Beschneidung, Bekehrungswahn, Ressentiments, Judenfeindschaft?

Sonderrolle für die Juden: Beschneidungsgesetz?
In der „Jüdischen Allgemeinen“ schreibt ein Rabbiner u.a. Folgendes (gekürzt):
In dieser Kontroverse kommen die aggressiv-kulturkämpferischen Töne nicht von denen, die ihre Religion verteidigen, sondern von denen, die mit missionarischem Wahn die Welt verbessern wollen. Offensichtlich haben diese Eiferer auch ihre eigene Religion, mit einer einzigen Mission: alle anderen Religionen auf dem Müllhaufen der Geschichte zu entsorgen.
…das Urteil von Köln seinen gebührenden Platz einnehmen. Es richtet sich im Kern gegen die Religion überhaupt.
Die Rechtsprechung der Inquisition hat, ähnlich wie die heutige Rechtsprechung in Köln, ein Urteil hervorgebracht, das die Wurzel jüdischer Identität bedrohte.
Die Inquisition behauptete, Juden seien Gotteslästerer. Heute unterstellt das Kölner Urteil, sie verstümmelten kleine Kinder. Damals hieß es, man müsse Gott schützen. Heute heißt es, man müsse kleine Kinder schützen.
Wieder wird ein Glaube zum Wahn: Sie glauben, nicht zu glauben, das ist ihr Glaube. Wie in der Inquisition gilt: »Willst du nicht mein Bruder sein, so schlage ich dir den Schädel ein.« Wer ihren Glauben nicht annimmt, der ist ihnen suspekt und rückständig.
Judenfeindschaft: Die Kirchen und der Staat gerieten weiter in den Sog der Judenfeindschaft. Dennoch sollte gerade hier und jetzt festgestellt werden, dass vor 500 Jahren ein Umdenken in Gang gesetzt wurde.
Das Urteil von Köln ist in diesem Sinne aufschlussreich. Es wird nicht wissenschaftlich begründet, sondern basiert auf der moralischen Instanz körperlicher Unversehrtheit. Erstmals wurde nicht unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten differenziert und daraus ein moralisches Urteil abgeleitet, sondern es wurde im Namen der Menschenrechte gesprochen. Ein Unterschied kommt aus der Verbotsperspektive auf; und zwar eben nicht unter wissenschaftlichen, sondern menschenrechtlichen Gesichtspunkten.
Nun sind die Menschenrechte und die Humanität dran, als Schutzschild für einen Wahn herzuhalten und instrumentalisiert statt geschützt zu werden.
In Wirklichkeit agieren viele Beschneidungsgegner mit einem Eifer, den man sonst nur von religiösen Fundamentalisten kennt. In der Theologie nennt man so etwas Bekehrungswahn.“
So weit der Rabbiner.
Das sind völlig unsachliche Töne, die jedes Verständnis für das Land vermissen lassen, in dem der Mann lebt. Er spricht von Bekehrungswahn, Ressentiments, Judenfeindschaft und vergleicht das Kölner Urteil mit den Inquisitionsprozessen. Schlimme Entgleisungen sind das.
Der Rabbiner ist nicht in der Lage zu begreifen, dass das Kölner Urteil nichts anderes ist, als schlichte Rechtsanwendung. Es ist schon als Böswilligkeit zu bezeichnen, wenn behauptet wird, dabei würden die Menschenrechte als Schutzschild für einen Wahn dienen.
Wenn in diesem Zusammenhang von Wahn die Rede sein könnte, dann höchstens von Verfolgungswahn, von dem der Rabbiner befallen zu sein scheint. Kein Mensch will die Juden bekehren. Man will nur, dass sie die Gesetze unseres Landes einhalten. Was wäre denn schon dabei, wenn man mit der Beschneidung warten würde, bis das Kind mündig ist und selbst entscheiden kann? Und müssten wir in Deutschland dann nicht auch die Beschneidung von Mädchen zulassen, die bei einigen afrikanischen Stämmen Gesetz sein soll? Oder die Vielweiberei der Moslems?
Der Rabbiner kritisiert, dass das Urteil von Köln nicht unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten, sondern unter menschenrechtlichen begründet wurde. Ich betrachte das eher als Lob. Aber wenn der Rabbiner schon von Wissenschaft redet, soll er uns doch einmal von da her das Gebot der Beschneidung erklären. Die bloße Tatsache, dass es sich um ein Gebot handelt, ist jedenfalls keine wissenschaftliche Begründung.
Was das Gebot anbetrifft, so kennt das Christentum eine ganze Reihe von Geboten, die außer Kraft gesetzt wurden: So z.B.: Das 2. Gebot: „Du sollst dir kein Bild von mir machen“, das Freitagsabstinenzgebot, den „Hexenhammer“ usw. Warum kann man nicht auch im Judentum darüber nachdenken, alte Gebote, die keinen Sinn haben, außer Vollzug zu setzen?
Übrigens: Nicht nur Deutschland setzt der religiösen Praxis Grenzen. Beispielsweise haben Frankreich und Belgien das Tragen von Burkas verboten und auch Kopftücher dürfen nicht überall verwendet werden. Gemeinsame Rechtsüberzeugung ist doch wohl, dass Religion keinesfalls als Rechtfertigungsgrund dafür anerkannt werden darf, dass man sich über Gesetze hinweg setzt.
Zum Schluss noch eine Bemerkung: Was der Rabbiner nicht sieht, ist dies: Mit seinen völlig überzogenen Ausführungen, die man fast schon als Hasstiraden bezeichnen muss, schürt er den Rechtsextremismus in diesem Land. Immerhin wird er aber letztlich Recht bekommen, indem ein eigenes Beschneidungsgesetz erlassen wird wie seinerzeit das Holocaustgesetz.

3 Kommentare zu „Beschneidung, Bekehrungswahn, Ressentiments, Judenfeindschaft?

  1. Wie heuchlerisch und kinderfeindlich geht unsere Regierung mit dem Zuspruch der Beschneidung um.
    Anscheinend hat ein seit Jahren bestehendes Gesetz zum Wohle des Kindes keine Wirkung.
    Zumal wir von den Juden regelrecht erpresst und zu einer Zustimmung zur Beschneidung gegängelt.
    Armes Deutschland lässt sich von Juden erpressen !!!!!!
    Zunächst sollten sich die Juden um ihre eigenen Probleme und Missstände, in ihrem durch
    Raubzüge, Besatzungen und Siedlungsbau besetzten Land kümmern.
    In meinen Augen ist Israel ein Menschen feindliches Volk erster Klasse.

  2. Ja, es darf.. bezweifelt werden, ob die Bundesrepublik überhaupt „Staat“ ist, oder..; ob noch immer das Besatzungs(Sieger-)recht der Alliierten gilt. Von daher macht es Sinn – mit den Einflüssen von außen..

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