Ukraine: Ist doch alles ganz anders?

Manchmal fürchte ich, dass ich spinne. Im Fall der Ukraine geht es mir so. Für mich ist alles ganz anders, als die deutsche und die europäische Politik es darstellen. Rekapitulieren wir:
In der Ukraine hatten ursprünglich einmal freie Wahlen stattgefunden, die von Wahlbeobachtern für korrekt befunden wurden. Dadurch wurde Janukowitsch Präsident der Ukraine.
Als die Ukraine vor der Wahl stand, sich der EU oder Russland anzunähern, entschied er sich gegen die EU. Das konnte man wegen der wirtschaftlichen Verflechtungen mit Russland nachvollziehen. Dem Westen gefiel das aber gar nicht und er lockte nun mit finanziellen Zusagen. Dasselbe tat Putin, indem er ein Entgegenkommen bei des Gaspreisen in Aussicht stellte, was aber hier als Erpressung hingestellt wurde.
Weil einem Teil der Bevölkerung Janukowitschs Trend zu Russland missfiel, bildete sich eine Opposition unter Führung Klitschkos, die vom Westen durch Solidaritätsbekundungen und Politikerbesuche unterstützt wurde – und sicherlich auch mit Geld. Die Demonstrationen arteten in eine Revolution aus, bei der Regierungsgebäude erstürmt und Politiker verprügelt wurden. Klare Rechtsbrüche, die der Westen hätte geißeln müssen. Schließlich kündigte Klitschko an, es werde Tote geben, und am nächsten Tag wurden 54 Menschen erschossen, darunter viele Polizisten.
Der Westen hatte auch da noch nicht auf die sich abzeichnende Tötung von Menschen reagiert, sondern sich durch den Schulterschluss mit den Revolutionären strafbar gemacht. (Umso eifriger warnte die OSZE dann Russland anlässlich der Unruhen der Russen.)
Der Aufruf des russischen Außenministers Lawrow, die Schüsse vom Maidan durch die OSZE aufzuklären, blieb unbeachtet. Im Westen wurde Janukowitsch als Mörder hingestellt, obwohl man sich als kritischer Beobachter fragt, wieso er auf die eigenen Polizisten hätte schießen lassen sollen. Nachdem die OSZE dem Wunsch der Russen, den Urheber der Schießerei zu identifizieren, nicht nachkam, war es Putin nicht zu verdenken, dass er die OSZE zunächst auch nicht auf die Krim ließ.
Nun will sich die Krim Russland anschließen und die Bevölkerung hat darüber entschieden. Der Westen rügt das als eine Verletzung des Völkerrechts. In Großbritannien dürfen zwar die Schotten demnächst entscheiden, ob sie sich selbständig machen wollen. Auf der Krim dagegen dürfen die Einwohner nach Meinung des Westens nicht abstimmen. Das wird als völkerrechtswidrig bezeichnet. War das, was sich der Westen im Zusammenhang mit dem Maidan geleistet hat, vielleicht nicht völkerrechtswidrig?
Und ist das vielleicht auch kein Rechtsbruch: Der Westen will nun russische Konten sperren. Stellen Sie sich vor, Sie sind ein reicher Russe und haben sich am Tegernsee niedergelassen. Plötzlich sperrt man Ihnen das Konto! Mit welchem Recht? Das fragen jetzt auch schon die Bayern am Tegernsee, für die die Russen eine wichtige Einkommensquelle sind. Ist das vielleicht eine Lösung eines Konflikts, wenn man Rechtsbruch mit Rechtsbruch beantwortet? Wahrscheinlich ist das Ganze ja nur eine bloße Luftblase, die den Eindruck erwecken soll, man tue etwas. In Wirklichkeit ist man machtlos, denn wenn man Putin zu sehr ärgern würde, würde der den Gashahn zudrehen.
Der einzige, der unsere Sicht ein wenig zurecht rückt, scheint Schröder zu sein. Übrigens verdankte er seinerzeit seine Wahl dem Umstand, dass er – anders als Merkel damals – gegen eine Beteiligung am Irakkrieg war. Hat Merkel daraus gelernt, als sie gerade sagte, einen Krieg wegen der Ukraine werde es nicht geben? Wie beruhigend! Wirklich? Wie oft schon hat das Dementi am Beginn dessen gestanden, was dementiert wurde.
Merke: Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst. Bei einer Revolution noch eher.

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