Nackter Busen und Mohammed

Sie werden da keinen Zusammenhang sehen. Können sie auch gar nicht. Das sind nur meine krausen Gedankengänge, die ich Ihnen hier zu Gemüte führen will.
Es war eigentlich seit alters her üblich, dass man die Sitten und Bräuche eines Gastlandes achtete und beachtete. Aber dann kam die Emanzipationsbewegung, die sich über solche Regeln hinweg setzte. Auf meinen Türkei-Reisen sah ich nun auf einmal neben den Türkinnen, die vollständig bekleidet ins Wasser gingen, barbusige deutsche Frauen am Strand und im Wasser, die ihren türkischen Geschlechtsgenossinnen zeigen wollten, was Emanzipation und Freiheit bedeuten würden. Sie brachten es aber wohl nur fertig, von den Türkinnen als „Nutten“ betrachtet zu werden.
Entfernt vergleichbar sind die Mohammed-Karikaturen. Auch hier setzte man sich über die Regeln des Islam hinweg, die Bilder des Propheten verbieten. Was mich an dieser Geschichte so stört, ist die Einseitigkeit der Diskussion: Man hört nur etwas von Pressefreiheit, aber haben Sie von einem Politiker ein mahnendes Wort darüber gehört, dass Freiheit verpflichtet? Gehört es nicht zu den Werten des Abendlandes, dass man die anderen Religionen und ihre Regeln respektiert? Hätte man nicht auch darüber reden müssen, wo die Grenze zwischen Freiheit und Verpflichtung liegt?
Und nun feierte man ganz groß die trotzige Reaktion von Charlie Hebdo mit seinen neuen Karikaturen von Mohammed. Hätte man nicht warnend den Finger erheben und sagen müssen, dass dies viele Christen in anderen Ländern mit ihrem Leben bezahlen müssen? Ist das, was viele fälschlich unter „Pressefreiheit“ verstehen, solche Folgen wert? Was ist das denn eigentlich für ein scheinbarer Kampf um Freiheit? Hätte man das, was man mit einem weinenden Mohammed dargestellt hat, nicht auch anders ausdrücken können? Beispielsweise so: Zwei mit Turbanen gekleidete Männer stehen im Regen, schauen hinauf zu einer Wolke und sagen: „Mohammed weint!“
Um die Moslems zu verstehen, stellen Sie sich einmal dies vor: In der Türkei wäre in der Zeit der Aufdeckung der Missbrauchsfälle in der Kirche diese Karikatur erschienen: Jesus wird beim Geschlechtsakt mit einem Knaben gezeigt und sagt: „Lasset die Kindlein zu mir kommen!“ Wer hätte da wohl bei uns von Pressefreiheit gesprochen?
Was dringend notwendig ist, ist ein Machtwort der Kanzlerin, das die hochgeschaukelte Lage entspannt. Sie sollte einmal etwas über Freiheit und den daraus entstehen Pflichten sagen und mahnen, beim Gebrauch von Freiheiten dreimal zu fragen, ob es wirklich notwendig ist, dabei andere zu verletzen.

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