Justitia – die Blinde mit der Binde

Richter sein in der heutigen Zeit ist völlig anders als früher. Immer mehr wird ihm die Initiative aus der Hand genommen und auf die Sachverständigen verlagert. Das kann fatale Folgen haben, wie gerade der Justizskandal in den USA zeigt.
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fbi-skandal-um-falsche-dna-proben-a-1029599.html
Heute entscheiden mehr und mehr die Sachverständigen, was Recht ist. Das geht bei schlichten Verkehrsunfällen an, bei denen die Sachverständigen aus dem Endstand der Fahrzeuge errechnen, wer auf der falschen Seite unterwegs war. Dem Richter ist es unmöglich, solche Berechnungen nach zu vollziehen, weil diese auf Erkenntnissen beruhen, die er nicht nachprüfen kann. In der Regel bemühen sich die Richter nicht einmal, die Gutachten jedenfalls insoweit zu überprüfen, als es ihnen möglich ist. Hierzu der Ausspruch eines Richters, der den Kern dieser Einstellung trifft: „Der muss wissen, was er auf sein Gewissen nimmt…“
Auch Mordprozesse mit DNA-Analysen zeigen häufig, dass nicht die Richter, sondern die Sachverständigen den Fall entscheiden. Der Justizskandal in den USA, der auf fehlerhaften FBI-Gutachten beruht, belegt, dass die Gerichte in den USA selbst da nachlässig sind, wo es um Tod oder Leben geht. Auch hier wurde wahrscheinlich nicht einmal der Versuch unternommen, die Gutachten kritisch zu hinterfragen: Die Gutachter des FBI hatten Haare, die an einem Mordopfer gefunden worden waren, mit denen des Täters verglichen und festgestellt, dass diese identisch gewesen sein sollten. Warum haben die Gerichte nicht selbst durchs Mikroskop geschaut und andere Haare als Vergleich hinzu gezogen? Dann hätten sie wohl gemerkt, auf welch wackeligen Füßen die FBI-Gutachten standen.
Ein typischer Fall aus Deutschland sei zur Illustration angefügt. Ein Mann saß 8 Jahre unschuldig hinter Gittern, weil ein Sachverständiger ihn auf Grund eines Bankautomaten-Fotos identifiziert haben wollte. Auf dem Foto war zwar nur recht schlecht ein Ohr zu erkennen, weil der Täter maskiert war. Aber der Sachverständige war sich sicher. Hätte das Gericht nicht aus erbkundlichen Gutachten Vergleichsfotos heraussuchen können oder selbst welche von den Ohren des Personals anfertigen können, um zu schauen, wie sicher der Sachverständige wirklich war?
Manchmal ist ja das Sachverständigengutachten nur das Tüpfelchen auf dem „i“. Und wenn ein Staatsanwalt für die Überführung eines Beschuldigten gerade noch dieses Tüpfelchen braucht, ist natürlich die Versuchung für einen Sachverständigen groß, dieses Tüpfelchen zu liefern. Die Erstattung von Gutachten ist schließlich ein einträgliches Geschäft, und da ist es natürlich gut, wenn man mit der Staatsanwaltschaft kooperiert.
Zum Thema lesen Sie bitte auch alles, was Sie in der Fundgrube über die Justiz finden.
Oder wie wär’s hiermit?
JustitiaTitel
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