Lexikon des politischen Sprachgebrauchs und des sonstigen Geschwafels


Immer wenn ich auf meinen Hausberg, den Hochfelln, gestiegen bin, kam ich an einer steinernen Gedenktafel für einen gefallenen Soldaten vorbei, der sein Leben „für Führer, Volk und Vaterland geopfert“ hatte. Die Tafel wurde nach dem Krieg „entnazifiziert“: das Wort „Führer“ wurde heraus gemeißelt. Und wenn ich nun die beiden übrig gebliebenen Worte anschaue, frage ich mich, ob die noch lange tragbar sind:

Statt des Wortes „Volk“ benutzen die Politiker heute lieber die Floskel „Menschen draußen im Lande“ und das Wort „Vaterland“ ist inzwischen auch verdächtig geworden, seit es von der AfD benutzt wird. Auffallend ist, dass Bundespräsident Steinmeier stattdessen in seiner letzten Ansprache unerträglich oft das Wort „Heimat“ benutzte, als wenn er es uns als neues Vaterland einimpfen wollte. Und auch andere Politiker taten es ihm plötzlich – wie verabredet – gleich, so dass die Heute-Show die Aneinander-Reihung solcher „heimatlichen“ Redeausschnitte als Lachnummer benutzte. Was sehen wir aus der neuen Ausdrucksweise? Die Worte „Volk“ und „Vaterland“ werden vielleicht bald so verpönt sein wie der harmlose „Neger“. Dumm nur, dass das „Vaterland“ nicht nur in AfD-Reden vorkommt, sondern auch in der deutschen National-Hymne. Man wird sie vielleicht doch einmal umdichten müssen.
Wenn Sie die Politiker richtig verstehen wollen, sollten sie unbedingt ins Lexikon des politischen Sprachgebrauchs und des sonstigen Geschwafels schauen.

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