Die Deutschen: glückliche Jammerlappen?


Es ist ganz merkwürdig: Eine Zeit lang sprach man von „
German Angst“ und warf uns vor, wir seien zu pessimistisch, was nicht gut für die Wirtschaft sei. Dann hieß es, die Deutschen seien dauernd grundlos unzufrieden, obwohl es ihnen doch gut gehe: Sie fänden immer etwas zum Meckern.

Doch nun, kurz vor der Wahl, erfahren wir ständig, wie zufrieden, ja sogar glücklich die Deutschen sein sollen. Nach dem Glücksatlas der Deutschen Post (haben die Leute nicht anderes zu tun?) sind die Deutschen so glücklich wie seit 10 Jahren nicht mehr. Zum selben Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaft: Dank der robusten Konjunktur sind die Deutschen einer Studie zufolge so zufrieden wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Und weil die Konjunktur der Kanzlerin zugute kommt, erreicht sie im jüngsten ARD-Deutschlandtrend 55 Prozent Zustimmung. Soweit der Mainstream.

Jetzt macht allerdings der Weltglücksbericht Schluss mit dem Glück der Deutschen. Obwohl Deutschland wirtschaftlich gut da steht, stagniert es auf Platz 16 – hinter unter anderem den USA, den Israel und Costa Rica.

Nach Statistika sind zwar 62 % der Deutschen mit ihrem Leben zufrieden. Das sind nicht viele. Man fragt sich aber: Was ist mit dem Rest? 

Was das Glück anbetrifft, so muss man unterscheiden zwischen dem persönlichen Glück und der Zufriedenheit mit den politischen Verhältnissen. Beim Thema „Glück“ erinnere ich mich immer an einen Türkeiurlaub. Damals fand in unserem Hotel eine Tagung deutscher Managerinnen statt. Und diese fanden es völlig unerklärlich, dass die Türkinnen, die auf dem Weg zum Strand ihre Stände mit Handarbeiten aufgestellt hatten, dauernd so fröhlich lachten, während sie selbst keinen Grund fanden, etwas fröhlicher drein zu schauen. Man kann also in ganz bescheidenen Verhältnissen glücklich sein. Trotzdem kann man aber mit der politischen Situation ganz unzufrieden sein.
Und wer mit wachen Augen die Verhältnisse in unserem Land anschaut, muss völlig unzufrieden sein:

  • Die Schere zwischen arm und reich öffnet sich immer mehr.
  • Die Einkünfte aus Vermögen werden geringer besteuert als die aus Arbeit.
  • Das hat es in Deutschland noch nicht gegeben, nämlich dass viele Menschen von ihrer Hände Arbeit nicht mehr leben können.
  • Die prekären Arbeitsverhältnisse (Leiharbeit, Zeitarbeit…) werden immer mehr.
  • Immer mehr Menschen brauchen 2 Jobs, um über die Runden zu kommen.
  • Die Armut steigt, sogar bei den Kindern.
  • Der Mindestlohn ist nur ein Almosen und wird nur in der Hälfte aller Fälle auch tatsächlich beahlt.
  • Unsere Asylpolitik ist völlig verlogen, wie hier schon öfter beschrieben.
  • Die Menschen werden von der Politik bestohlen. Jeder Haushalt hat in den letzten 10 Jahren durch die Niedrigzinspolitik 20.000 Euro verloren.
  • Es gäbe noch vieles, was wir nicht hinnehmen wollen…

4 Kommentare zu „Die Deutschen: glückliche Jammerlappen?

  1. Guten Morgen, ich habe auch noch eine Bemerkung zum Glück der Deutschen.
    Gestern habe ich mir eine Sendung in ZDF-Zoom angeschaut. Es war eine Reportage über Angestellte, die nur „auf Abruf“ arbeiten, d.h. sie können ihr Leben nicht planen, da sie ständig bereit sein müssen, wenn der Arbeitgeber ruft.

    Zitatanfang:
    Ich zitiere:
    „Rund 1,5 Millionen Angestellte wissen nicht, ob ihr Lohn zum Leben reicht. Sie arbeiten auf Abruf, nur wenn der Chef sie braucht. Wartezeiten werden nicht bezahlt, ein Zweitjob unmöglich“.

    „Man kann davon reden, dass das in Richtung eines modernen Tagelöhnertums geht“, erklärt Arbeitsmarktforscher Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Interview.“
    Zitatende

    Die Reporterin dieser Sendung hat um ein Interview mit unserer Arbeitsministerin nachgefragt. Frau Nahles stand für ein Interview nicht zur Verfügung.

    Wie kann es sein, dass unsere Bundesregierung in solch wichtigen Fragen für die Bürger nicht zur Verfügung steht. Kann man hier vermuten, dass unser Staat die Wirtschaftsbosse von vorn bis hinten hofiert und für existentielle Probleme seiner Bürger nicht mehr zu sprechen ist?

    1. Danke für den guten Kommentar! Wir werden immer mehr versklavt und die Deutschen nehmen das klaglos hin. Kein Wunder, dass so Theorien aufkommen wie die, das die Menschen mit Chem-Trails (Kondensstreifen) gefügig gemacht werden.

    2. Es ist tatsächlich so, dass manche Arbeitskräfte in Mitteleuropa „auf Abruf“ arbeiten. Der Arbeitgeber will seine Dienstnehmer genau dann einsetzen, wenn er die Bedarfsspitze hat.

      Ein Beispiel: Meine Frau ist Reinigungsfrau in einem Restaurant. Sie wird für 20 Stunden die Woche bezahlt – zum Kollektivvertrag. Das bedeutet, das ist der Mindestlohn, weniger darf ein Chef nicht bezahlen.

      Meine Frau arbeitet unregelmäßig, eher selten an den Wochentagen, nur wenn eine Veranstaltung oder ein Leichen-Schmaus am Plan steht. Dafür arbeitet sie am Samstag manchmal 2-Schicht; sie arbeitet tagsüber einige Stunden, fährt am späten Nachmittag nach Hause, und arbeitet erneut ab 18 Uhr bis Mitternacht.

      Trotzdem sind wir froh, dass sie diese Arbeit hat. Das ist in der eigenen Wohngemeinde. Der Chef erlaubt ihr 6 Wochen Urlaub im Stück – für einen Auslands-Urlaub. Die Fehlzeit muss sie nachher einarbeiten.

  2. Damit kein Irrtum aufkommt – ein Leichen-Schmaus ist in Österreich eine Toten-Zehrung – wahrscheinlich heisst das in Bayern auch so. Mit anderen Worten – nach der Toten-Messe und dem Begräbnis kommen die Trauergäste zum Wirt, bekommen ein Essen und einige Getränke. Traditionell war das eine Nudelsuppe, als Hauptspeise Rindfleisch mit Semmelkren.

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