Endlich klammheimlich: Scheidung auf katholisch

Es gibt einen berühmten Film: „Scheidung auf italienisch“. Dort bleibt einem Mann nur noch Mord übrig, um seine Frau los zu werden, denn die Scheidung war in Italien damals verboten. Nun, so glauben viele, bleibt nur noch die Katholische Kirche übrig, die eine Scheidung verbietet. Das hatte ich auch bisher geglaubt, bis ich im Zuge der Adventsvorbereitungen etliche fromme Katholiken kennen lernte, deren kirchlich geschlossene Ehe „geschieden“ worden ist. Ich konnte das erst gar nicht fassen, denn ich hielt eine katholische Ehe für unauflöslich. Das stellte sich aber nun als Irrtum heraus. Eine solche Ehe kann zwar nicht geschieden, aber doch annulliert werden. Das Kirchenrecht kennt nämlich verschiedene Annullierungsgründe:
„Can. 1095 — Unfähig, eine Ehe zu schließen, sind jene:
1° die keinen hinreichenden Vernunftgebrauch haben;
2° die an einem schweren Mangel des Urteilsvermögens leiden hinsichtlich der wesentlichen ehelichen Rechte und Pflichten, die gegenseitig zu übertragen und zu übernehmen sind;
3° die aus Gründen der psychischen Beschaffenheit wesentliche Verpflichtungen der Ehe zu übernehmen nicht imstande sind.“
Ein typischer Gummiparagraf, mit dem sich alles machen lässt. Das lässt sich am Fürstentum Monaco wunderbar demonstrieren:
Die Großmutter der Fürstin Caroline scheiterte noch mit ihrem Scheidungsbegehren. Caroline selbst jedoch erreichte immerhin nach fast 10-jährigem zähen Ringen zwischen dem winzigen Fürstentum und dem mächtigen Heiligen Stuhl, dass ihre Ehe mit Junot geschieden wurde. Damals schrieb die Presse: „Jetzt ist der unerklärte Krieg zu Ende: Der Papst hat verloren.“
Neuerdings wird offenbar im Gegensatz zur alten Praxis jeder, der will und es richtig anstellt, geschieden, indem man einen nicht hinreichenden Vernunftgebrauch oder einen Mangel an Urteilsvermögen geltend macht.
„Zahlen zu diesem heiklen Thema rückt der Vatikan ungern heraus. Die letzten stammen aus dem Jahr 1986, in dem 20 500 Nichtigkeitsverfahren bei Diözesangerichten in aller Welt angestrengt wurden“, schrieb der Spiegel vor etlichen Jahren.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13679364.html
Kürzlich meldete der Stern offenbar Zahlen für Deutschland: „Aufgelöst wurden im Jahr 2006 insgesamt 616 Ehen – im erzkatholischen Italien waren es mehr als 2500.“
http://www.stern.de/familie/die-andere-art-der-scheidung-wie-eine-ehe-annuliert-wird-626043.html
Also ist es nun vorbei mit der Unauflöslichkeit der katholischen Kirche, weil die Kirche nun anerkennt, dass ihre betroffenen Gläubigen häufig keinen hinreichenden Vernunftgebrauch mehr haben. Und wie sieht es denn nun mit der Zivilehe und dem Vernunftgebrauch aus? Das lesen Sie hier:
https://autorenseite.wordpress.com/2014/11/29/ist-ihre-ehe-uberhaupt-gultig/

Ein Kommentar zu „Endlich klammheimlich: Scheidung auf katholisch

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.