Essen wie Oma oder Hippokrates?

Sicher ist es gut, fortschrittlich zu sein; aber wer auch am Herkömmlichen festhält, weiß, dass er jedenfalls erwiesenermaßen so leben kann.
H. Pöll, Autor
https://autorenseite.wordpress.com/home/


Kürzlich hörte ich beim Einschalten eines Fernsehprogramms gerade noch den letzten Satz aus der Gesundheitssendung davor. Ein Ernährungswissenschaftler fasste seinen Vortrag so zusammen: „Gesundes Essen ist einfach: Kochen Sie halt so wie Oma.“
Da kann ich nur sagen: Stimmt genau! Ich werde nun 84 Jahre alt und fühle mich gesund, wenn freilich auch altersgemäß. Jedenfalls habe ich keine Kreuz- oder Gelenkprobleme, keine Osteoporose, keine Allergie, kein Venenleiden, keine Migräne, weder Alzheimer noch Demenz, habe noch meine Zähne; ich brauche keine Brille …

Ich schreibe dies meinem gesunden Lebenswandel zu, wenn ich freilich auch kein Gesundheitsapostel bin. Ich esse halt nur mit Hirn.
Wenn ich mal beim Arzt bin, fragt mich der meistens, wie ich denn gelebt habe, beispielsweise so: „Sie haben ja noch jungfräuliche Knie! Wie kommt das denn?“
Als ich kürzlich beim Hauttest war, kam der Dermatologe kurz ins Sprechzimmer, ging dann wieder raus und kam zurück. Er sagte: „Ich dachte, ich hätte die falschen Unterlagen dabei, weil ich nicht dachte, dass Sie schon so alt sind.“

Schon der alte griechische Arzt Hippokrates mahnte: „Eure Nahrung sei eure Medizin, und eure Medizin sei eure Nahrung.“ Und nach diesem Motto haben sich einmal die normalen Menschen ernährt. Man wusste aus generationenlanger Erfahrung, was gesund war. Man wusste, was gut für die Abwehrkräfte sein sollte oder für die Augen oder für die Knochen usw.
Aber dann kam die moderne Medizin und zerstörte das alte Volkswissen. Es hieß auf einmal:
„Karotten sind gar nicht so gut für die Augen. Es gibt andere Nahrungsmittel, die mehr Karotin enthalte.“
„Kohl ist nicht besonders geeignet, die Abwehrkräfte zu steigern, denn er enthält gar nicht so viel Vitamin C.“
„Spinat ist auch nicht so gut fürs Blut. Sein angeblich hoher Eisengehalt ist auf einen Kommafehler zurück zu führen.“
Was all zu all diesen neuen „Erkenntnissen“ zu sagen ist, ist dies: Hier waren Fachidioten am Werk. Die früheren Ernährungsmethoden beruhten nicht auf Karotin, Eisen im Blut oder Vitamin C, sondern auf Erfahrung. Wenn etwa Karotten als wichtig für die Augen angesehen wurden, so war das eben auf das Zusammenwirken verschiedener Bestandteile zurück zu führen. Und was den entthronten Spinat angeht, sei darauf verwiesen, dass es in den USA einen eigenen Spinattag gibt.
Gekocht wurde bei uns früher tatsächlich wie bei Oma: Damals gab es noch einen Gemüsehändler und der hatte immer ein wechselndes Programm, so dass wir uns auch abwechselnd ernährten. Das Gemüse stammte aus der Gegend, und ich bin überzeugt, dass das gut ist, weil auch wir Teil unserer hiesigen Umwelt sind. Wie sehr Umwelt und Ernährung zusammen hängen, sei damit verdeutlicht, dass ein Eskimo sich kaum von Pasta ernähren wird und umgekehrt auch ein Italiener kaum Walfisch in Lebertran essen würde.
Fleisch konnten wir uns nur als Sonntagsbraten leisten und das war gut so.

Und wenn ich nun die modernen Hausfrauen beim Einkaufen sehe, kann ich nur den Kopf schütteln. Viele greifen in die Regale und kaufen kritiklos das, worauf sie gerade Lust haben. Sie lesen nicht, was auf den Verpackungen steht und hätten meist auch keine Ahnung, was das bedeutet. Ja, Hausfrau zu sein, ist heute eigentlich ein schwieriger Beruf, aber viele Frauen finden ihn trotzdem zu langweilig. Weil sie sich nicht damit befassen, welche Folgen veränderte Lebensmittel haben, führen sie ein fremdbestimmtes Leben: Die Lebensmittelindustrie entscheidet, was sie in sich hineinstopfen und ihren Familien zumuten.
Immer mehr Lebensmittel sind in Plastik verpackt, das den giftigen Weichmacher Bisphenol A enthält. Dennoch kaufen Kunden beispielsweise Käse, bei dem die Scheiben mit Plastikfolien voneinander getrennt sind. Pfui Teufel! Und nun gibt es als Neuerung die Nanotechnologie: Die Käsescheiben werden mit dieser Technik vor dem Zusammenkleben bewahrt. Dass sich nun sogar im Gehirn der Menschen Nanoteilchen finden, erregt keinen Protest.
À propos Gehirn: Viele Frauen fanden es gut, statt Glasflaschen solche aus Plastik für ihre Babys zu verwenden. Das führte bei Buben zu Gehirnschädigungen und zu ADHS, so dass solche Plastikflaschen heute verboten sind. Aber die Leute haben keine Bedenken diese Flaschen für ihre Fruchtsaftgetränke zu verwenden. Witzig finde ich, dass gerade Biertrinker Plastikflaschen ablehnen. Sie haben sich offenbar noch ein Gefühl dafür bewahrt, was die Benutzung von Plastik bedeutet.
Übrigens sind die Männer die großen Verlierer der modernen Ernährung:
https://autorenseite.wordpress.com/2016/08/06/die-vernichtung-des-mannes/
Hemingway schrieb einst den stolzen Satz: „Männer können vernichtet, aber nicht besiegt werden.“ Heute müsste er feststellen, dass Männer „gesoftet“ und  langsam entmannt werden.

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