Wie der Glaube schwindet

Es gab einmal eine Zeit, in der die Kirche sogar das gesamte Sexualleben ihrer Gläubigen im Beichtstuhl unter Kontrolle hielt: Der Beischlaf war nur in der Ehe und nur zur Kinderzeugung erlaubt. Er war ganz verboten in der Fastenzeit und an den Gedenktagen von Märtyrern. Kakao durfte man nicht trinken, weil der angeblich sinnlich machen sollte. Und Frauen durften keine Liebesäpfel (Tomaten) essen… Es soll hier gar nicht alles aufgezählt werden, was schon einmal alles verboten war. Und heute?
Die Gläubigen haben sich von der Morallehre ihrer Kirche immer mehr emanzipiert. Das Zusammenleben Unverheirateter ist zur Regel geworden und die Kirche traut sich nicht, dies von der Kanzel herunter zu verdammen.
Die Kirche bestimmte früher auch bis ins einzelne gehend, was ihre Gläubigen lesen durften: Im Index standen die Bücher, die verboten waren. Und an den Pfarrämtern hingen Schaukästen mit Film- und Theaterkritiken, aus denen die Gläubigen ersehen konnten, was gut und was sündhaft war.
Oder nehmen wir ein anderes Beispiel: Kardinal Faulhaber sagte einmal in einer Messe diesen Satz: „Katholische Männer, wir beten jetzt zusammen ein Vaterunser für das Leben des Führers.“ Welcher Kardinal käme heute auf die Idee, ein Vaterunser für die Kanzlerin beten zu lassen?
Und noch etwas ist zu beobachten: Früher hatten die Menschen Angst vor der Hölle. Diese Angst scheint völlig abhanden gekommen zu sein. Die Hölle ist in den Augen vieler Menschen ins Märchenreich umquartiert worden. Und damit fehlt der Kirche ihr wichtigstes Drohmittel. Sie ist dadurch ziemlich machtlos geworden. Die Gläubigen trauen sich sogar etwas, was sie früher nie gewagt hätten: Sie treten massenweise aus der Kirche aus.
Manche Bräuche hat man zwar nicht offiziell abgeschafft, aber man wagt es nicht mehr, sie öffentlich zu machen. In meiner Jugend las ich an den Eingängen vieler Kirchen, welchen Ablass man gewinnen konnte, wenn man gewisse Bedingungen erfüllte. Ich erinnere mich heute noch an zwei Kirchen: In der einen konnte man mit einem Vaterunser 100 Tage Ablass gewinnen, in einer anderen dagegen wurde ein vollkommener Ablass angeboten, wenn man zur Kommunion ging und ein Gebet nach Meinung der Heiligen Vaters verrichtete. Und ich fragte mich immer, wer sich denn wohl mit den 100 Tagen zufrieden gibt, wenn er auch einen vollkommenen Ablass haben konnte. Ich kenne heute keine Kirche mehr, die im Eingangsbereich dazu einlädt, einen Ablass zu erbeten.
Früher war es eine Sünde, am Sonntag nicht in die Kirche zu gehen, am Freitag Fleisch zu essen, nicht zu fasten…
Und heute? Aus dem Fasten scheint eine Art von Brigitte-Diät geworden zu sein.
Aber man braucht nicht zu fürchten, dass den Kirchen das Schicksal der alten Burgen und Schlösser zuteil wird, dass sie also Relikte einer vergangenen Zeit würden. Wenn schon der Aberglaube nicht auszumerzen ist, wird jedenfalls auch der Glaube bestehen bleiben. Der kann selbst von der Kirche nicht kaputt gemacht werden, weder durch Hexenverbrennungen noch durch Missbrauchsfälle und ähnliche Verbrechen. Jesus hat zwar gesagt: „An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen.“ Aber die Gläubigen legen diesen Maßstab nicht an ihre Kirche an. Es bleibt so, wie es in den Galgenliedern heißt:
„„Doch Sankt Antōn, gerufen eilig,
sprach nichts als »Heilig! Heilig! Heilig!«“
Übrigens Ergänzendes erfahren Sie hier.:
https://autorenseite.wordpress.com/kirchensteuer/
oder hier:
https://www.youtube.com/watch?v=XU6AB8z-iOM
Der Film ist spannender als jeder Krimi!

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