Hausfrauenlehrbuch

Im Haushalt von heute fehlt ein Buch: Das Hausfrauenlehrbuch. Für alles gibt es Lehrbücher oder mindestens Gebrauchsanweisungen (sogar für Frauen!). Nur die Hausfrau wird im Stich gelassen. Es fehlt ein Kompendium, das ihr das notwendige Wissen vermittelt. Früher war alles einfacher:
Als meine Eltern heirateten, bekam meine Mutter von ihren Schwiegereltern ein Wiener Kochbuch geschenkt, das damals als das beste galt. Schließlich sollte es meinem Vater in seiner Ehe gut gehen. Dieses Kochbuch war eigentlich eine Anleitung zur Führung des gesamten Haushalts. Ich erinnere mich an eine Stelle aus dem Kapitel „Umgang mit dem Personal“, über die ich mich als Halbwüchsiger amüsiert habe. Dort hieß es, dass man keinesfalls junges, hübsches Personal einstellen dürfe, wenn man heranwachsende Männer im Hause habe. Auch dies ist eine sehr amüsante Anleitung für junge Ehefrauen – leider (!) nicht ganz up to date:
https://hax.at/files/dawardieweltnochinordnung.pdf

Kleiner Witz zwischendrin:
Sagt das Hausmädchen zur gnädigen Frau:
„Ich fürchte, Ihr Mann betrügt uns!“

Eigentlich war die Führung eines Haushalts früher verhältnismäßig einfach: Die Mädchen brauchten nur ihrer Mutter ein wenig über die Schulter schauen oder in der Küche mithelfen – und schon hatten sie einen großen Teil der notwendigen Kenntnisse mitbekommen.
Aber dann kam der große Umbruch: Auf einmal kamen Tiefkühlkost und Fertiggerichte auf den Markt. Die Lebensmittel enthielten plötzlich immer mehr chemische Zusätze und wurden in Plastik verpackt.
Und da ist auf einmal der Überblick darüber, was gesund ist, verloren gegangen. Die Hausfrauen waren inzwischen auch mindestens zeitweise berufstätig und hatten keine Zeit dafür, sich mit solchen Problemen zu befassen. Man verlässt sich nun einfach darauf, dass das, was es zu kaufen gibt, gesundheitlich unbedenklich ist. So gab es plötzlich Babyflaschen aus Plastik, bis dies wegen des Weichmachers Bisphenol A verboten wurde. Aber trotzdem sind noch genügend Plastikflaschen und -verpackungen auf dem Markt, ohne dass sich Frauen Gedanken darüber machen, dass dies beim männlichen Nachwuchs das Gehirn schädigt und ADHS auslöst:
https://www.zentrum-der-gesundheit.de/bisphenol-a-verbot-ia.html
Oder welche Hausfrau weiß schon, dass Milch für den männlichen Teil der Familie nicht gesund ist, weil sie der Prostata schadet?
Oder nehmen Sie eine Teflonpfanne, um weniger Fett zu benötigen, damit Sie schlank bleiben? Sie erreichen aber das Gegenteil, weil Teflon den Stoffwechsel verlangsamt.
Das sind nur paar Beispiele, die zeigen, dass der Beruf der Hausfrau schwieriger ist, als gemeinhin angenommen wird. Ein bisschen Wissen über Medizin, Psychologie und Pädagogik sollte die Hausfrau auch haben. Eigentlich müsste es daher ein Lehrbuch für diesen Beruf geben, aber wer hat schon den notwendigen Überblick dafür? Deshalb wird das notwendige Fachwissen auch nicht in der Schule vermittelt. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass die Industrie unmündige Verbraucher will.
Auf jeden Fall müsste ein Hausfrauenlehrbuch die Lebensmittelzusätze aufführen mit allen Nebenwirkungen und vielleicht auch mit rechtsvergleichenden Hinweisen. Da kann man sich dann überlegen, ob man etwas zu sich nehmen soll, was in anderen Ländern verboten ist. z.B. den Süßstoff Cyclamat, der in den UDSA nicht zugelassen ist.
Manche Lebensmittel machen den Eindruck, als seien sie zusatzfrei, z.B.: Bier oder Salz. Tatsächlich aber enthält Salz einen Zusatzstoff, der die Rieselfähigkeit sichern soll. Dabei muss man darauf achten, dass dieser Stoff frei von Aluminium ist. Aber wer weiß schon so was?
Ach wie einfach war doch alles früher: Da war das Salz noch natürlich und man legte ein paar Reiskörner in den Salzstreuer. Wenn man das nicht wusste, konnte das pssieren:

