solche Lücken beobachten wir ja ständig bei Politikern von Kohl über Steinmeier, Schäuble, der 100.000 DM vergaß, bis zu von der Leyen.
Eine Lüge, also dass jemand vorsätzlich die Unwahrheit gesagt hat, wird wohl einem Politiker kaum nachzuweisen sein. Das ist eine vergebliche Liebesmüh‘ des Untersuchungsausschusses, dessen Ziel wohl eher ist, Scheuer zu „grillen“.
Ich erinnere mich an einen Prozess gegen einen bayerischen Innenminister wegen Meineids. Der Fall schien klar zu liegen, bis ein Gutachter dem Mann bescheinigte, er könne unter einer momentanen Unterzuckerung des Gehirns gelitten haben.

Zum Thema Verdängung noch eine nette instruktive Geschichte aus meiner Familie:
Bei hohen Geburtstagen erzählten die Jubilare Geschichten aus ihrer Jugend. Mein Vater berichtete, dass die Familie die ersten Urlauber auf einem Bauernhof im Chiemgau gewesen seien. Sie seien mit Blasmusik in einem Leiterwagen von der Bahn abgeholt worden. Dabei flocht meine Tante zu meinem Vater gewandt ein:
„Mei, was warst du für ein süßer Bua mit dem Kanarienvogelkäfig auf dem Rücken.“
Mein Vater wurde böse und bestritt das energisch:
„Der Kanarienvogel ist in München geblieben. Schließlich hatten wir Personal, das sich um ihn gekümmert hat. So was Blödes: Wer nimmt denn einen Kanarienvogel mit in Urlaub?“
Und so stritten sie dann noch eine Weile.
Klar ist, dass keiner von beiden lügen wollte, nur hatte einer ein völlig falsches Bild in Erinnerung. So etwas ist jedem kritischen Menschen schon einmal passiert. – Vielleicht auch Herrn Scheuer.

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