Menschenrechte in Russland und den USA

Die Pussy Riots haben zwei Jahre Arbeitslager bekommen. Das ist eine harte Strafe, die sie bewusst in Kauf genommen haben, denn sie haben ja gewusst, dass die russische Justiz streng durchgreift, wenn die Kirche durch politische Demonstrationen entweiht wird und wenn das Regime beleidigt wird. In unseren Augen ist das alles nicht so schlimm. Wir lassen es durchgehen, wenn auf einer Karikatur eine Stimme aus dem Himmel dem Gekreuzigten zuruft: „Hey, ich habe Deine Mutter gefickt.“ Vielleicht haben ja wir und die Russen die Maßstäbe verloren, nur in entgegen gesetzter Weise.
Merkwürdig finde ich an der Sache allerdings, dass unsere Kanzlerin diesen Fall zum Anlass genommen hat, Putin an die Menschenrechte zu erinnern. Dabei hätte sie viel mehr Grund, Obama ins Gewissen zu reden: Unlängst konnten wir in der Zeitung lesen, dass ein 13-jähriger geistig behinderter Junge zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Er teilt sein Schicksal mit mehr als 2000 Altersgenossen, die ebenfalls ihr ganzes Leben hinter Gefängnismauern verbringen müssen. Dies ist nur ein Beispiel von der in unseren Augen unmenschlichen Justiz in den USA. Aber glauben Sie, dass unsere Kanzlerin sich jemals trauen würde, Obama in gleicher Weise die Leviten zu lesen, wie sie es bei Putin getan hat? Oder glauben Sie, dass sie die Schließung von Guantamo, einem Schandfleck der Rechtsstaatlichkeit, fordern wird? Niemals!

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