Der arme Privatpatient


Als Beamter bin ich Privatpatient
leider. Die SPD will ja die Zweiklassenmedizin abschaffen, denn es macht sich beim Wähler gut, wenn man anderen vermeintliche Vorteile wegnimmt („Neiddebatte“).
Der einzige Vorteil, den ich als Privatpatient beinahe im Krankenhaus einmal gehabt hätte, war dieser: Eine Schwester kam und entschuldigte sich: Sie habe vergessen, dass ich Privatpatient sei und deshalb nachmittags ein Stück Kuchen hätte bekommen sollen.
Bei Arztterminen muss ich genauso warten wie Kassenpatienten. Für meine alljährliche Herzuntersuchung muss ich mich sogar ein Vierteljahr vorher anmelden. Vielleicht liegt das ja daran, dass ich in Bayern auf dem Lande wohne und die Ärzte dort doch darauf bedacht sind, auf ihren Ruf zu achten.
Eine Ausnahme habe ich allerdings einmal erlebt: Ich wurde um 7.55 Uhr in eine Praxis bestellt und wunderte mich über diese merkwürdige Uhrzeit. Hinterher staunte ich, dass dafür eine Nachtdienstgebühr berechnet wurde.
Als Privatpatient muss ich immer Angst haben, dass mir zu viel aufgeschwatzt wird. Manchmal ist es ja erschreckend, was dabei herauskommt, wenn man sieht, wie unterschiedlich die Medizin in verschiedenen Ländern ist: Beispielsweise werden in Deutschland unglaublich viel mehr Prostata-Operationen durchgeführt als in Frankreich, ohne dass sich signifikante Unterschiede in der Sterberate ergeben würden. Auch bei den kostenträchtigen Gelenk- und Wirbelsäulen-Operationen fragt man sich, warum wir hier mit Abstand Spitze sind.
Auch ich wäre beinahe ein Opfer der Gebührenschinderei geworden: Wenn ich auf einen Orthopäden gehört hätte, hätte ich vor ca. 20 Jahren auch ein künstliches Knie bekommen: Ich hatte Probleme mit einem Muskelfaserriss und der Arzt schlug mir vor ein neues Kniegelenk einzusetzen, “weil dies die Gesamtsituation verbessern würde“.
Als Privatpatient muss man immer Angst vor überhöhten Rechnungen haben. Nur ein Beispiel: Meine Frau ließ sich die Ohren ausspülen. Hinterher bekam ich eine saftige Rechnung über eine Ohrenoperation. Ich hielt das für ein Versehen und rief an. Der Ohrenarzt klärte mich auf: Weil bei der Spülung Hautpartikel mit abgingen, sei das nach der Gebührenordnung als Operation zu bewerten.
Ich könnte ein ganzes Buch mit dem Titel „Der verarschte Patient“ schreiben.
Also liebe Leser, als Privatpatient ist man auch nicht zu beneiden.
Bleiben Sie lieber gesund!

 

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