Höcke und die schrecklichen Gutmenschen


Manchmal frage ich mich, ob wir Deutschen nicht hysterisch geworden sind. Die Sachlichkeit und die nüchterne Betrachtungsweise kommen immer mehr abhanden. Schlagworte, die wie Schlagstöcke gehandhabt werden, oder Hypes im Netz treten an ihre Stelle.
Das sich ausbreitende „Gutmenschentum“ ist auch so eine typische Erscheinung unserer Zeit:
Als Gutmenschen werden diejenigen bezeichnet, die ständig auf der Suche danach sind, ob sie nicht etwas finden können, was sie verdammen könnten und woran oft bisher kein Mensch Anstoß genommen hatte. Dass das Wort „Neger“ nun bei uns tabu ist, ist ein „Erfolg“ dieser Gutmenschen und alle nehmen das hin:
https://autorenseite.wordpress.com/2016/09/03/wir-schrecklichen-gutmenschen/
Oder: Der Krimi „Derrick“ ist in aller Welt beliebt und wird von den ausländische3n Sendern auch wiederholt, bei uns jedoch nicht, weil Horst Tappert bei der SS war.
Ein anderes Beispiel ist eine Aktion eines Mannes, der nach einem halben Jahrhundert der erste ist, der auf einmal gegen einen Grabstein auf der Fraueninsel rebelliert, mit dem des toten Generalobersts Jodl gedacht wird:
https://autorenseite.wordpress.com/2017/01/26/die-gnadenlosen-gutmenschen/
Der Mann, der sich als Künstler bezeichnet, hat aus dem Namen „Jodl“ das „J“ entfernt, so dass nur noch „odl“ übrig ist – eine bayerische Bezeichnung für Jauche.
Nun sind auch wieder Gutmenschen beim Haus des AfD-Mannes Höcke am Werk: Sie haben bei dem Haus Betonklötze aufgestellt, die dem Berliner Mahnmal für die Ermordung von Juden nachempfunden sind. Diese Gutmenschen verlangen, dass Höcke sich „auf Knien“ dafür entschuldigt, dass er dieses Denkmal als Denkmal der Schande bezeichnet hat.
https://web.de/magazine/politik/akivisten-bjoern-hoecke-knien-entschuldigen-32642340
Vielleicht wollen die Initiatoren dieser Aktion ja nur mal ins Fernsehen kommen, denn die Mainstream-Medien stürzen sich ja auf solche Ereignisse, leider meist ohne sie zu verurteilen. Ich verstehe das, was da getrieben wird, ehrlich gesagt nicht:
Wenn jemand von einem „Denkmal der Völkerschlacht“ spricht, hat niemand Zweifel daran, dass das Denkmal gemeint ist, das für die Völkerschlacht errichtet wurde. Entsprechendes gilt auch für das „Denkmal der Schande“. Dort wird eben der Schande gedacht, die Deutschland durch die Ermordung von Juden auf sich geladen hat. Manche bestreiten ja den Holocaust, was strafbar ist. Man sollte sich daher doch freuen, dass von einer Partei, die oft mit Nationalsozialismus in Verbindung gebracht wird, jemand anerkennt, dass der Holocaust eine Schande für Deutschland ist.
Wenn man die Diskussion verfolgt, die Höcke ausgelöst hat, so muss man feststellen, dass seine Rede bewusst falsch interpretiert wird: so als hätte er gesagt, die Aufstellung des Denkmals sei eine Schande. Das ist das Üble an der Diskussion.
Weiter hat Höcke gesagt, dass kein anderes Volk ein solches Denkmal aufgestellt hat. Darf man so etwas in Deutschland nicht sagen, auch wenn es die Wahrheit ist? Gedenken etwa die USA des Sklavenhandels oder des Landraubs, den man den Indianern angetan hat? Wenn die Katholische Kirche so wäre wie Deutschland, dann müsste auf dem Petersplatz ein großes Denkmal für die Untaten der Kirche stehen: Für die Hexenverbrennungen, die Kreuzzüge, die Ermordung der Katharer, die Bartholomäusnacht… Noch mehr Beispiele gefällig? Dann denken Sie mal selber nach.
Als vor vielen Jahren über die Aufstellung des Denkmals debattiert wurde, habe ich mich in meinem Blog eingemischt und vorgeschlagen zu überlegen, ob Frau Knobloch nicht auf dieses Mahnmal verzichten sollte, nachdem bereits zwei Stätten des Gedenkens in Berlin existieren würden. Ich habe ihr prophezeit, dass das Denkmal ein Streitobjekt bleiben würde und es daher besser für eine Normalisierung des Verhältnisses zu den Juden sein würde, wenn der Bau unterbleiben würde. Ich habe Frau Knobloch für den Fall, dass sie auf einem Denkmal besteht, auch vorgeschlagen zu erwägen, ob nicht eine andere Form des Denkmals errichtet werden sollte. Ich schrieb in meinem Blog, dass ich eine Art von Friedhof mitten in der Stadt nicht gut fände, zumal der ständig vor Missbrauch geschützt werden müsste. Ich schlug stattdessen einen Obelisk vor. Frau Knobloch schrieb dazu, ich sei eben ein Antisemit.
Wie recht ich hatte, sah ich einmal, als ich in Berlin war: Da lagen Mädchen in Bikinis auf den warmen schwarzen Steinen – wahrhaftig kein Ort der Trauer!
Und nun zeigt auch die Äußerung von Höcke, dass das Denkmal wohl nie ein Ort des friedlichen Gedenkens sein wird.
Wie geht man mit Schuld um? Beim einzelnen Menschen gibt es zwar die Verdrängung, aber die scheint nicht richtig zu funktionieren: Beispiel Srebrenica: Anlässlich des letzten Gedenkens befragte man Beteiligte. Ein Serbe erklärte, eigentlich wäre es ihm lieber gewesen, man hätte ihn erschossen. Und ein Holländer von der UNO-Schutztruppe wurde mit seiner Schuld nicht fertig, nichts gegen die Serben getan zu habe; er bedauerte, nicht allein auf die Serben geschossen zu haben.
So wird auch in Deutschland der Holocaust nie vergessen werden – ebenso wie die Hexenverbrennungen der Kirche. Dazu hätte es keines umstrittenen Denkmals bedurft.

 

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