Drei Bayern sitzen im Gasthaus beim Schweinebraten. Als sie ihn nachsalzen wollen, scheitern sie, weil der Salzstreuer verstopft ist. An einem anderen Tisch essen Preußen ihr Beefsteak. Auch sie wollen noch ein wenig Salz dazu geben, aber auch ihr Salzstreuer ist verstopft. Daraufhin nimmt einer von ihnen einen Zahnstocher und macht die Löcher des Streuers frei. Die Bayern schauen verduzt zu und einer sagt: „I mag’s ja net, die Preißen. Aber oans muaß man ihnen lassen: Technisch san’s uns überlegen.“

 

8 Kommentare zu „Hausfrauenlehrbuch

  1. Mir scheint, dass Hausfrauenlehrbuch müßte erst noch geschrieben werden, in praxi und von Hausfrauen und Hausmännern gleichermaßen; und dies experimentell gelebt und erprobt weniger von der Seite der Funktion bzw.der altehrwürdigen Rolle der Hausfrau, sondern neu bestimmt als Hausfrau oder Hausmann einer Wohnkultur. Diesen Begriff weiter gefaßt als gewöhnlich; er enthielte Bezeihungspflege, Haushalts- und Gesprächsführung, selbstbestimmte Tätigkeiten künstlerischer Gestaltung usw. Das alles als Lebenskunst verstanden, die auf eine echte Entwicklung der Persönlichkeit zielt. Diese Neubeschreibung der Hausfrau als Lebenskünstlerin scheint mir progressiver als die ideologischen Borniertheiten der sogenannten Emanzipation.

    Gruß

    Phileos

    1. Genau! Ich habe das Buch zwar Hausfrauenlehrbuch genannt, damit sollte aber nicht gesagt werden, dass das Handbuch nicht auch für Hausmänner genauso gedacht ist. Leider ist ja viel wertvolles Wissen der alten Generation verloren gegangen, wie ich in der Geschichte „Die alte Tante“ hier in der Leseecke beschrieben habe.
      Gruß Judex

  2. Ich würde das so sehen:

    Die Wäsche waschen, das kann auch ein Mann. Der kann wahrscheinlich die Maschine besser einstellen, als die Frau das tut, weil er ein technisches Hintergrundwissen hat. Die trockene Wäsche zusammenlegen oder gleich anziehen, ist kein Problem 😉

    Das Kochen kommt bei den Männern wieder mehr in Gebrauch – das kommt von der Prepper-Bewegung.

    Ich backe derzeit ein Vollkornbrot aus einer Fertig-Backmischung, es ist mir gut gelungen und es schmeckt vorzüglich. Ich schaffe auch ein Hefeteigbrot mit gewöhnlichen Weizenmehl und original Zutaten.

    Ich kann auch verschiedene Gerichte aus Rindfleisch braten oder dünsten, zusammen mit Wurzelgemüse. Eine Spezialiät ist das Pichelsteiner Fleisch – hab ich schon länger nicht gekocht.

    Ein solches Hausfrauenlehrbuch wäre nützlich – aber man findet heutzutage zahlreiche Informationen über das Kochen diverser Gerichte im Internet. Auf Google ist auch der Mann dem Weibe überlegen 😉

    1. Das war mein erstes Rumpsteak, das ich im Alter von 67 Jahren gebraten habe – aber das ist schwierig – es muss nach dem Braten noch eine gewisse Zeit im Backrohr auf etwa 80 °C gegart werden; damit es innen noch etwas rosa ist.

  3. Du hast was vergessen. Heutige Haushalte haben viele Geräte. Ich habe eine Kiste mit Feinmechaniker Werkzeug. Da muss der Deckel vom Schnellkochtopf repariert werden und Computer gibt es auch. Eine Hausfrau muss einen W-Lan Router einrichten können, natürlich mit Voice over IP. Hier Minischräubchen und da Minischräubchen. Ein eigener Schreibtisch gehört sich. Damit man als moderne Hausfrau dort Feinmechanier Arbeiten machen kann.

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