Deutschland stürzt ab

Vor einiger Zeit bei den Nobelpreisen wurde es uns wieder bewusst gemacht, wo wir stehen: In der Medizin und in der Physik gingen die Nobelpreise an Amerikaner. Und uns bleibt nichts als der Stolz, dass einer davon jedenfalls deutsche Wurzeln und der andere neben der amerikanischen auch noch die deutsche Staatsangehörigkeit hat. Aber das Traurige ist, dass letzterer offenbar wegen der besseren Forschungsmöglichkeiten in die USA gegangen ist.
Wie sollen wir denn auch zu einem Nobelpreis kommen, wenn unsere Universitäten so traurig da stehen?
Wir sind wissenschaftlich gesehen auf dem absteigenden Ast. Das zeigen nicht nur die Nobelpreise, sondern auch das Ranking der Universitäten:
Schauen Sie sich mal die Rangliste der besten Universitäten der Welt an:
https://www.timeshighereducation.com/world-university-rankings/2017/reputation-ranking#!/page/2/length/25/sort_by/rank/sort_order/asc/cols/stats
Unter den ersten 50 findet sich nur eine einzige: die LMU München – hinter den Chinesen, Russen, Engländern… Dass die USA die Liste der besten Unis beherrschen, war klar. Sie haben
ja auch fast viermal so viele Einwohner wie wir. Da sollten sie aber eigentlich nur viermal so viele Unis vorne haben wie wir. Aber warum hat Großbritannien gleich 7 Unis vorn und wir nur eine? Schließlich haben wir ca. 15 Millionen Einwohner mehr, und daher sollte bei uns auch etwas mehr heraus kommen. Aber wie soll das gehen, wenn unsere Spitzenwissenschaftler gerne in die USA gehen wegen der höheren Besoldung und der besseren Forschungsmöglichkeiten?
Bei der Gelegenheit fällt mir ein, was ein Chinese
einmal zu mir gesagt hatte: „Wir werden euch überholen: Wenn bei euch 40 Ingenieure an einem Zukunftsprojekt arbeiten, sind es bei uns 400.“ Er hatte recht: Inzwischen stehen 11 chinesische Unternehmen in der Liste der wertvollsten 100 Konzerne der Welt, aber nur 4 deutsche. Großbritannien bringt es immerhin auf 7. Damit spiegelt sich das Ranking der Universitäten im Erfolg der Firmen wider.
Wie sehr aber die USA die gesamte EU abhängen
zeigt eine Studie der Beratungsgesellschaft PWC:
Im Jahr 2008 lagen die Europäer auf der Liste der wertvollsten 100 Konzerne klar vor den USA: Sie hatten 41 darin platziert, während es die USA nur auf 35 Mega-Firmen brachten. Nun aber sind 55 US-Konzerne (darunter die 10 wertvollsten) bei den teuersten 100 Unternehmen und nur noch 22 europäische. Die USA glänzen vor allem mit ihren starken IT-Unternehmen, denen wir wenig entgegen zu setzen haben. Und ich befürchte, dass auch unsere Auto-Industrie bei der Elektro-Mobilität und dem autonomen Fahren ins Hintertreffen gerät.
Gerade meldet die Firma Tesla, dass sie 455.000 Vorbestellungen für ihr neues Elektroauto hat. Und bei uns hofft BMW gerade mal, ca. 100.000 solche Fahrzeuge verkaufen zu können. Es sieht nicht gut aus für unser Land, dessen Image „made in Germany“ immer mehr ruiniert wird durch die führende Autoindustrie mit ihrem Abgasbetrug. Wer hat sich je vorstellen können, dass 5 deutsche Spitzenmanager mit internationalem Haftbefehl gesucht werden und 2 in den USA zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt werden mussten?
Die Börsenwerte der US-Unternehmen explodieren geradezu: Apple hat den Börsenwert allein im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent gesteigert, ebenso wie Facebook. Amazon bringt es sogar auf ein Plus von 51 Prozent. Und die Bank of America und JP Morgan Chase haben ähnlich kräftig zugelegt, während die Deutsche Bank und VW unter immensen Strafzahlungen leiden.
Wie sehr wir abgehängt werden, sehen wir an Firmen wie Microsoft, Apple, Google, Twitter, Ebay, … Wo wir hinschauen, sind die Amis vorn. Und es zeichnet sich schon ab, dass unsere Auto-Industrie das Schicksal der deutschen Textilbranche, der Werften, der Fotoindustrie … teilen wird. Tesla könnte vielleicht auf dem Sprung an die Spitze sein oder die Chinesen.
Unverzeihlich ist, dass in Deutschland nicht parallel zu Firmen wie Google und Twitter deutsche Unternehmen aufgebaut wurden, um unsere Daten nicht den USA auszuliefern.
Die meisten Deutschen meinen, es ginge uns doch gut mit unserem ständigen Aufschwung und den niedrigen Arbeitslosenzahlen. Das, was man da sieht, ist aber nur eine Scheinblüte. Einst glänzten wir durch technischen Vorsprung. Nun aber entwickeln wir uns zum „billigen Jakob“, um unsere Produkte verkaufen zu können. Die Folge davon sind immer prekärer werdende Arbeitsverhältnisse: Leiharbeit, Minijobs, Zeitarbeit … Wann hat es das je früher bei uns gegeben, dass Menschen von ihrer Hände Arbeit nicht leben konnten? Aber nun haben wir die „Aufstocker“.
Unsere Wirtschaft ist krank. Sie hängt am Tropf von Subventionen und finanziert sich durch die Nullzinspolitik auf Kosten der Sparer.
Trump hat recht, wenn er uns Dumpingpreise vorwirft und sich gegen solche Methoden abschotten will.
Noch ist es uns gut gegangen, weil der Staat ein immenses Vermögen, das die früheren Generationen aufgebaut haben, verkauft hat: Post, Krankenhäuser, Grundstücke, Versicherungen, Kasernen…
Aber
was nun?

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