Die Globalisierungslüge

Globalisierung: Denken wir mal ganz schlicht, wie es meine Art ist. Wenn wir wissen wollen, wo wir stehen, sollten wir mal einen Blick zurück werfen, um zu sehen, wie sich alles entwickelt hat.
In alten Zeiten blieb man in den meisten Ländern für sich. Dann begann man, Handel zu treiben: Die einen hatten etwas, was die anderen brauchten: Salz, Gewürze, Seide… Und so bildeten sich entsprechende Handelsstraßen.
Später kam es zu einem größeren Warenaustausch: Die einen stellten technisch hochwertige Produkte her und die anderen lieferten Rohstoffe. Insoweit ist gegen eine Globalisierung des Handels nichts einzuwenden.
Aber nun haben wir eine Entwicklung des freien Handels, die zu einer Entartung führt und die zu Recht immer wieder zu Protesten gegen die G-20-Gipfel führt:
Weil inzwischen fast jedes Land Autos herstellen kann, bräuchte eigentlich insoweit eigentlich kein Warenaustausch stattfinden. Jedes Land könnte sich insoweit durch Zölle abschotten, was zwei Vorteile hätte: Autos würden nicht um die halbe Welt transportiert, bevor sie verkauft werden, und die entsprechende Umweltbelastungen könnte man so vermeiden. Außerdem würde ein Preiskampf, der zu immer mehr prekären Arbeitsverhältnissen führt, auf diese Weise vermieden. Wer also wirklich unbedingt ein ausländisches Auto fahren will, soll halt auch dementsprechend Zoll bezahlen. Freilich würden die Autos bei einer Abschottung teurer, aber die Menschen hätten entsprechend mehr Lohn, weil kein Lohndumping stattfände.
Am schlimmsten sieht die Globalisierung bei der Landwirtschaft aus: In meiner Jugend ernährte man sich in Deutschland im wesentlichen aus dem eigenen Land. An einen Import und Export von Nahrungsmitteln kann ich mich aus meiner frühen Jugend nicht erinnern außer an eingeführte Südfrüchte. Auch Subventionen dürfte es kaum gegeben haben. Weil die Menschen sich ernähren mussten, mussten sie halt dafür die verlangten Preise zahlen. Alles war im Lot. Aber seit der Globalisierung kommen Billigprodukte ins Land und unsere Bauern müssen nun subventioniert werden. Sie sind schon fast zu Angestellten des Staates geworden, weil sie 42 % ihres Einkommens aus Subventionen beziehen, Man könnte sich ja durch höhere Zölle abschotten, aber die Landwirtschaft hat sich immer mehr industrialisiert und kann immer billiger produzieren; sie will daher auch exportieren – bis nach China (Was für ein Unsinn, weil die Chinesen ja selbst Landwirtschaft betreiben!). Die Bauern haben aber eine mächtige Lobby – Abschottung geht daher nicht mehr.
So produzieren die Bauern auf Teufel komm raus, sprich: auf Kosten von Böden, die immer mehr ausgelaugt werden, und auf Kosten des Grundwassers, das mit Nitrat und Glyphosat belastet wird. Wir zahlen dafür also nicht nur die Subventionen, sondern die immer mehr steigenden Kosten für die Reinigung des Grundwassers. Das alles kann nicht so weiter gehen. Früher war es einfach: Da wurde die Brunnenvergiftung mit dem Tode bestraft. Heute bekommen die Bauern Geld dafür, dass sie im Einzugsbereich von Gewässern nicht oder wenig düngen.
Eigentlich sind ja die Subventionen an die Landwirtschaft im Grunde genommen eine Unterstützung der Autoindustrie: Weil VW & Co. exportieren wollen, brauchen sie offene Märkte, was bedeutet, dass wir als Ausgleich für den Export der Autos billige Lebensmittel ins Land lassen müssen.
Unsere Politik ist zwar begeistert von der Globalisierung, weil wir noch davon profitieren: Wir erzielen allerdings unsere Profite auf Kosten der Entwicklungsländer. Wir machen nämlich dort mit unseren Billigprodukten die Landwirtschaft kaputt und setzen damit eine der Ursachen für die Flüchtlingswelle, die uns auch wieder viel Geld kostet.
Unsere derzeit noch blühende Autoindustrie wird mit Sicherheit einmal von den billigeren Chinesen überholt werden oder von autonomen Elektroautos aus den USA. Eines Tages wird uns jedenfalls auch dämmern, dass die Globalisierung immer mehr Macht bei den großen Unternehmen konzentriert und die Arbeiter immer weniger Lohn bekommen. Einst gab es die Gewerkschaften als Gegengewicht: „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will.“ Aber nun ist dieser einst so starke Arm verkümmert. Wenn die Gewerkschaften bei uns schon quasi abgemeldet sind, kann kaum das kommen, was notwendig wäre: eine mächtige internationale Arbeiterbewegung.
Jedenfalls dauert es nicht mehr lange, dann merken wir, wie sich die Globalisierung anfühlt, wenn man auf der Verliererstraße ist.

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