Was Sie niemals sagen dürften

Eigentlich schon merkwürdig!
Ich bin im Dritten Reich groß geworden. Da gab es aus heutiger Sicht betrachtet keine Meinungsfreiheit, denn man durfte nichts gegen die Nazis sagen.
Aber wenn ich die Situation von damals mit heute vergleiche, finde ich, dass man heute noch viel weniger sagen darf. Wir sind förmlich umzingelt von Tabus. Verbessert hat sich allerdings, dass man normalerweise nicht gleich eingesperrt wird, wenn man das Falsche sagt, dafür zieht man sich aber die öffentliche Ächtung zu und wenn man prominent ist, findet eine Art von Hinrichtung in den Medien statt.
Themen, bei denen man sich heute in die Nesseln setzen kann, gibt es viele. Überlegen Sie mal, ob Sie dies sagen dürften:
„Der Nationalsozialismus hatte auch seine guten Seiten, beispielweise das Arbeitshaus oder den Zusammenhalt der Bevölkerung.“
„Homosexualität kann auch durch falsche Erziehung verursacht werden.“
„Kinder brauchen Vater und Mutter, deshalb darf es keine Adoption durch schwule Paare geben.“
„Die Verrohung der Jugend hat ihre Ursache in der Berufstätigkeit der Mütter.“
„Die Politik Israels gegenüber den Palästinensern ist verwerflich.“
„Die deutsche Wehrmacht hat enorme Leistungen erbracht.“
„Zu viele Migranten schaden unserem Land.“
„Armutszuwanderung.“
„Deutschtum.“
„Deutschland ist die größte Macht in der EU.“
„Gauck soll erst einmal seine persönlichen Verhältnisse ordnen…“
„Die Vereinigungen der Heimatvertriebenen sind anachronistisch.“
„Leute wie… (hier sind alle Steuerflüchtlinge einzusetzen) sollte man anspucken, statt sie als Promis zu behandeln.“
Es gibt vieles, was mancher gerne sagen würde, aber er traut sich nicht, denn es gilt immer noch die Warnung, die in der Nazi-Zeit an jeder Telefonzelle zu lesen war:
„Vorsicht! Feind hört mit!“

3 Kommentare zu „Was Sie niemals sagen dürften

  1. Toller Beitrag! Finde ich sehr interessant. Vielleicht trauen sich ja gerade deswegen so wenige überhaupt etwas zu sagen. Die einen aus Furcht vor eben jener Verachtung von der Sie sprechen, die anderen aus dem Gefühl der Sinnlosigkeit der Meinungsäußerung („wird eh nichts bringen“), die Dritten aus Gleichgültigkeit. Natürlich sind manche Aussagen in ihrer reinen Form radikal, aber ich bin mir sicher sie gehen vielen durch den Kopf. Und ich finde, gerade diese Radikalität stößt eine Unterhaltung erst an und hat Potential Aufmerksamkeit zu regen. Weichgespülte, in zig Nebensätze verschachtelte diplomatische Botschaften dagegen sind schnell aus dem Sinn, wenn sie diesen überhaupt je erreichen.

  2. Du hast ja völlig recht. Ich behaupte übrigens nicht, dass diese Thesen alle richtig sind, sondern sage nur, dass man so etwas gar nicht sagen darf. So kann man auch nicht darüber diskutieren.

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