Die Schablonendenker im Bundestag

Im Zuge der Corona-Krise ist von Unsummen die Rede, die zur Beseitigung von deren Folgen ausgegeben werden müssen, aber die man nicht hat. Woher soll also das viele Geld kommen? Diese Fragen stellen sich viele außer Söder, der in dieser Situation sogar „popu-listig“ Steuersenkungen fordert.
Die Antworten fallen so aus wie erwartet. Man hätte für solche Fälle statt der Redner der Parteien auch Aufnahmen von alten Reden laufen lassen können. Es ist ja immer die selbe Leier.
Ich fürchte fast, dass die Abgeordneten selber das glauben, was sie da von sich geben. Auf die Forderung, die Reichen doch ein wenig zur Kasse zu bitten, wiederholen CDU/CSU und FDP gebetsmühlenartig das, was sie immer schon gesagt haben: „Wieder diese Neiddebatte“, „Das wäre ja Sozialismus (bzw. Kommunismus)“, „Man darf doch nicht die Leistungsträger unserer Wirtschaft bestrafen“ und dergleichen mehr.
Also, liebe Kapitalisten-Freunde: Wenn ihr die Reichen quasi unter Naturschutz stellt, dann erklärt mir mal, warum ein Fußballer, der sich mit vielen Millionen zur Ruhe gesetzt hat, ein Leistungsträger ist, oder der Milliardärssohn, der sich seine Langeweile auf einer Luxusyacht im Mittelmeer vertreibt. Und wenn Sie dann behaupten, diese Menschen würden doch ihr Geld investieren, dann schauen Sie doch mal, wo sie das tun: Das Geld fließt doch kaum in marode Schulen, sondern eher in australische Silberminen.
Die Steuern für die Reichen wurden ja früher einmal sogar unter einer Regierungsbeteiligung der Sozis gesenkt. Wieso soll das Sozialismus sein, wenn wir zu Zinssätzen wie zur Adenauer-Zeit zurückkehren?
Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich in erschreckender Weise immer weiter geöffnet. Ist es dann eine Neiddebatte und nicht eine Forderung der Gerechtigkeit, wenn man die Schere wieder nur ein wenig schließen will?
Warum überhört man die Forderung vieler Reicher, die freiwillig die Erhöhung ihrer Steuerbelastung fordern, um einen Beitrag zur Bewältigung der Probleme zu leisten?
Ich fürchte, dass der (die) gut funktionierende Abgeordnete den Denkschablonen folgt, die seine (ihre) Partei vorgibt. Er (sie) ist Opfer einer Verfeinerung des Populismus geworden, die man modern als „Framing“ bezeichnet.

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