Naziskandal in der Oper

„Cosi van Tutte“ in der Badeanstalt, „Der Barbier von Sevilla“ ohne Bühnenbild nur zwischen Obstkisten, „Die Fledermaus“ im Düsenjet oder ein anderes Mal in der Zeit des aufkommenden Austrofaschismus… Die Beispiele der Verhunzung von Opern sind ohne Ende. Als Anneliese Rothenberger sich einmal über eine Fetsspielinszenierung aufregte, sagte der Regisseur: „Wenn’st net mindestens an Nackerten über die Bühne hupfen lässt, fällst du mit deiner Inszenierung durch. Du brauchst heutzutage einen Skandal…“ Und so wundern wir uns nicht, wenn man in Düsseldorf den Tannhäuser mit Erschießungsszenen vorgesetzt bekam.
Der Spiegel-online schreibt dazu:
„Die Deutschen ermordeten sechs Millionen Juden, aber wenn man sie daran erinnert, rufen einige neuerdings den Arzt. Weil Zuschauern übel wurde, setzte die Düsseldorfer Oper eine umstrittene „Tannhäuser“-Inszenierung ab. Ob die wirklich ein Skandal ist? Mag sein. Ihre Absetzung ist sicher einer.“
Und dann ist da im Spiegel die Rede von „deutscher Urschuld.“ Dazu verweise ich auf mein Blog „Nationalsozialismus: Deutsche – Täter oder Opfer?“ vom 2013-04-18. Ich bin gegen diese Urschuld, die uns die sogenannten Mainstream-Medien pauschal immer einreden wollen.
Überträgt man das, was wir Deutsche dauernd in uns spüren sollen und immer wieder bekennen sollen, auf einen anderen Tatbestand, so wird die Absurdität der Urschuld deutlich:
Nehmen wir an, Ihr Großvater hat einen Mord begangen. Meinen Sie, dass Sie dann auch noch immer und überall bei jeder Gelegenheit bekennen müssten, dass Sie zu dieser schäbigen Familie gehören, die einen Mord begangen hat?
Wohin wir auch schauen: zu allen Zeiten und überall haben Menschen und Völker und besonders die Kirche Schuld auf sich geladen. Der Einzelne pflegt seine Schuld zu verdrängen. Und auch die Völker legen das, was sie angerichtet haben, irgendwann in den Geschichtsbüchern ab. Vergessen werden soll das Geschehene keinesfalls, aber müssen wir ständig und überall in unseren Wunden wühlen, auch dort, wo nicht der richtige Ort dafür ist? Wer in die Oper geht, möchte eine Aufführung sehen, die sich an das hält, was deren genialer Schöpfer niedergeschrieben hat. Es ist eine Beleidigung der großen Komponisten, wenn immer wieder geglaubt wird, man könne an ihren Werken herum schnipseln und sie fehl interpretieren, wie man will. Man sollte mehr Respekt vor diesen großen Leistungen der Menschheit haben. Und weil man den nicht mehr hat, gehe ich nicht mehr in die Oper und auch meine Verwandten und Bekannten nicht.
Schauen wir bei dieser Gelegenheit einmal auf die Kirche: Für sie sind Schuld, Reue und Sühne existenziell wichtige Begriffe. Gibt es dort einen Gedenktag für Hexenverbrennungen, an dem Frauenpuppen vor der Kirche verbrannt werden? Gibt es in den Domen Mahnmale für die Judenverfolgung? Nein, man hat ja erst vor nicht zu langer Zeit die Votivtafeln entfernt, die Hostienschändungen durch die Juden darstellten.
In diesem Zusammenhang noch ein Hinweis, der auf den ersten Blick nichts mit dem Thema zu tun hat:
Wir merken gerade, dass wir eine verstärkte Zuwanderung von Fachkräften brauchen, weil unsere Geburtenrate zu gering ist. Die Kanzlerin erklärte, man dürfe das nicht mit Trübsinn begleiten. Recht hat sie. Überlegen Sie mal: Wenn Sie auswandern würden, würden Sie nicht auch lieber dorthin ziehen, wo heitere aufgeschlossene Menschen wohnen, anstatt in ein Land der ständigen Selbstzerfleischung und des dauernd propagierten reuigen Trübsinns?
Übrigens forderte auch van Rompuy vor einiger Zeit, dass das ewige Kritisieren ein Ende haben müsse und das positive Denken Einzug in die europäische Politik halten solle. Wenn er dies auch nicht in Bezug in den Nationalsozialismus gemeint hat: Warum sollen wir ihn nicht mit einbeziehen in die Warnung vor dem Negativen und der Aufforderung, uns dem Positiven zuzuwenden?
P.S.: Besuchen Sie mich doch mal hier!

3 Kommentare zu „Naziskandal in der Oper

  1. Danke für diesen notwendigen Aufsatz !

    Ich finde es immer entsetzlich, wenn Bühnenwerke verhunzt werden. Manchmal bin ich so wütend, dass ich verkünde, im Louvre der MonaLisa einen Bart anzumalen. (Aber die hängt jetzt unter kugelsicherem Glas und ist sicher vor mir).

    Dann würde die Welt weinen, weil jemand das Werk Leonardos so verhunzt – und mich einen Kulturbanausen nennen! Ganz zu Recht.

    Warum aber wagt es jeder mehr oder minder begabte Regisseur, an Dramen und Musikwerken seine miese Laune auszulassen ? – Der Quote wegen !

    Da bleibt einem nur noch YouTube.

  2. Danke für den Kommentar!
    Ist das nicht vielleicht Gedankenübetragung? Auf die Idee, dass man die Verhunzung von Opern mit einer Übermalung der Mona Lisa vergleichen sollte, bin ich beim Schreiben meines Blogs auch gekommen, habe dann aber davon abgesehen, weil ich sowieso schon so viel geschrieben hatte.

  3. Lustig, ich habe diese Gedankenübertragungen mit einigen Menschen.

    Ich arbeite noch immer an meinem Artikel über Jinns, Dämonen und Hormone. Und das seit etwa 6 Monaten. Darum konnte ich mich auch so erfreuen, als Sie von Dämonen und Hormonen schrieben. Da ich Ihren Blog noch nicht kannte, fand ich das schon bemerkenswert.
    Heute fand ich den besten Link zu einem Stück Oper. Meines Erachtens die beste Interpretation, aber über Geschmack soll man nicht streiten. Sehr flott im Vergleich zu anderen Interpreten – und passt zum Thema JINNS von denen die Callas, aber noch mehr Onassis besessen waren:

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