Der „Schienenmensch“

Wenn ich so die Jugend in meinem Blickfeld anschaue, tun mir die jungen Leute leid. Schon im Gymnasium lernten sie wie wild, um möglichst mit einem Einser-Abitur abzuschneiden. Wieso können sie nicht locker durch die Schule gehen, wenn sie gar kein Numerus-Clausus-Fach studieren wollen? Hätten sie nicht sagen können: „Ein Durchschnittsabitur genügt mir. Ich will nicht nur lernen, ich will auch noch leben!“
Schlimmer wird es auf der Universität: Das Wort „Universität“ kommt ja aus dem Lateinischen und bedeutet „Gesamtheit“. Die Studenten sollten sich also eigentlich universell bilden. Dafür haben die alten Universitäten ein Auditorium Maximum, wo sich einmal die akademische Jugend zusammen fand, um die Kapazitäten der Wissenschaft auch aus anderen Fächern kennen zu lernen. Aber heute ist das Studium so verschult worden, dass für so einen Luxus keine Zeit mehr vorhanden ist. Während wir früher über die Ansichten der führenden Philosophen diskutierten, bin ich sicher, dass mindestens 90 % der heutigen Studierenden (die ja keine Studenten mehr sind) keine Antwort wüssten, wenn sie nach moderner Philosophie gefragt würden. Und wenn der Spiegel in seinem Leitartikel behauptet, dass die Jugend von heute so viel diskutiere wie nie zuvor, so liegt er völlig schief und vergisst beispielsweise die 68-er-Generation. Nein, die Jugend von heute braucht ihre ganze Kraft für das Vorankommen. Solche Menschen braucht der Staat: „Schienenmenschen“, die sich auf den vorgegebenen Gleisen bewegen, ohne kritische Fragen zu stellen.

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