Das darf man doch nicht sagen!

                                                                 “ Was sagt der Prediger? Contenti estote,
Begnügt euch mit eurem Kommißbrote.“

Jens Spahn hat mit seiner Aussage, jeder habe mit Hartz IV, was er zum Leben brauche, harsche Kritik der Opposition ausgelöst. Das darf man doch nicht sagen, Herr Spahn!
SPD-Vize Ralf Stegner sagte hierzu: „Die Unterschiede zwischen Arm und Reich haben so ein Ausmaß, dass man solche Äußerungen nicht machen kann, wie Spahn sie macht. Das ist völlig daneben, was er sagt.“ Daneben liegt auch Stegner selbst, weil seine Partei jahrelang mitregiert hat, als sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter geöffnet hat. Er hätte also allen Anlass gehabt, an die eigene Brust zu klopfen, anstatt Jens Spahn zu beschimpfen.
Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder kritisierte indirekt die Spahn-Äußerungen. Er verwies auf CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer. Diese habe einen sehr richtigen Satz gesagt: „Wer in Größenordnungen verdient wie wir, sollte sehr vorsichtig umgehen, wenn er über anderer Leute Armut spricht.“ Auf gut deutsch: Man darf darüber nichts sagen.
Spahn hat ein Tabu-Thema angesprochen und dafür Prügel bekommen. Dabei ist es doch gerade nach dem Streit in Essen wichtig, wenn nun Hartz IV und die Tafeln einmal ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt wurden. Dabei geht es um zwei Probleme:
Zum einen muss immer wieder neu festgestellt werden, wie hoch das Existenzminimum ist. Zu den schäbigsten Erscheinungen dieser Republik gehört es, dass das Bundesverfassungsgericht sich mit diesem Thema befassen musste, anstatt dass der Staat seine Leistungen von vornherein so bemessen hätte, dass das Existenzminimum zweifelsfrei überschritten wurde.
Das andere Problem, über das zu debattieren ist, ist die Frage, ob unser reicher Staat es sich nicht leisten könnte, bei den Armen nicht so knauserig zu sein.
Manchmal denke ich mir, wie es wäre, wenn sich die Abgeordneten zu Beginn der neuen Sitzungsperiode zu einem Gottesdienst versammeln würden und wenn dann nicht ein Leisetreter der Kirche auftreten würde, sondern ein Mönch, der eine richtige Kapuzinerpredigt auf die Volksvertreter niedersausen lassen würde und wenn er dabei sagen würde: „Es ist Fastenzeit! Lebt also in dieser Zeit einmal so wie die Hartz-IV-Empfänger, damit Ihr wisst, über was Ihr entscheidet!“ (Erinnern Sie sich noch daran, dass Sarrazin das einmal getan hat?) Und dann würde der Mönch zornig fortfahren: „Warum behandelt Ihr die Reichen als Eure Hätschelkinder? Wem von ihnen täte es weh, wenn er eine Million weniger hätte, die für ihn doch nur eine Zahl auf einem Anlagekonto sind.“

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