Belügen mit Statistik

Es gibt den Spruch: „Vertraue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“ Der Spruch lässt sich abgewandelt auch auf Meinungsumfragen anwenden: „Vertraue keiner Umfrage, die du nicht selbst in Auftrag gegeben hast.“
Hierzu ein Beispiel: Ich wohnte in einem Kurort, der eine Umfrage über seine Bekanntheit in Auftrag gegeben hat. Natürlich kam heraus, dass der Ort ganz oben auf der Bekanntheitsskala lag. Als ich dann in einem anderen Kurort Urlaub machte, las ich zu meinem Erstaunen, dass dieser Ort Platz 1 errungen hat, während mein Heimatort unter „ferner liefen“ rangierte. Man sieht also, dass man Umfragen wenig vertrauen kann. All dies ist hat wahrscheinlich schon jeder in irgendeiner Form schon erlebt.
Inzwischen ist mir aber aufgegangen, dass die Umfragen häufig einen weiteren, hintergründigen Zweck verfolgen, wie sich beim Dioxin-Skandal zeigte. Als Eier und sogar Kinderspielzeug mit diesem Gift belastet waren, fragte der Bayrische Rundfunk fragte wie folgt nach der Schuld am Dioxin-Skandal: Haben die Futtermittelhersteller den Skandal zu verantworten oder trägt der Verbraucher eine Mitschuld, weil er immer billigere Waren kaufen will? Der zweite Teil der Frage ist sehr übel:
Der Verbraucher hat einen Rechtsanspruch darauf, dass er einwandfreie Ware erhält – gleichgültig, ob sie billig ist oder teuer. Und ob ein Produzent seine Kunden betrügt, ist eine Frage des Charakters, nicht aber des Preises. Wer seinen Kunden Gift oder Schrott anbietet, tut dies gleichgültig, wie hoch die Verdienstspanne ist.
Die Unternehmen wollen uns nur durch diese Art der Umfragen dazu veranlassen, teurere Waren zu kaufen: Wir sollen uns schuldbewusst an die eigene Brust klopfen, weil wir zu billig eingekauft haben. Und der Bayrische Rundfunk machte dabei mit. Schließlich ist er ein „Staatsrundfunk“ und hat also auch die Aufgabe, durch solche Umfragen die Verantwortung nicht bei den Politikern zu suchen, sondern sie dem Bürger einzureden. Und beim Schuld-tragen sind wir Deutschen besonders eifrig. So soll bei der Umfrage heraus gekommen sein, dass etwa 2/3 der Bürger ihre billigen Einkäufe auch als Ursache für den Dioxin-Skandal sehen. Brav!
Dass teuer oder billig bei der Giftbelastung überhaupt keine Rolle spielt, haben wir schon klar sehen können. Als festgestellt wurde, dass chinesisches Spielzeug stark mit Gift belastet war, riet man uns, teureres Spielzeug zu kaufen. Und dann kam heraus, dass der Spielzeughersteller Mattel sein Zeug in China fertigen ließ mit der Folge, dass es auch mit Gift belastet war.
Lassen Sie sich also nicht einreden, dass Sie teuer einkaufen müssen. Sie bekommen überall einwandfreie Ware oder auch nicht.
Der Betrug hat sich deshalb so sehr ausgebreitet, weil die staatlichen Kontrollen weitgehend fehlen. Das ist der Lobbykratie, also der Staatsform, in der wir leben, auch wenn uns immer wieder etwas anderes vorgemacht wird.
Übrigens tauchen Menschen wie ich bei den Ergebnissen der Meinungsumfragen überhaupt nicht auf: Ich mag es nicht, wenn mich ein Unbekannter anruft, um mich nach meiner Meinung zu fragen, denn erstens stört mich das und zweitens sind die Interviewer meist nur darauf aus, für irgendetwas über die Vortäuschung einer Meinungsumfrage zu werben. Und auf der Straße lasse ich mich auch nicht gerne von Unbekannten anreden.
Also wenn Sie die nächste Forsa-Umfrage lesen: Ich bin nicht schuld!

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