Corona und Globalisierung


In den Augen der Jüngeren bin ich ja einer der uneinsichtigen Alten, die immer behaupten: Früher war alles besser.
So frage ich mich oft: Bringt die Globalisierung mehr Vorteile als Nachteile? Ist nicht auch die Ausbreitung des Corona-Virus über die ganze Welt eine Folge der Globalisierung?

Was haben wir denn von der Globalisierung gehabt? Die gesamte Produktion wandert dorthin, wo es am billigsten ist. Dadurch gingen ganze Industriezweige kaputt wie die Fotoindustrie und viele Werften. Die Bekleidungsproduktion findet nun weitgehend in Bangladesch statt, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Und unsere Autoindustrie ist gerade auf dem Weg, das Schicksal der einst so angesehenen deutschen Fotobranche zu teilen.
Outsourcing heißt eine der Devisen der Globalisierung. Die Folge davon ist ein gewaltiger Druck auf die deutschen Löhne. Wenn diese zu hoch sind, wird die Produktion ins billigere Ausland ausgelagert. So ist der Lohn in der Bekleidungsindustrie von Bangladesch zum Maßstab in jener Branche geworden. Und andere Branchen werden folgen: Vielleicht bestimmen bald schon die indischen Arbeiter die Löhne unserer Autoindustrie, bei der die prekären Arbeitsverhältnisse schon jetzt immer mehr werden: Zeitarbeiter, Minijobber, Leiharbeiter, Aufstocker…
Die Folgen der Globalisierung sehen wir gerade in dieser Zeit: Schon vor Corona gab es Engpässe bei den Medikamenten. Deren Herstellung wurde ja zu einem großen Teil nach China und Indien ausgelagert und so gab es auf einmal viele Arzneien – sogar lebenswichtige – nicht mehr, weil ein Werk im fernen Osten ausfiel.
Bei der Autoproduktion ist es nun ähnlich: Die Teile eines deutschen Autos werden ja in den verschiedensten Ländern hergestellt. Ein Bekannter, der in einem deutschen Automobilwerk arbeitet, sagte einmal: „Was sind wir denn anderes als Zusammenschrauber von Autoteilen, die anderswo hergestellt werden. Wenn dann ein Werk in China durch Corona ausfällt, stehen die Bänder still.“ Nun stehen sie sowieso still.
Wir befinden uns also in einer gefährlichen Lage der Abhängigkeit. In der Nachkriegszeit war uns durch die Kriegserfahrungen vor allem wichtig, dass wir wirtschaftlich autark waren: Deutschland sollte sich von seinem eigenen Grund und Boden ernähren können. Und der Steinkohlebergbau wurde aufrecht erhalten, um die Energie zu sichern. Heute sind wir von Gas und Öl aus dem Ausland abhängig. Während wir nach der Ölkrise einen Notvorrat in still gelegten Salzstöcken einlagerten, beuten wir nun unsere eigenen Ölquellen aus, anstatt sie als Reserve im Boden zu lassen.
Und aus den freien deutschen Bauern hat man subventionierte Lohnsklaven gemacht, die in ihrer Not gezwungen sind, das Grundwasser durch Überdüngung zu vergiften. Die negative Entwicklung bei der Landwirtschaft ist eine Folge der Globalisierung: Weil wir von anderen Ländern verlangten, dass sie uns unsere Autos abnehmen, mussten wir natürlich als Gegengeschäft deren landwirtschaftliche Produkte abnehmen. So wurden unsere Bauern dem rauen Wind der Weltwirtschaft ausgesetzt und können nun nur mit Subventionen überleben, die im Grunde genommen Subventionen für die Autoindustrie sind.
In meinen Augen ist die Globalisierung auch eine Art Fortsetzung der Kolonialzeit. Was früher mit Waffengewalt erzwungen wurde, erreicht man nun dadurch, dass man arme Länder mit wirtschaftlicher Überlegenheit ausbeutet: Wir lassen Kinder in Afrika nach Kobalt schürfen. Wir machen in Chile durch Lithiumabbau für unser E-Mobilität die Landwirtschaft kaputt. Wir sichern uns Fischereirechte vor Afrika und nehmen den einheimischen Fischern die Nahrungsgrundlage. Wir vernichten in Afrika Existenzen, indem wir unseren Überfluss dort abladen: Hähnchenflügel, Milchpulver, Altkleidung…
Wir holen uns die Arbeitskräfte, die wir brauchen, aus dem Ausland und zerreißen damit oft viele Familien. Überhaupt ist es unfair, wenn wir Wissenschaftler, die in ärmeren Ländern für viel Geld ausgebildet wurden, zu uns locken, so dass sie in der Heimat fehlen.
Die Globalisierung ist ein Teil des Kapitalismus und daher in der derzeitigen Ausprägung nicht akzeptabel.
Bisher waren wir ja mit unserer wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Überlegenheit auf der Gewinnerseite der Globalisierung, aber nun dreht sich der Wind: Deutschland stürzt ab, wie ich schon in 17 Beiträgen beschrieben habe:
https://autorenseite.wordpress.com/2020/03/12/deutschland-stuerzt-ab-17/

Unsere besten Wissenschaftler wandern in die USA aus und unsere Universitäten verlieren ihre Spitzenstellung;
https://autorenseite.wordpress.com/2018/01/03/deutschland-stuerzt-ab/

Wir lebten vom Blaupausenexport. Das geht nun zu Ende. Überall findet eine Amerikanisierung statt: in der Filmindustrie, in der IT-Branche, bei Facebook, E.bay, Tesla…
Gerade hieß es, Trump wolle eine unserer Firmen aufkaufen, die einen Impfstoff gegen Corona erforscht, und wolle diesen exklusiv nutzen. Gott sei Dank war dies eine Fake-News in den Mainstream-Medien, die ja sonst über solche Erscheinungen im Internet schimpfen. Aber die Nachricht zeigt doch eine Tendenz an, wohin die Reise geht. Wir werden zu Verlierern der Globalisierung.
Ja, wie schön und gemütlich war es doch bei uns in Deutschland in der Nachkriegszeit.

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