Warum die Rechtsextremen immer mehr werden

Ist Ihnen das auch schon aufgefallen? Wir Deutschen sind ein merkwürdiges Volk. Man hätte meinen können, dass die Deutschen nach dem Krieg die Nase voll gehabt hätten vom Nationalsozialismus, aber die alten Nazis blieben damals auf der politischen Bühne. Drei Beispiele: Adenauer hatte einen Staatssekretär Globke, der die Judengesetze kommentiert hatte. Die FDP hatte so viele Nazis in ihren Reihen, dass die Militärregierung fürchtete, es würde nun alles wieder von vorne angehen. Und der Bund der Vertriebenen hat mal seine Gründung erforscht und dabei festgestellt: Die Gründungsmitglieder waren zu einem großen Teil alte Nazis.
Aber dann ist auf einmal in Deutschland eine Gutmenschen- und Saubermanns-Mentalität ausgebrochen. Viele Jahrzehnte nach Kriegsende begann auf einmal das große Reinemachen. Schulen und Kasernen wurden umgetauft, wie beispielsweise das Wernher-von-Braun-Gymnasium oder die General-Konrad-Kaserne. Müssten wir nicht konsequenterweise auch in München die Kardinal-Faulhaber-Straße umbenennen, weil dieser Kardinal nach dem Scheitern des Attentats auf Hitler ein Tedeum anstimmte?
Nun sprießen überall Gedenkstätten aus dem Boden, in denen uns die Verbrechen unseres Staates vorgehalten werden. 60.000 Stolpersteine “ zieren die deutschen Städte (nur nicht die frühere „Hauptstadt der Bewegung“). Übrigens ist diese Art von Gedenken recht einseitig: Wo bleiben die Stolpersteine für die Bibelforscher, die im Gegensatz zu Papst Benedikt XVI lieber starben als in den Krieg zu ziehen oder die Steine für die Opfer der Bombenangriffe?
Stellen Sie sich mal vor, die Amis würden so ihrer Kriegsverbrechen gedenken, wie wir es tun: My Lai (Vietnam), Abu Ghraib, Ausrottung der Indianer, Guantanamo…Ja, Sie haben recht: Das ist unvorstellbar. Die Amis täten so etwas nie.
Auch Frankreich würde es nie einfallen, Napoleon als Kriegsverbrecher zu sehen, sondern er hat das Land zur Grand Nation gemacht.
Oder stellen Sie sich vor, die Kirche würde Gedenkstätten für Kindesmissbrauch, Hexenverbrennung u. a. einrichten oder Stolpersteine in jedes Gotteshaus einfügen, wo es zu Sexualverbrechen gekommen ist. Auch der Kirche käme so etwas nie in den Sinn.
Nur wir gefallen uns in der Rolle der Saubermänner im Büßerhemd. Allerdings ist diese Rolle der Jugend immer schwerer zu vermitteln. Ein junges Mädchen brachte es auf den Punkt, indem es sagte: „Was geht mich das an, wenn mein Uropa Krieg geführt hat.“
Und so distanziert sich vor allem die nachwachsende Generation mehr und mehr von der offiziellen Linie. Sie will diese dauernde Selbsterniedrigung nicht. Und so kommt es, dass junge Männer schnell bei den Neonazis landen, weil sie für Gerechtigkeit sind: Entweder bekennen alle ihre Schuld oder man findet, dass irgendwann einmal jede Bußzeit zu Ende gehen sollte, also auch unsere. So, wie dem einzelnen Menschen die Verdrängung hilft, normal weiter leben zu können, müsste es auch bei einem Staat sein: Es sollte zwar nicht vergessen werden, was geschehen ist, aber man sollte es den Leuten nicht ständig und überall vor Augen halten. Viele wollen nicht, dass unsere Städte zu einer Art von Friedhöfen werden, wo man zum „Stolpern“ gezwungen wird..
Ein typisches Beispiel für die Entwicklung unserer Einstellung zur Vergangenheit konnte ich in unserer näheren Umgebung beobachten:
Ich ging gerne zum Klettern an einer Felswand bei Bad Reichenhall. Da kam ich immer an einigen Kreuzen am Wegesrand vorbei und fragte einen Anwohner, was es damit auf sich habe. Er sagte, dort hätten die Amerikaner nach Kriegsende Franzosen erschossen, die auf deutscher Seite gekämpft hatten, der Jüngste sei 17 Jahre alt gewesen. Immer wieder kam ich an dieser rührenden kleinen Gedenkstätte vorbei, die immer mit Blumen geschmückt war. Eines Tages waren die Kreuze verschwunden, angeblich weil sich dort Angehörige der Waffen-SS versammelt hatten. Dann plötzlich war wieder einmal ein einzelnes Kreuz da, das aber gleich wieder von Amts wegen beseitigt wurde.
Das erzeugt natürlich Bösartigkeit bei denen, die sich im Recht fühlen, wenn sie an dieser Stelle trauern. Und warum lässt man sie nicht der Toten gedenken? So züchtet man Neonazis.
