Tabuthemen „Kirchensteuer“ und „Kirchenvermögen“

Die Politik und die Katholische Kirche sind sich einig: Die Kirchensteuer muss reformiert, sprich: abgeschafft werden. Die Kirche pocht auf die Vertragslage und verlangt eine hohe Ablösesumme. Der Staat aber hat kein Geld. Beide Seiten leben ganz gut mit dieser Situation, denn sie tun so, als seien sie offen für die Abschaffung der Steuer, die es so in vielen Nachbarländern nicht gibt. Aber über Einzelheiten mag man lieber nicht reden, denn da gäbe es Streit. Die Kirche braucht eigentlich gar nicht die Kirchensteuer, die übrigens gegen ihr eigenes Kirchenrecht verstößt. Sie ist nämlich unermesslich reich, verschweigt aber ihre Besitztümer, obwohl schon Papst Johannes Paul II einmal die gläserne Kirche gefordert hat. Eigentlich sollte sich die Kirche ja auch nach der Bibel richten, wo es heißt: „Denn nichts ist verborgen, das nicht offenbar werde, auch nichts Heimliches, das nicht kund werde und an den Tag komme.“ ( Lukas 8,17)

Warum die Kirchensteuer aber zum Tabuthema geworden ist, hat einen weiteren Grund. Sie wurde auch zum Ausgleich dafür eingeführt, dass der Staat im Zuge der Säkularisation die Kirche weitgehend enteignet hat. Wieso eigentlich? Die Säkularisation war doch auch eine notwendige Bodenreform, wie sie andere Staaten bei profanen Besitztümern durchgeführt haben, wenn diese zu groß geworden waren. Es geht einfach nicht an, dass ein großer Teil des Landbesitzes in einem Staat in den Händen weniger Eigentümer liegt.

Man müsste übrigens auch die Frage aufwerfen, ob die Kirche rechtmäßig zu ihrem großen Besitz gekommen ist, der bei der Säkularisation enteignet wurde. Und die Diskussion darüber würde die Kirche schlecht dastehen lassen:

Zum einen hat die Kirche zahlreiche Urkunden gefälscht, aus denen sie ihr Besitzrecht ableitet. Die Mönche waren ja im Mittelalter fast die Einzigen, die des Schreibens kundig waren, und was dabei heraus gekommen ist, hat die moderne Kriminalwissenschaft zu Tage gefördert: Fälschungen. Die bekannteste ist die Konstantin’sche Schenkung.

Vergleicht man, was die Kirche früher zusammen geerbt hat, mit der heutigen Lage, so wird ersichtlich, dass es früher beim Erben ähnlich verwerflich zugegangen ist wie beim Ablasshandel: „Gib uns was und du kommst in den Himmel!“ Und wer würde nicht auf dem Sterbebett sein letztes Geld der Kirche vermachen, wenn er damit der Hölle entgehen könnte?

Die Kirche täte gut daran, jetzt eine Lösung zu suchen und ihre Forderungen für den Fall des Wegfalls der Kirchensteuer nicht zu hoch zu schrauben, denn sie verliert immer mehr Anhänger, so dass auch die Politiker es eines Tages wagen werden, Dinge auszusprechen, die sie jetzt aus wahltaktischen Gründen verschweigen.

Die Kanzlerin jedenfalls hat früher einmal gesagt, man müsse überlegen, ob man das „C“ noch führen wolle, wenn die Mehrheit der Bevölkerung nicht der Kirche angehört.

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