Erziehung einst und jetzt

Es ist ja immer interessant, wenn ich mich mit meinen Enkelinnen unterhalte. Anlässlich der neuesten politischen Debatte kamen wir auf das Thema Homosexualität zu sprechen. Und da habe ich etwas gelernt: Meine Enkelin berichtete mir, sie sei im Ethikunterricht die einzige gewesen, die sich gegen eine Ehe von Homosexuellen ausgesprochen habe; sie sei für eine privilegierte Partnerschaft gewesen.
Die Lehrerin vertrat demgegenüber genauso wie auch die restliche Klasse den Standpunkt, dass die Geschlechterrolle nicht von der Natur aus vorgegeben sei, sondern dass jeder sie selbst von sich aus finden müsse. Wer sich also trotz seiner männlichen Merkmale als Frau fühle, müsse genau so einen Mann heiraten dürfen, wie dies eine „normale“ Frau dürfe.
Von einer Kindergärtnerin hörte ich, sie habe in ihrer Ausbildung gelernt, man dürfe sich nicht durch Erziehung dabei einmischen, wenn die Kinder in ihre Geschlechterrolle hineinwachsen. Die Kinder sollten sich insoweit selbst entwickeln.
Da kann ich nur sagen: toll! Dann überlassen wir doch die Kinder gleich ganz sich selbst, damit sie sich so entwickeln, wie sie mögen.
Wie anders war das doch früher: Wir wurden zu harten Männern erzogen. Bei uns hieß es: „Jungs heulen nicht, und wenn du heulst, kriegst du Prügel, damit du weißt warum du heulst!“
Ja, das waren noch Zeiten! Da haben wir ein Gedicht auswendig lernen müssen, von dem mir immer noch nach 70 Jahren ein paar Zeilen im Gedächtnis geblieben sind:
„Der Besen, der Besen,
Was macht man damit?
Man schlägt damit die Buben.
Warum nicht die Mädchen?
Ei, das wär‘ eine Schand‘:
Die sitzen am Rädchen
Und spinnen gewandt.“
Wohlgemerkt: Ich bin nicht für diese Art von Erziehung, die ich genossen habe. Aber ich finde halt, dass Buben und Mädchen ihrem Geschlecht entsprechend unterschiedlich erzogen werden sollten, was natürlich nicht bedeutet: Mädchen ans Spinnrad.

2 Kommentare zu „Erziehung einst und jetzt

  1. Erinnert mich auch an ein Gedicht, das ich völlig wertungsfrei und ohne Kommentar hier wiedergebe:

    „Es regnet, es regnet,
    es regnet große Tropfen,
    die Mädchen muss man schonen,
    die Buben soll man klopfen.“

  2. Aber warum?
    Was ist/wäre denn „besser“, wenn man Jungs sehr männlich und Mädchen sehr weiblich erzieht?
    Ich für meinen Teil bin sehr erleichtert, dass ich als Kind nie dazu gezwungen wurde, mit Puppen zu spielen, sondern mit den Jungs aus der Nachbarschaft zum Fußball durfte!!

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