Bischöfe auf dem Holzweg:

Es begann vor 2 Jahren: Damals verlangte Erzbischof Zollitsch von der Justizministerin, sie solle binnen 24 (!) Stunden den Vorwurf zurück nehmen, die Kirche arbeite bei den Missbrauchsfällen nicht genügend mit der Justiz zusammen. Er warf ihr vor, sie habe dabei den eigenen Vorteil im Auge. Die Justizministerin blieb standhaft, und Zollitsch stand dumm da, weil er seinen starken Worten keine Taten folgen ließ. Er wusste wohl, warum.
Nun sagte die Ministerin laut Deutschlandfunk, der kirchenseitige Abbruch der Missbrauchsstudie erwecke den Eindruck, als wolle man nicht alles unabhängig aufklären lassen. Ein sehr schlimmer Vorwurf! Aber Zollitsch wird sich wohl nicht trauen, nochmals gegen die Justizministerin vorzugehen, denn die Frau ist schlau und weiß, was sie sagt und sagen darf.
Nun will die Bischofskonferenz stattdessen gegen den Aufklärer Pfeiffer vorgehen und verlangt von ihm, den Vorwurf kirchlicher Zensur zurück zu nehmen. Das Vorgehen der Bischöfe kann man nur als dumm bezeichnen. Die Bischöfe sollten nur einmal lesen, was alles über ihre Kündigung des Vertrags zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Internet steht: Schlimm ist das, was man da alles zu lesen bekommt, aber die Bischöfe sind wohl zu abgehoben, um mal da hinein zu schauen.
Was diese schreckliche massenhafte Beschimpfung der Kirche hätte abbiegen können, wäre ein einfacher Schritt gewesen: Zollitsch hätte Pfeiffer zu einer Fernsehdiskussion über die Ursache der Kündigung auffordern sollen und dann hätte jeder gesehen, wo die Probleme liegen. Das Publikum hätte dann vielleicht den Standpunkt der Kirche immer noch nicht für richtig gehalten, aber doch wohl Verständnis dafür aufgebracht. Aber wenn jeder in Interviews seine eigene Version verbreitet und dem Gegner vorwirft, die Unwahrheit zu sagen, ist das traurige Ergebnis dies, dass der Kirche misstraut wird. Dabei sollte es doch eigentlich so sein, dass in erster Linie der Kirche geglaubt wird.
Wenn die Kirche einen solchen Kampf mit offenem Visier scheut und stattdessen juristisch gegen Pfeiffer vorgeht, besteht zunächst einmal die Wahrscheinlichkeit, dass sie unterliegt wie bei den Papstkarikaturen. Aber auch wenn sie gewinnen sollte, würde sie in den Augen der Öffentlichkeit so da stehen, wie die Justizministerin schon gesagt hat. Man würde der Kirche die Kündigung und den folgenden Prozess dahin gehend auslegen, dass es der Kirche um Verzögerung und damit um Erschwerung der Aufklärung ginge.
Als PR-Beratre würde ich der Kirche nochmals das wiederholen, was ich ihr schon gesagt habe: Wenn man straflos als Kinderfickersekte bezeichnet werden darf, dann hilft einem nur eines: rasch und rückhaltlos alles aufklären und dabei in Demut die Arbeit der Aufklärer über sich ergehen lassen. Hätte man das getan, wäre alles längst erledigt. So aber besteht die Gefahr, dass sich nicht nur Gläubige von der Kirche abwenden, sondern auch Geistliche. Es gärt jedenfalls schon gewaltig. Bisher haben viele Priester ja nur den Weg der inneren Immigration gewählt.
Zum Thema Kirche lesen Sie doch bitte unbedingt dies:
Kirchensteuer
„Teufel, Teufel! Das Buch der unfrommen Geschichten“
Lilith

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