Werden wir immer dümmer? (II)


Wenn man so alt wird wie ich, staunt man, wie schnell und wie sehr sich alles ändert:
Früher wurden Schwule bestraft, heute findet man das gut so.
Früher war das Zusammenleben Unverheirateter ein strafbares öffentliches Ärgernis, heute ist es normal.
Früher gab es Umstandsmoden, die die Schwangerschaft verbergen sollen, heute stellen Frauen ihre Babybäuche in Illustrierten zur Schau.
So gäbe es noch viele Beispiele, aber ich will hier ein besonderes herausgreifen, das zeigt, wie dumm wir geworden sind:
Früher gehörten die Krankenhäuser überwiegend der öffentlichen Hand oder kirchlichen Orden und alles hat bestens funktioniert. Da erschien sogar der Koch am Krankenbett und fragte, ob man besondere Wünsche habe. Und heute? Da werden die kostenintensiven Notaufnahmen oft zu klein gehalten mit der Folge, dass Sanitätswagen oft mehrere Krankenhäuser anfahren müssen, um einen lebensgefährlich Verletzten unterbringen zu können. Die ersten Menschen müssen sterben, weil die Intensivstationen keinen Platz für sie haben:
https://autorenseite.wordpress.com/2018/11/17/schlimme-nachrichten-10/
Die Krankenhäuser leiden genauso wie die Pflegeheime an Personalmangel. Und warum ist das so? Uns wird gesagt, das würde am fehlenden Nachwuchs liegen. Das stimmt aber so nicht: Wir hätten genügend Menschen, nur arbeiten die am falschen Arbeitsplatz. Eine Krankenschwester sagte mir neulich, sie müsse sehr hart arbeiten und der Nachtdiens falle ihr schwer, während ihre Freundin in einem Bekleidungsgeschäft „eine ruhige Kugel schieben“ würde und dabei wesentlich besser bezahlt würde.
Wir sind nicht mehr wie früher in der Lage, die Menschen dort einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht werden, denn sie arbeiten dort, wo sie das meiste Geld einbringen:
Heutzutage sind die Innenstädte voll von Bekleidungsgeschäften, weil die Leute gerne shoppen gehen. Ein solches Vergnügen konnte man sich früher nicht leisten. Dadurch war das Personal, das heute für das Einkaufsvergnügen der Menschen in den vielen Modeläden arbeitet, für wichtigere Tätigkeiten wie die Krankenpflege frei.
Noch schlimmer ist es in der Unterhaltungsindustrie: Schauen Sie allein schon einmal die vielen überflüssigen Fernsehsender an und überlegen Sie mal, wie viele Menschen dort beschäftigt sind, um etwas zu produzieren, auf das man gerne verzichten könnte. Ein Dutzend Sender wäre schon mehr als genug.
Warum bringen wir es nicht fertig, die Menschen wieder dort einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht werden? Sind wir dazu zu dumm? Die Politiker versuchen, das zu vertuschen, indem sie fälschlich die Schuld dem fehlenden Nachwuchs zuschreiben.
Wir verhalten uns im Grunde genommen so ähnlich, wie ein Straßenfeger, der einen Unfall beobachtet, aber nicht hilft, weil er meint, erst die Straße kehren zu müssen.

Ein Kommentar zu „Werden wir immer dümmer? (II)

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