Zum Sonntag: Bibel als wahres Wort Gottes?

Wenn wir sehen, welche Verbrechen der IS begeht, sind wir geneigt zu sagen: „So etwas hat es früher nicht gegeben.“ Und manche finden, dass hier der Islam sein wahres kriegerisches Gesicht zeigen würde. Wirklich? Ist nicht auch das Christentum ähnlich gewesen? Was lesen wir denn in der Bibel:
„“Und wenn sie der HERR, dein Gott, dir in die Hand gibt, so sollst du alles, was männlich darin ist, mit der Schärfe des Schwerts erschlagen. Nur die Frauen, die Kinder und das Vieh und alles, was in der Stadt ist, und alle Beute sollst du unter dir austeilen… Aber in den Städten dieser Völker hier sollst du nichts leben lassen, was Odem hat.“
(5. Mose 20, 2-4.13-14.16)
Oder:
„So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind; aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben.“*
(4. Mose 31, 17-18)
„Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt und sie am Felsen zerschmettert.“
(Psalm 137, 9)
Warum distanziert sich die Kirche nicht von solchen Teilen des Alten Testaments, sondern schreibt im Katholischen Katechismus:
„“123 Die Christen verehren das Alte Testament als wahres Wort Gottes.“ Wirklich?
Den Gedanken, das Alte Testament aufzugeben, weil das Neue es hinfällig gemacht habe [Markionismus], wies die Kirche stets entschieden zurück.“
Das brutalste Abschlachten, das es je in Europa gegeben hat, fand im 30-jährigen Krieg statt. Dabei handelte es sich um eine Auseinandersetzung der Religionen, die typischerweise mit aller Brutalität ausgetragen wurde. Die halbe Bevölkerung wurde damals in Europa ausgerottet.
Ausgerechnet diejenigen, die die Kirche als ihre schärfsten Gegner betrachtete, nämlich die Freimaurer, sorgten dann für eine gewisse „Humanisierung“ des Krieges, die schließlich in der Genfer Konvention ihren Niederschlag fand.
Aber leider wurde dieses Abkommen schon im letzten Krieg quasi außer Kraft gesetzt. Der Terrorangriff der Alliierten auf Dresden, der sich nur gegen die Zivilbevölkerung richtete, war sozusagen der Gipfelpunkt dieser Kriegsverbrechen beider Seiten. Das ist insofern sehr bedauerlich, als wir den Westen in den heutigen Kriegen nicht als leuchtendes Beispiel hinstellen können, sondern der Terrorismus findet seine moralische Rechtfertigung in den Untaten, die in den letzten Kriegen geschehen sind und vom Westen zu verantworten sind.
Nun tritt die Kriegführung in eine neue Dimension ein. Man tötet nicht mehr die gegnerischen Soldaten, sondern deren Familien. So hat es gerade jedenfalls der IS angekündigt und die Adressen von französischen Soldaten abgegriffen.
Spannend würde es, wenn wirklich mal eine deutsche Familie getötet würde, weil ein Angehöriger in Afghanistan kämpft. Wie schnell würde Deutschland wohl kriegsmüde werden.

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