Und wie fühlen sich die Nachkommen der Männer, die im Krieg eingezogen wurden und „ihre Pflicht getan“ haben, wie übrigens ja Papst Benedikt XVI auch? Im Dokumentationszentrum am Obersalzberg werden ihnen die Verbrechen der Wehrmacht vorgeführt und sie lehnen sich dagegen auf, indem sie sagen: „Mein Uropa war nicht so. Ich will so etwas nicht sehen.“
Im Kriegsalbum meines Vaters sah ich andere Bilder: Deutsche Soldaten, die vor ihren französischen Gegnern bei der Gefangennahme das Gewehr präsentierten, weil die Franzosen ihre Stellung so tapfer verteidigt hatten. Oder deutsche und russische Soldaten, die im selben Fluss badeten und sich fröhlich zu winkten: Lauter Menschen, die keinen Krieg wollten und dennoch gezwungen wurden, aufeinander zu schießen.
Und was die Kriegsschuld meines Vaters angeht: Er ist eingezogen worden wie ja der Papst auch. Er hätte natürlich den Kriegsdienst verweigern und sich erschießen lassen können. Hätten Sie es getan? Er hatte die Nazis nicht gewählt und er hat sicherlich auch geglaubt, dass Polen uns angegriffen hat, denn damals war es ja noch undenkbar, dass das Volk von der Regierung belogen würde.
In unserer Zeit werden all die, die „ihre Pflicht getan“ haben, mit Ausstellungen wie derjenigen im Dokumentationszentrum Obersalzberg verunglimpft, weil der Eindruck vermittelt wird: So war die gesamte Wehrmacht!
Nein, so war sie nicht. Es galt der Grundsatz: Die Waffe muss sauber bleiben. Dass sich etliche nicht daran gehalten haben, ist leider bei den Soldaten in aller Welt immer schon so gewesen. Und wenn dies gerade bei uns so herausgestellt wird, stößt dies natürlich auf Widerstand und ist Wasser auf den Mühlen der Neonazis. Freilich soll man nicht den Mantel des Vergessens über die Geschichte breiten, aber man soll dem Volk auch nicht immer ständig neue Bußgewänder überziehen.
Schon in der Bibel lesen wir übrigens von Untaten, bei denen wir jede Reue vermissen:
„„Rüstet unter Euch Leute zum Kampf gegen die Midianiter, die die Rache des HERRN an den Midianitern vollstrecken …“ Und sie zogen aus zum Kampf gegen die Midianiter, wie der HERR es Mose geboten hatte, und töteten alles, was männlich war … Und die Israeliten nahmen gefangen die Frauen der Midianiter und ihre Kinder; all ihr Vieh, alle ihre Habe und alle ihre Güter raubten sie und verbrannten mit Feuer alle ihre Städte, wo sie wohnten, und alle ihre Zeltdörfer …
Und Mose wurde zornig über die Hauptleute des Heeres … und sprach zu ihnen: „Warum habt ihr alle Frauen leben lassen? … So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind; aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch [für Sex bzw. für Sklavendienste] leben.“ (4. Mose 31, 3.7.9-10.14-15.17-18)
Haben Sie je gehört, dass sich die Kirche von den Untaten des Alten Testaments distanziert hätte? Nein, im katholischen Katechismus steht geschrieben: „Gott ist der Urheber [Autor] der Heiligen Schrift. Das von Gott Geoffenbarte, das in der Heiligen Schrift schriftlich enthalten ist und vorliegt, ist unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden.“
Interessant ist ja auch, wie sich unsere Parteien selbst verhalten. Wenn sie schwere Fehler gemacht haben und damit konfrontiert werden, lenken sie sofort ab und man hört stereotyp den gleichen Satz: „Wir wollen nach vorne blicken!“ Und das sollten wir für Deutschland auch sagen.

Bitte besuchen Sie doch auch einmal meine Homepage!

Ein Kommentar zu „Warum die Rechtsextremen immer mehr werden

  1. Selbsterniefrigung bitte diesen Rechtschreibfehler ändern. Außerdem, wir können keinen Stab brechen über Menschen, die in einer anderen Zeit, wie wir gelebt haben. Niemand weiß wo wir im 2. Weltkrieg gestanden hätten! Hätten wir mitgemacht, wären wir froh gewesen, wenn wir wieder Geld verdient hätten, nach der Weltwirtschaftkrise? Hätten wir die Konzentrationslager bemerkt? Wenn keine Information zu uns gelangt, wird man künstich für dumm verkauft. Früher hieß es ja auch, dass in DDR die Elektrogeräte von Quelle gebaut werden – hätte ich damals so nie geglaubt – hat aber gestimmt! Ich versuche nicht über Menschen zu richten mit denen ich nicht in der gleichen Zeit gelebt habe.

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