Das Zeitalter der Postkultiviertheit


Es begann eigentlich damit, dass die Jugend dass Wort „geil“ anstelle von „toll“ benutzte. Bis dahin galt „geil“ als Unwort, das man allenfalls für Pflanzen anwandte („geile Triebe“), aber sonst nicht, jedenfalls nie in Bezug auf Menschen. Heute ist es so, dass Unwörter immer mehr Mode werden. Beispielsweise begegnet uns ständig das scheußliche Wort „Fuck“.
Als modern gilt es auch, jemandem vorzuwerfen, er „habe keine Eier“. Dies ist auch schon so sehr in den allgemeinen Sprachgebrauch über gegangen, dass kürzlich sogar eine Politikerin ihrer Kollegin vorwarf, sie habe keine Eier. Hat sie auch nicht, jedenfalls die nicht, die da gemeint sind.

Noch etwas anderes Thema zum Stichwort „Kultiviertheit“:
Erschreckt hat mich, dass kürzlich bei der Analyse von Kochsendungen heraus gekommen ist, dass alle 50 Sekunden gegen Hygiene-Regeln verstoßen wird. Den Köchen wird nicht mehr eingeimpft, was früher Selbstverständlichkeiten waren: Ich stamme ja noch aus einer sehr alten Generation. Wenn ich mich beim Essen am Kopf gekratzt hätte, dann … Ich möchte Ihnen die Konsequenzen ersparen. Aber die Köche in den Kochshows finden nichts dabei, sich an den Kopf zu greifen. Das, was man einmal unter Kultiviertheit oder sogar unter Selbstverständlichkeit verstand, geht mehr und mehr verloren:
So grüßen beispielsweise immer weniger Menschen, wenn sie ein Lokal betreten.

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